Schmerzpatienten sollten dieses alternative Medikament kennen

Autor: Sandrina Koemm-Benson

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Schmerzpatienten sollten dieses alternative Medikament kennen

In den USA wird längst von einer „Schmerzmittel-Epidemie“ gesprochen und auch in Deutschland steigt die Zahl der verschriebenen Opioide stetig, ohne dass es neue wissenschaftlich begründete Indikationen gibt. Viel zu leichtfertig verschreiben Ärzte die Schmerzmittel, obwohl diese lebensgefährliche Nebenwirkungen haben können.

Cannabis ist heute für viele Menschen eine unverzichtbare Medizin in der Behandlung ihrer Leiden. Nicht nur Berichte von Patienten belegen dies, sondern auch zahlreiche Studien, die in den vergangenen Jahren zu Cannabis als Medizin durchgeführt wurden. Inzwischen existieren weltweit tausende Studien, die belegen, dass Medizinalhanf bei verschiedenen Erkrankungen und Leiden helfen kann.

Oftmals ist Medizinalhanf sogar die einzige, wirklich wirksame Arznei ohne stark beeinträchtigende Nebenwirkungen.

Schmerzgeplagte unterschätzen die möglichen Nebenwirkungen

Neben der schmerzstillenden Wirkung können Opiate oder Opioide Anspannungen und Ängste lösen, sodass sich das Allgemeingefühl verbessert. Genau hieraus ergibt sich bei längerer Anwendung das enorme Abhängigkeitspotenzial. Hinzu kommt der schnelle Gewöhnungseffekt.

Infolge dessen benötigen Patienten in immer kürzeren Zeitabständen höhere Dosen. Die Gefahr einer Überdosierung steigt. In den USA sind im Jahr 2016 rund 60.000 Menschen an den Folgen des Opioidkonsums verstorben.

Auch in Deutschland steigt die Zahl der Sterbefälle an: Offizielle Stellen geben an, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich mit Opiaten oder Opioiden vergiften. Die Schmerzmedikamente haben noch eine weitere Schattenseite, denn Patienten müssen mit erheblichen Nebenwirkungen rechnen:

  • Übelkeit, Erbrechen und Koliken
  • massive Verstopfung
  • Gefühlsschwankungen und Bewusstseinsstörungen
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Blutdruckabfall
  • Versteifung der Muskulatur
  • gestörte Nierentätigkeit (infolge dessen verminderte Urinausscheidung)
  • Störung des Hustenmechanismus
  • Hautrötungen, Juckreiz, Nesselsucht
  • Bronchialkrampf bei Asthmatikern
  • Hemmung der Atmung

Werden Opiate oder Opioide unkontrolliert oder in zu hoher Dosierung über einen längeren Zeitraum eingenommen, drohen gefährliche Vergiftungserscheinungen und das Risiko einer Atemdepression erhöht sich um ein Vielfaches. Bei dieser Atemdepression stellt sich eine oberflächliche, ungenügende und zu langsame Atmung ein, die zu einem Atemstillstand und schließlich zum Tod führen kann. Möglich sind hirnorganische Schäden, anhaltende Magen-Darm-Probleme sowie Potenzstörungen.

Erfahrungswerte von Patienten mit Cannabis

Leafly führt regelmäßige Interviews mit Patienten, die Cannabis als Medizin erhalten. Die Erfahrungen der befragten Betroffenen sind durchweg positiv. Hier die wichtigsten Aussagen:

  • Pascal S. musste 23 verschiedene Medikamente gegen Schmerzen, Depressionen, Angstzustände und Fibromyalgie einnehmen. 22 von 23 Medikamente konnte er nach der Verwendung von Medizinalhanf absetzen.
  • Isabell S., Schmerzpatientin: Infolge eines Geburtstraumas an der Lende wuchs ihr Bein nicht richtig mit. Es folgte ein langer Leidensweg und durch die vielen Medikamente und ihren Nebenwirkungen kam es zu immer neuen gesundheitlichen Problemen. Der Einsatz von Cannabis als Medizin hat Isabell und ihren Kindern ein neues Leben geschenkt.
  • Kai N. wurde mit einer Darmmalrotation geboren und leidet nach einer Operation unter ständigen Schmerzen. Jeden Tag musste er große Mengen Opiate zu sich nehmen, die fatale Nebenwirkungen hatten. Mit Medizinalhanf wurden die Schmerzen das erste Mal erträglich.
  • Florian L. leidet nach einem Bandscheibenvorfall an starken Schmerzen. Auch Opiate konnten seine Schmerzen nicht mehr als 30 Prozent verringern. Pharmazeutisches Cannabis nimmt ihm mittlerweile 70 Prozent der Schmerzen.
  • Franziska Q. brach sich bei einem Gleitschirmunfall die Halswirbel C3 bis C5 und kann nur noch ihren Kopf bewegen. Seither hat sie keine Kontrolle mehr über ihren Körper und leidet unter starken Schmerzen, Verspannungen, Spasmen sowie unter den starken Nebenwirkungen der Medikamente. Die Wirkstoffe THC und CBD helfen ihrem Körper, sich zu entspannen und auch ihre psychische Verfassung besserte sich.

Obwohl viele Patienten mit unterschiedlichen Beschwerden und Krankheiten von der Behandlung mit Medizinalhanf profitieren können, wirkt es bei jedem unterschiedlich. Ehrlicherweise muss gesagt werden, dass nicht alle Menschen (gleich) gut auf Medizinalhanf ansprechen.

