Welche Darreichungsformen von Cannabis als Medizin gibt es in Deutschland?

Autor: Leafly Redaktion

Veröffentlicht am: 21. Mai 2017

Geändert am: 20. Oktober 2017

In Deutschland ist der Konsum von medizinischem Cannabis durch den Gesetzgeber streng geregelt. So stehen als Anwendungsarten derzeit lediglich das Vaporisieren von gemahlenen Blüten oder die orale Einnahme von Extrakten, zum Beispiel in Form von Rachensprays, Ölen oder Tropfen, zur Auswahl. Wir stellen Ihnen die erlaubten Anwendungsarten genauer vor und geben nützliche Tipps.

Vaporisieren von gemahlenen Cannabisblüten: Verdampfungstemperatur, Anwendung & Wirkung

In Deutschland weit verbreitet ist der Gedanke, dass man Cannabis zwingend zusammen mit Tabak rauchen muss, um eine Wirkung zu erhalten. Dies stimmt jedoch nicht. Eine wesentlich schonendere Methode um die medizinisch wertvollen Inhaltsstoffe zu entfalten, ist das Vaporisieren. Die chemischen Inhaltsstoffe der gemahlenen Blüten verdampfen hier bei sehr viel geringeren und weniger schädlichen Temperaturen.

Studien und Umfragen aus den USA haben gezeigt, dass viele Anwender den Geschmack von vaporisiertem Cannabis dem von brennendem Kraut vorziehen und der zu inhalierende Dampf wesentlich verträglicher für die Lunge ist.

Größere Tisch-Vaporizer bieten ausgezeichnete Dampfqualität bei fein abgestuften Temperatureinstellungen. Mit kleinen, tragbaren Geräten wiederum kann man die gemahlenen Cannabisblüten auch unterwegs konsumieren. Die optimale Verdampfungstemperatur liegt zwischen 180 und 210 Grad Celsius, je nach Gerät.

Für die Inhalation von Cannabisblüten sind derzeit in Deutschland nur zwei Geräte zugelassen. Leider sind derzeit die auf dem deutschen Markt zugelassenen Vaporisatoren nicht im Heilmittelkatalog enthalten. Das heißt, dass die Patienten die Kosten hierfür noch selbst tragen müssen.

Cannabisöl: Anwendung, Wirkung & Medikamente

Cannabinoiden Öle enthalten wertvolle Wirkstoffe, die zur Linderung medizinischer Indikationen notwendig sind. In Deutschland wird es diese Öle zunächst in Form von Plastikapplikatoren, zum Beispiel als Pumpsprays, oder in Form von Tropfen geben.

Beim Einsatz sollte man äußert vorsichtig sein und sich genau an die Dosierungsanleitung des Arztes bzw. Apothekers halten, da die Wirkung verzögert einsetzt.

Alle Präparate, die Cannabinoidenöle enthalten, sind sämtlich oral einzunehmen. Im Falle der Sprays reichen meist schon ein paar Sprühstöße aus, um die gewünschte Wirkung zu entfalten. Tropfen können direkt eingenommen oder in Speisen und Getränken gemischt werden.

Die derzeit in Deutschland erhältlichen Medikamente mit Cannabisöl sind Dronabinol, eine ölige Lösung sowie das derzeit einzige zugelassene Fertigarzneimittel mit dem Wirkstoff Dronabinol: das Pumpspray Sativex.

Bei Sativex handelt es sich um ein Cannbisvollextrakt mit 2,7 mg THC und 2,5 mg CBD sowie die sonstigen in Cannabisblüten enthaltenen Cannabinoide und Terpene in einem Sprühstoß.

Außerdem gehört zu dieser Arzneimittelgruppe noch das nabinolhaltige Fertigarzneimittel Canemes, das seit Januar 2017 in Kapselform verfügbar ist. Eine 1 mg Kapsel Canemes entspricht in der Wirkung ca. 7 bis 8 mg Dronabinol. Auch hier werden demnächst weitere Präparate von anderen Herstellern verfügbar sein.

