Medizinisches Cannabis in der Anwendung

Autor: Sandrina Kömm-Benson

Veröffentlicht am: 28. April 2017

Geändert am: 24. September 2017

In Deutschland ist der Konsum von medizinischem Cannabis durch den Gesetzgeber streng geregelt. So stehen als Anwendungsarten derzeit lediglich das Vaporisieren von gemahlenen Blüten oder die orale Einnahme von Extrakten, zum Beispiel in Form von Rachensprays, Ölen oder Tropfen, zur Auswahl. Leafly stellt die bisher erlaubten Anwendungsarten genauer vor und geben nützliche Tipps.

Vaporisieren von gemahlenen Cannabisblüten

In Deutschland weit verbreitet ist der Gedanke, dass man Cannabis zwingend zusammen mit Tabak rauchen muss, um eine Wirkung zu erhalten. Mediziner widersprechen dieser Aussage schon lange. Eine wesentlich schonendere Anwendung um die medizinisch wertvollen Inhaltsstoffe zu entfalten, ist das Vaporisieren. Die chemischen Inhaltsstoffe der gemahlenen Blüten verdampfen hier bei sehr viel geringeren und weniger schädlichen Temperaturen und die wertvollen Inhaltsstoffe lösen sich.

Studien und Umfragen aus den USA haben gezeigt, dass viele Anwender den Geschmack von vaporisiertem Cannabis dem von brennendem Kraut vorziehen und der zu inhalierende Dampf wesentlich verträglicher für die Lunge ist. Größere Tisch-Vaporizer bieten ausgezeichnete Dampfqualität bei fein abgestuften Temperatureinstellungen. Mit kleinen, tragbaren Geräten wiederum kann man die gemahlenen Cannabisblüten auch unterwegs konsumieren.

Für die inhalative Anwendung von Cannabisblüten sind derzeit in Deutschland (und weltweit) nur zwei Geräte zugelassen. Beide werden vom Unternehmen Storz & Bickel in Tuttlingen hergestellt und vertrieben: das stationär (zu Hause) verwendbare Gerät Volcano Medic und der transportable Vaporisator Mighty Medic, den man auf Reisen oder zur Arbeit mitnehmen kann, auch unterwegs die notwendige Anwendung durchführen zu können. Beides sind zertifizierte Medizinprodukte. Es gibt Patientenberichte, nach denen die Kosten hierfür von den Krankenkassen bereits übernommen wurden. Die optimale Verdampfungstemperatur liegt zwischen 180 und 210 Grad Celsius, je nach Gerät.

Cannabisöl: Anwendung, Wirkung und Medikamente

Cannabinoiden Öle enthalten wertvolle Wirkstoffe, die zur Linderung medizinischer Indikationen notwendig sind. In Deutschland wird es diese Öle zunächst in Form von Plastikapplikatoren, zum Beispiel als Pumpsprays, oder in Form von Tropfen geben. Beim Einsatz sollte man äußert vorsichtig sein und sich genau an die Dosierungsanleitung des Arztes oder Apothekers halten, da die Wirkung verzögert einsetzt.

Alle Präparate, die Cannabinoidenöle enthalten, sind sämtlich oral einzunehmen. Im Falle der Sprays reichen meist schon ein paar Sprühstöße aus, um die gewünschte Wirkung zu entfalten. Tropfen können direkt eingenommen oder in Speisen und Getränken gemischt werden.

Die derzeit in Deutschland erhältlichen Medikamente mit Cannabisöl sind Dronabinol, eine ölige Lösung sowie das derzeit einzige zugelassene Fertigarzneimittel mit dem Wirkstoff Dronabinol: das Pumpspray Sativex. Bei Sativex handelt es sich um ein Cannbisvollextrakt mit 2,7 mg THC und 2,5 mg CBD sowie die sonstigen in Cannabisblüten enthaltenen Cannabinoide und Terpene in einem Sprühstoß. Außerdem gehört zu dieser Arzneimittelgruppe noch das nabinolhaltige Fertigarzneimittel Canemes, das seit Januar 2017 in Kapselform verfügbar ist. Eine 1 mg Kapsel Canemes entspricht in der Wirkung ca. 7 bis 8 mg Dronabinol. Auch hier werden demnächst weitere Präparate von anderen Herstellern verfügbar sein.

