Cannabis gegen Krebs

Autor: Leafly Redaktion

Veröffentlicht am: 10. Mai 2017

Geändert am: 17. Oktober 2017

Krebs hat in der ein oder anderen Form das Leben von fast jedem Deutschen berührt. Entweder direkt oder durch einen geliebten Menschen. Einige Krebsarten sind im Frühstadium heilbar, andere so aggressiv, dass man nur versuchen kann das Ende des Leidens so erträglich wie möglich zu machen. Hier kommt der Einsatz von medizinischem Cannabis ins Spiel.

Die medizinischen Vorteile von Cannabis sind kein Geheimnis. Im Oktober 2003 hat die US-Regierung das medizinische Cannabis unter dem US-Patent Nr. 6630507 patentiert, das die antioxidativen Eigenschaften von Cannabinoiden erwähnt. Das Patent identifiziert auch die aktiven Wirkstoffe in Cannabis, die drogenähnliche Effekte auf den Körper verursachen und zitiert ihre Vorteile für Patienten, die durch Chemotherapie, Bestrahlung oder andere Quellen unter oxidativem Stress stehen. Kann Cannabis also eine alternative Medizin gegen Krebs sein?

Was ist Krebs?

Krebs ist keine Krankheit, sondern der Name, der einer Sammlung von verwandten Krankheiten gegeben wird, die durch ein abnormales Wachstum der Zellen gekennzeichnet sind. Es gibt mehr als 100 verschiedene Krebsarten, die durch externe Faktoren (wie Rauchen, Viren oder Karzinogene) und genetische Faktoren (wie genetische Mutationen, die von den Eltern vererbt werden) verursacht werden. Trillionen von Zellen bilden den menschlichen Körper, was bedeutet, dass Krebs überall beginnen könnte.

Wie Menschen, altern auch unsere Zellen oder werden beschädigt und sterben schließlich ab. Andere Zellen wachsen und teilen sich, um neue zu bilden und diese alten und beschädigten Zellen zu ersetzen. Doch wenn sich Krebs entwickelt, werden abnormale Zellen einschließlich der alten und beschädigten überleben, obwohl sie sterben sollten.

Einige dieser Zellen beginnen sich unendlich zu teilen und sich in dem umgebenden Gewebe zu verbreiten um neue Krebszellen zu schaffen, die nicht benötigt werden. Und da diese neuen Zellen nicht aufhören zu wachsen und sich zu teilen, sind sie wahrscheinlich im Immunsystem versteckt und bilden abnorme Wucherungen von Gewebe, bekannt als Tumore.

Krebsgeschwüre können sich in die nahe gelegenen Gewebe ausbreiten, wenn sie bösartig sind. Obwohl sie entfernt werden können, werden diese Krebszellen wahrscheinlich wieder wachsen. Durch eine Tumorwachstum, können einzelne Krebszellen abbrechen und durch das Blut oder das Lymphsystem zu irgendeinem anderen Teil des Körpers reisen, um dort neue Tumore zu bilden, oft weit weg von der ursprünglichen. Dieser Vorgang wird als Metastase bezeichnet.

Gutartige Tumoren, auf der anderen Seite, verbreiten sich nicht weiter oder infiltrieren das nahe gelegene Gewebe. Und sie wachsen nicht nach, nachdem sie entfernt worden sind. Dennoch können gutartige Tumore im Gehirn lebensbedrohlich sein.

Was sind die Symptome des Krebses?

Krebs und seine Behandlungen schwächen den Körper. Wir fühlen uns schwindelig. Die Symptome können sich unterscheiden, je nachdem in welcher Körperregion sich der Krebs befindet. Bekannte Symptome sind:
• Blut im Urin oder Stuhl
• Blaue Flecken
• Veränderungen in den Genitalien
• Husten, der mehr als einen Monat dauert oder von Blut begleitet wird
• Depression
• Schwierigkeiten beim Atmen
• Schwieriger Stuhlgang
• Unbehagen nach dem Essen
• Fieber
• Müdigkeit
• Sodbrennen
• Knoten oder Schwellungen
• Anhaltende Verdauungsstörungen
• Nachtschweiß
• Flecken und Wucherungen auf der Haut oder Veränderungen in Größe, Form und Farbe eines bereits vorhandenen Fleckes wie Vergilbung, Verdunkelung oder Rötung
• Wunden, die nicht heilen
• Gewichtsverlust
• Gewichtszunahme
• Unerklärliche Blutungen
• Unerklärliche Gelenkschmerzen

Krebs behandeln mit gängiger Schulmedizin

Die Krebsbehandlung kann kostspielig und zeitaufwändig sein und erfordert oft wiederholte Besuche, um Medikamente in Zyklen zu verabreichen. Ärzte werden wahrscheinlich damit beginnen, eine Biopsie zu entnehmen um festzustellen, welche Behandlung am effektivsten ist und um welchen Krebs es sich handelt.

Chirurgie: Operationen können durchgeführt werden, um Tumore zu entfernen oder zu entleeren um die Schmerzen und den Druck, den sie verursachen, zu erleichtern. Tumoren können manchmal mit minimal invasiver Chirurgie entfernt werden. Chirurgen werden oft einiges gesundes Gewebe und auch Lymphknoten entfernen.