Cannabisblütenextrakte: Anwendung & Wirkung

Tinkturen oder auch Extrakte sind Flüssigkeiten mit Cannabisinhaltsstoffen, die den Blüten mittels Alkohol oder Öl entzogen wurden. Sie werden unter der Zunge aufgetragen. Im Gegensatz zu mit Ölen versetzten Nahrungsmitteln gelangen Tinkturen so direkt in den Blutkreislauf.

Dadurch setzt ihre Wirkung schneller ein und sie lassen sich besser dosieren. Extrakte aus Cannabisblüten zur oralen Verwendung werden bisher allein von der Firma Bionorica in Neumarkt in der Oberpfalz hergestellt und geliefert.

Dabei handelt es sich um eine Lösung verschiedener Cannabinoide in Neutralöl. Sie ist standardisiert und auf einen Gehalt von 5% THC eingestellt. Das gelieferte Volumen beträgt 12 Milliliter und muss in der Apotheke auf den vorgegebenen Gehalt beziehungsweise die gewünschte Konzentration von THC eingestellt und in eine mit einem Tropfer versehene Flasche abgefüllt werden.

Alternativ kann das Arzneimittel in einem Gefäß mit Pumpspender beziehungsweise Dosierpumpe geliefert werden. Der Patient nimmt dann die ärztlich angewiesene Menge selbst oral zu sich. Es ist davon auszugehen, dass demnächst weitere Produkte von anderen Herstellern in Deutschland erhältlich sein werden.

Edibles – Speisen & Getränke: Anwendung & Wirkung

Eine bekannte und viel verwendende Alternative zum Rauchen ist der Verzehr von Speisen und Getränke, denen Cannabinoidenöl beigemischt wird: die sogenannten Edibles. Die Zubereitungsmöglichkeiten sind bereits jetzt sehr vielfältig.

Edibles können praktisch alle Speisen und Getränke sein, für deren Zubereitung Butter oder Öl benötigt wird, da sich die wertvollen Wirkstoffe nur in Verbindung mit Fett lösen, ganz ähnlich wie bei Betacarotin in Karotten. Edibles sind zu Hause einfach zuzubereiten.

Auch hier gilt: Vorsicht mit der Dosierung! Beginnen Sie mit einer geringen Dosis und haben Sie Geduld. Durch den Verdauungsvorgang dauert es bei Edibles viel länger, bis die Wirkung einsetzt, und die psychoaktive Wirkung kann intensiv sein.

Die Bundesopiumstelle führt als mögliche orale Einnahmeform die Zubereitung von Tee an. Der Tee muss mindestens 60 Minuten kochen, damit sich die Wirkstoffe lösen. Anschließend sollte etwas Sahne zugegeben werden, damit sich die wasserlöslichen Cannabinoide gut im Getränk lösen. Dies ist eine Jahrhunderte altbewährte Methodik aus der chinesischen Medizin.

Tipp: Genaue Dosierungs- und Zubereitungsanleitungen finden Sie zum download unter www.cannabis-med.org/german/dosierungsanleitung.rtf

Topicals: Anwendung & Wirkung

Topicals sind mit Cannabis versetzte Lotions und Salben, die zur lokalen Behandlung von Schmerzen, wunden Stellen und Entzündungen direkt auf die Haut aufgetragen werden.

Eine besondere Eigenschaft von Cannabistopicals ist die Möglichkeit der Behandlung von Symptomen ohne psychoaktive Wirkung – wenn Sie also klar im Kopf bleiben müssen und den Rausch komplett umgehen wollen, sollten Sie zu Topicals greifen.

Derzeit sind Topicals noch nicht für den Deutschen Markt vorgesehen, allerdings hoffen Patienten und Hersteller darauf, dass sich dies demnächst ändert und eine Zulassung erfolgt.

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