Cannabisblütenextrakte

Tinkturen oder auch Extrakte sind Flüssigkeiten mit Cannabisinhaltsstoffen, die den Blüten mittels Alkohol oder Öl entzogen wurden. Sie werden unter der Zunge aufgetragen. Im Gegensatz zu mit Ölen versetzten Nahrungsmitteln gelangen Tinkturen so direkt in den Blutkreislauf. Dadurch setzt ihre Wirkung schneller ein und sie lassen sich besser dosieren.

Extrakte aus Cannabisblüten zur oralen Verwendung werden bisher allein von der Firma Bionorica in Neumarkt in der Oberpfalz hergestellt und geliefert. Dabei handelt es sich um eine Lösung verschiedener Cannabinoide in Neutralöl. Sie ist standardisiert und auf einen Gehalt von 5 % THC eingestellt. Das gelieferte Volumen beträgt 12 Milliliter und muss in der Apotheke auf den vorgegebenen Gehalt beziehungsweise die gewünschte Konzentration von THC eingestellt und in eine mit einem Tropfer versehene Flasche abgefüllt werden.

Alternativ kann das Arzneimittel in einem Gefäß mit Pumpspender beziehungsweise Dosierpumpe geliefert werden. Der Patient nimmt dann die ärztlich angewiesene Menge selbst oral zu sich. Es ist davon auszugehen, dass demnächst weitere Produkte von anderen Herstellern auf dem deutschen Markt erhältlich sind.

Edibles und Topicals: Cannabishaltige Speisen, Getränke, Salben und Lotionen

Cannabishaltige Speisen und Getränke sowie Lotions und Salben sind in Deutschland nicht verschreibungspflichtig. Diese können zuhause hergestellt werden unter Verwendung von verordneten Cannabis Blüten oder Extrakten wie Dronabinol.

Eine bekannte und viel verwendende Alternative zum vaporisieren ist der Verzehr von Speisen und Getränke, denen Cannabinoidenöl beigemischt wird: die sogenannten Edibles. Die Zubereitungsmöglichkeiten sind bereits jetzt sehr vielfältig. Edibles können praktisch alle Speisen und Getränke sein, für deren Zubereitung Butter oder Öl benötigt wird, da sich die wertvollen Wirkstoffe nur in Verbindung mit Fett lösen, ganz ähnlich wie bei Beta Carotin in Karotten.

Edibles sind zu Hause einfach zuzubereiten. Auch hier gilt: Vorsicht mit der Dosierung! Beginnen Sie mit einer geringen Dosis und haben Sie Geduld. Durch den Verdauungsvorgang dauert es bei Edibles viel länger, bis die Wirkung einsetzt, und die psychoaktive Wirkung kann intensiv sein.

Die Bundesopiumstelle führt als mögliche orale Einnahmeform die Zubereitung von Tee an. Der Tee muss mindestens 60 Minuten kochen, damit sich die Wirkstoffe lösen. Anschließend sollte etwas Sahne zugegeben werden, damit sich die wasserlöslichen Cannabinoide gut im Getränk lösen. Dies ist eine Jahrhunderte altbewährte Methodik aus der chinesischen Medizin.

Edibles eigenen sich vor allem für Menschen, für die das Vaporisieren nicht infrage kommt.

Tipp: Genaue Dosierungs- und Zubereitungsanleitungen finden Sie zum download unter www.cannabis-med.org/german/dosierungsanleitung.rtf

Topicals: Lotions und Salben mit Cannabis

Topicals sind mit Cannabis versetzte Lotions und Salben, die zur lokalen Behandlung von Schmerzen, wunden Stellen und Entzündungen direkt auf die Haut aufgetragen werden. Eine besondere Eigenschaft von Cannabistopicals ist die Möglichkeit der Behandlung von Symptomen ohne psychoaktive Wirkung – wenn Sie also klar im Kopf bleiben müssen und den Rausch komplett umgehen wollen, sollten Sie zu Topicals greifen.

Auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift! Anhand von Erfahrungsberichten von Patienten können wir sagen, dass von einer Ganzkörper Einsalbung mit einem Topical dringend abzuraten ist.

Häufig gestellte Fragen

Q:

Werden die Kosten für einen Vaporizer von der Krankenkasse übernommen?

A:

Werden die Kosten für einen Vaporizer von der Krankenkasse übernommen?

Derzeit sind die gängigen Vaporisatoren nicht im Heilmittelkatalog aufgenommen. Das heißt, dass eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen zu beantragen ist.

Q:

Wird es Topicals demnächst auch in Deutschland geben?

A:

Wird es Topicals demnächst auch in Deutschland geben?

Die Hersteller versuchen eine Zulassung für Topicals zu erhalten. Dies kann allerdings noch einige Zeit dauern.

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