Cannabis bei Posttraumatischer Belastungsstörung

Autor: Christine Dr. Hutterer

Veröffentlicht am: 21. Mai 2017

Geändert am: 18. August 2017

Als PTBS werden charakteristische Symptome nach Exposition mit einem schweren traumatischen Erlebnis bezeichnet, beispielsweise eine direkte persönliche Erfahrung eines Ereignisses mit tatsächlichem Tod oder Todesdrohung, mit einer schweren Verletzung oder einer anderen Bedrohung der körperlichen Integrität. Die Reaktion der betroffenen Person muss starke Furcht, Hilflosigkeit oder Horror umfassen.

Auch wenn die Posttraumatische Belastungsstörung häufig mit militärischen Einsätzen in Zusammenhang gebracht wird, basieren die meisten Fälle auf traumatischen Ereignissen in der Allgemeinbevölkerung. Solche Ereignisse umfassen körperlichen oder sexuellen Missbrauch, Verkehrsunfälle oder Naturkatastrophen und zwischenmenschliche Gewalt.

Kennzeichen von PTBS

PTBS ist von drei Symptomgruppen charakterisiert: Wiedererleben, Verdrängung und Übererregtheit (z. B. in Form von Rückblenden, gesellschaftlicher Isolation oder Schlafstörungen). Dass eine PTBS so hartnäckig ist, wird Veränderungen in der Chemie des Gehirns zugeschrieben, die zum Zeitpunkt des Traumas entstehen, wenn sehr große Mengen an Adrenalin und Stresshormonen ausgeschüttet werden.

Cannabis bei PTBS – Fluch und Segen?

Wird als „Bewältigungsdroge“ eingesetzt
-> Cannabis ist nicht nur Flucht, sondern auch Heilung
Der oberste Gerichtshof von Kroatien hat im Jahr 2009 entschieden, dass Kriegsveteranen Cannabis legal nutzen dürfen. Einer im Jahre 2011 vorgestellten Beobachtungsstudie aus Israel zufolge hat Cannabis einen relevanten therapeutischen Nutzen bei der Behandlung der PTBS.
-> Als kontrollierte Therapie häufig hilfreich

Verknüpfung zu Angststörungen
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22736575

Wie wirkt Cannabis bei PTBS?

Endocannabinoidsystem
Tierexperimentellen Untersuchungen zufolge beruht die therapeutische Wirkung von Cannabinoiden bei der posttraumatischen Belastungsstörung darauf, dass die im Gehirn für die Speicherung von Erinnerungen und Furcht zuständige Region mit dem Namen Amygdala der Kontrolle des körpereigenen Cannabinoidsystems unterliegt. Eine Überflutung der Amygdala mit Endocannabinoiden führt zu einer Auslöschung unangenehmer Erinnerungen.

Kalifornische Forscher beobachteten eine Beziehung zwischen Varianten des Gens, das den Cannabinoid-1-Rezeptor kodiert und dem Risiko für eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und für eine posttraumatische Stressstörung. (Quelle: Lu AT, et al. Am J Med Genet B Neuropsychiatr Genet, 22. Januar 2008 [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck])

Quellen:

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