Vorteile von Cannabis als Medizin auf einen Blick:

  • Mit der Einnahme von Opioiden und Opiaten muss – besonders bei längerer Einnahme – mit einer Vielzahl von – teilweise sogar mit lebensgefährlichen – Nebenwirkungen gerechnet werden. Die Nebenwirkungen von Cannabis als Arzneimittel sind in aller Regel schwächer. Typisch sind Mundtrockenheit, Schläfrigkeit, Schwindel sowie psychische Effekte, wogegen jedoch schnell eine Toleranz aufgebaut wird. Entzugs- oder Absetzsymptome stellen im therapeutischen Kontext meist kein Problem dar.
  • Anders als bei Opioiden und Opiaten gewöhnt sich der Körper nicht an cannabishaltige Medikamente, sodass eine kontinuierliche Erhöhung der Dosis nicht erforderlich ist.
  • Opioide oder Opiate müssen langsam abgesetzt werden, da sich ansonsten eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie) entwickelt. Cannabis zur medizinischen Anwendung kann hingegen auch abrupt abgesetzt werden, ohne dass eine Hyperalgesie oder Entzugserscheinungen zu befürchten sind.
  • Medizinisches Cannabis kann die Wirkung von Opioiden steigern. Die Dosis der starken Schmerzmedikamente kann somit reduziert werden.

Es muss an dieser Stelle auch betont werden, dass Opioide und Opiate sicherlich in vielen Fällen sehr hilfreich sind und dass Cannabis diese nicht einfach ersetzen kann, dennoch können Schmerzpatienten hiervon profitieren.

Schmerzpatienten und Angehörige sowie Interessenten können sich auch auf der Facebook-Seite von Leafly.de über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um medizinisches Cannabis informieren.

Gegen welche Symptome kann Cannabis als Medizin helfen?

Am häufigsten findet die Verordnung von Cannabis als Medizin bei chronischen Schmerzen statt. Doch Medizinalhanf kann auch bei vielen weiteren Beschwerden Linderung bringen. So etwa gegen Spastiken bei Multipler Sklerose, bei Übelkeit infolge von Chemo- und Strahlentherapien und gegen Appetitlosigkeit aufgrund einer HIV-/AIDS- oder Krebs-Erkrankung.

Weitere Symptome, die mit Medizinalhanf behandelt werden können, sind unter anderem:

  • Schlafstörungen
  • depressive Störungen und Angstgefühle
  • Unruhe
  • asthmatische Beschwerden
  • Magen-Darm-Beschwerden (bspw. infolge einer chronischen Darmerkrankung)
  • Kopfschmerzen
  • Tics im Rahmen des Tourette-Syndroms
  • Tremor (Zittern)
  • Krämpfe
  • usw.

Wirkung von Cannabis als Medizin

Cannabispflanzen enthalten zahlreiche Wirkstoffe, die als Cannabinoide bezeichnet werden. Die bekanntesten Cannabinoide sind das psychoaktive Tetrahydrocannabinol (THC) und das nicht-psychoaktive Cannabidiol (CBD). Cannabis mit einem hohen CBD-Gehalt kann beispielsweise bei der Behandlung von Muskelkrämpfen, Schlaflosigkeit, Angst und Entzündungen wirksam sein. Cannabissorten mit einem höheren THC-Anteil werden in der Regel gegen Übelkeit, Migräne, depressive Verstimmungen, chronische Schmerzen und Appetitproblemen eingesetzt.

Wie kann ich mir Cannabis verordnen lassen?

Jeder Arzt mit Ausnahme von Zahn- und Tierärzten darf Cannabis als Medizin verschreiben. In welchem Krankheitsfall die Behandlung mit Medizinalhanf sinnvoll ist, entscheidet der Arzt. Zunächst ist es also erforderlich, einen Arzt aufzusuchen, der sich mit Cannabis als Medizin auskennt. Dieser bestimmt die Art der Anwendung und die Dosis.

Bevor jedoch Cannabis-Medikamente auf einem Betäubungsmittelrezept verschrieben werden, muss die Genehmigung durch die Krankenkasse für die Kostenübernahme eingeholt werden. Hierfür ist es erforderlich, den Arztfragebogen zu Cannabinoiden nach § 31 Abs. 6 Sozialgesetzbuch V vom Arzt ausfüllen zu lassen. Nach dem Einreichen des Antrages hat die Krankenkasse fünf Wochen bzw. bei Palliativpatienten 3 Werktage Zeit, den Antrag zu genehmigen. Nur in begründeten Fällen darf die Krankenkasse den Antrag ablehnen.

Quellen:

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS), „DHS Jahrbuch Sucht 2017

Deutsches Ärzteblatt, Schubert, Ingrid; Ihle, Peter; Sabatowski, Rainer, 2013, „Zunahme der Opioidverordnungen in Deutschland zwischen 2000 und 2010

ZEIT ONLINE, Harro Albrecht, „Medikamente gegen den Schmerz

Deutsches Ärzteblatt, Grotenhermen, Franjo; Müller-Vahl, Kirsten, 2012, Das therapeutische Potenzial von Cannabis und Cannabinoiden

Kassenärztliche Bundesvereinigung, “Cannabis – was Ärzte bei der Verordnung wissen müssen

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