Bestrahlung: Eine hohe Bestrahlungsdosis kann Krebszellen nach mehrwöchigen Behandlungen abtöten, das Wachstum verlangsamen, Krebszellen komplett abtöten und Tumore schrumpfen lassen. Leider kann es Monate dauern, bis die Krebszellen absterben. Die Patienten fühlen sich erschöpft, da auch gesunde Zellen durch die Bestrahlung angegriffen werden.

Chemotherapie: Chemo, ist die Verwendung von Medikamenten um Krebszellen direkt abzutöten. Die Methode wurde bereits in den 1940er Jahren erfolgreich eingesetzt. Die Medikation wird oft in Zyklen verabreicht. Heute werden mehr als 100 Medikamente zur Behandlung von Krebs eingesetzt, während weitere untersucht und entwickelt werden.

Immuntherapie: Immuntherapie ist die Verabreichung von lebenden Organismen zur Stimulierung des Immunsystems. Die Patienten fühlen hierbei häufig grippeähnliche Symptome.

Hormone: Oral verabreicht, per Injektion oder während einer Operation, kann die Hormontherapie dazu verwendet werden, das Wachstum von Krebszellen zu stoppen oder zu verlangsamen, zu reduzieren oder verhindern, dass Krebssymptome auftreten. Hormone können zusammen mit anderen Behandlungen verwendet werden, um die Chance zu schwächen, dass der Krebs zurückkehrt. Zusammen mit Übelkeit, Durchfall und Müdigkeit kann die Hormontherapie Knochen schwächen und Menstruationsveränderungen bei Frauen verursachen.

Hitze: Lokale Hyperthermie kann kleine Zellenbereiche (wie einen Tumor) zerstören, während regionale Hyperthermie oder Ganzkörper-Hyperthermie in Verbindung mit anderen Behandlungen verwendet werden können, um den Zellen zu helfen, besser zu arbeiten. Hyperthermie kann extern erstellt werden, indem man den Tumor über hohe Energiewellen von einer Maschine anspricht, oder intern, wenn eine dünne Nadel direkt in den Tumor eingeführt wird, um dort die Wärmeenergie freizusetzen.

Medizinisches Cannabis in der Krebstherapie

Um es vorweg zu sagen: Cannabis ist kein Heilmittel gegen Krebs, doch es kann helfen die Symptome zu mildern. Cannabis enthält mindestens 85 verschiedene Arten von Cannabinoiden, die aktiven Wirkstoffe, die medikamentenähnliche Effekte im ganzen Körper erzeugen. Die Auswirkungen dieser Cannabinoide bei der Behandlung von Krebssymptomen sowie die Nebenwirkungen von Krebstherapien werden so begünstigt.

Cannabinoid-Rezeptoren wurden im Gehirn, Rückenmark und Nervenendungen im ganzen Körper entdeckt, was darauf hindeutet, dass Cannabis eine größere Rolle im Immunsystem spielen kann, als bisher angenommen.

Cannabinoide sind für die legale, verschreibungspflichtige Verwendung in Deutschland teilweise synthetisiert aber auch als Ganzpflanzen Vollextrakt erhältlich. Dronabinol und Nabilon (Canemes®), zwei synthetische Pillenformen von THC, sind BfArM-zugelassen und werden derzeit verwendet, um Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie zu behandeln. In Deutschland ist außerdem ein Cannabisextrakt mit THC und CBD namens Sativex® zur Schmerzlinderung bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebs und bei Multipler Sklerose zugelassen.

Cannabinoide, von denen bekannt ist, dass sie mit Krebspatienten helfen, sind: CBC, CBD, CBDa, CBG, THC und THCa. Cannabidiol (CBD) ist dafür bekannt Schmerzen und kleinere Entzündungen zu lindern und Angstzustände zu reduzieren, ohne das „High“ von THC, dem primären psychoaktive Wirkstoff in Cannabis.

Exkurs zum Stand der Forschung

Generell ist zu sagen, dass die Krebsforschung im Zusammenhang mit Cannabis in Deutschland noch im Anfangsstadium steckt. Andere Länder wie Israel oder die USA haben uns viele Jahre an intensiver Forschungsarbeit voraus.

Derzeit werden weltweit mehrere Studien über die Auswirkungen von Cannabis auf Krebs bei Erwachsenen durchgeführt, darunter:
• Behandlung von soliden Tumoren mit oraler CBD
• Behandlung von rezidivierendem Glioblastom multiform mit einem THC / CBD-Mundspray
• Behandlung von Graft-versus-Host-Krankheit mit CBD bei Patienten, die sich einer Stammzell-Transplantationen unterzogen haben

Entsprechend dem National Cancer Institute der US-Regierung gehören andere Effekte von Cannabinoiden zu einer entzündungshemmenden Aktivität, die das Zellwachstum blockiert und das Wachstum von Blutgefäßen verhindert, die Tumore liefern, Viren bekämpfen und Muskelkrämpfe entlasten.

Das NCI erkennt auch an, dass inhaliertes Cannabis die Stimmung verbessert und somit eine Wohlbefinden zurückzuführen ist. Studien empfehlen, Cannabis für das Symptom-Management bei Krebspatienten zu verwenden, da es Erbrechen, Appetitanregung, Schmerzlinderung und zur Schlafverbesserung sowie zur Hemmung des Wachstums von bestimmten Tumorarten führen kann.

In Deutschland hat das BfArM zusammen mit der Gesetzesänderung eine Begleiterhebung erlassen, die über 60 Monate hinweg (5 Jahre), die Wirkung von Cannabis bei verschiedenen Symptomatiken aufzeigen soll.

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