Decarboxylierung: Tee aus Cannabis als alternative Einnahmemethode

Autor: Alexandra Latour

Veröffentlicht am: 8. September 2017

Geändert am: 24. September 2017

Medizinisches Cannabis kann als Tee zubereitet werden. Damit sich die Cannabinoide, also die Wirkstoffe der Hanfpflanze, im Teewasser richtig lösen, ist einiges zu beachten. Kocht man einen Tee aus Cannabis richtig, gelangen etwa ein Zehntel der Cannabinoide aus den verwendeten Cannabisblüten in den Blutkreislauf und entfalten so die Cannabis-Wirkung.

Die unterschiedlich wirksamen Cannabinoide wie Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) gibt es in Form von Cannabis Medikamenten oder als Cannabisblüten und Cannabisextrakt per Verordnung vom Arzt auf BtM-Rezept. Diese Cannabisblüten können auf unterschiedliche Art und Weise eingenommen werden. Die Inhalation mit einem Cannabis-Verdampfer ist die gängigste Form. Daneben besteht die Möglichkeit, aus den Cannabis Blüten Tee (Hanf Tee) zuzubereiten. Mit dem einfachen Überbrühen der Blüten lösen sich allerdings zu wenige Wirkstoffe im Wasser, weshalb sich Patienten mit der sogenannten Decarboxylierung auskennen sollten.

Decarboxylierung von Cannabinoiden aus der Hanfpflanze

Wenn Cannabisblüten verschrieben werden, liegen die Cannabinoide aus der Hanfpflanze nicht in ihrer wirksamen Reinform vor, sondern sind eingeschlossen innerhalb der Pflanze als Carboxylsäuren. Gelöst werden diese durch hohe Temperaturen, also entweder durch verdampfen oder auskochen in Flüssigkeit. Damit die gewünschte Wirkung eintritt, müssen diese also zunächst chemisch verändert werden, was im Rahmen der sogenannten Decarboxylierung geschieht.

Von den Carboxylsäuren THCA und CBDA wird bei diesem chemischen Vorgang jeweils ein Kohlendioxidmolekül abgespalten, sodass die Verbindungen THC und CBD entstehen. Hierfür kann zwischen den beiden folgenden Methoden ausgewählt werden:

  • Methode 1 (vor der Teezubereitung): Die Cannabisblüten werden im Backofen 10 Minuten lang bei 140 Grad Celsius erhitzt und anschließend überbrüht.
  • Methode 2 (während der Teezubereitung): Die Cannabisblüten werden mit dem Teewasser gekocht.
    Cannabis-Tee Zubereitung / Hanftee selber machen

Vor der Zubereitung des Cannabis-Tees muss sich entschieden werden, ob die Decarboxylierung vor oder während der Teezubereitung erfolgen soll.

  • Cannabis Tee-Zubereitung nach Methode 1: Die Cannabisblüten aus dem Backofen holen und mit ca. einem viertel Liter siedendem Wasser übergießen. Danach sollte der Tee zugedeckt ungefähr 15 Minuten ziehen. Das Cannabinoid THC ist nicht wasserlöslich, weshalb eine fetthaltige Substanz benötigt wird. Es ist also notwendig, einen Teelöffel Kokosfett, Sahne oder Butter zum Tee hinzugeben.
  • Cannabis Tee-Zubereitung nach Methode 2: Die Cannabisblüten müssen in einem geschlossenen Topf in ungefähr 400 Milliliter Wasser gekocht werden. Auch hier muss das zuvor genannte Fett hinzugegeben werden. Nach der einstündigen Kochzeit ist der Cannabis-Tee verzehrbereit.

Die Menge an Cannabis Blüten, die für die Teezubereitung verwendet wird, sollte vorab mit dem Arzt abgesprochen werden. Ratsam ist es, zunächst mit einer geringen Dosierung zu beginnen, damit sich der Körper an die Hanftee-Wirkung gewöhnen kann. Dabei tritt die Wirkung ungefähr nach 90 Minuten ein.

Der Hanf Tee kann warm, aber auch kalt als Cannabis-Eistee getrunken werden. Mit etwas Honig, Kuhl-, Mandel- oder Sojamilch kann dieser noch verfeinert werden. Im Kühlschrank kann der Tee maximal zwei Tage gelagert werden. Ein weiteres Cannabis-Tee-Rezept beinhaltet, dass der Hanf Tee mit frischen Ingwerscheiben und dem Saft einer ausgepressten Zitrone verfeinert wird.

Hanf-Tee hilft bei folgenden Symptomen/Beschwerden

Hanf-Tee kann Übelkeit und Erbrechen als auch Magenkrämpfe lindern. Der Verdauungstrakt entspannt sich und der Hanftee besitzt zudem eine leicht appetitanregende Wirkung. Weiter beruhigt Hanftee auch das Nervensystem und trägt damit zur Stressbewältigung bei. Außerdem wird Hanf Tee gegen Schmerzen eingesetzt.

Cannabis-Tee: Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Patienten sollten mit ihrem Arzt über mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sprechen. So kann es beispielsweise zu Wechselwirkungen kommen, wenn Medikamente eingenommen werden, die durch die Enzyme CYP2C19 oder CYP2D6 verstoffwechselt werden.

Hierzu gehören unter anderem die Medikamente Omeprazol und Pantoprazol (Protonenpumpenhemmer), Risperidon (Neuroleptikum) und Clobazam (Antiepileptikum).

Bei der Einnahme von Schmerzmitteln ist zu beachten, dass der Abbau durch den Cannabis-Tee verzögert und die Wirkung verstärkt werden kann. Vor allem gilt dies für das Schmerzmittel Diclofenac.

Darüber hinaus können HIV-Arzneimittel durch den Genuss des Hanfes eingeschränkt werden.

Nebenwirkungen sind möglich und können sich wie folgt äußern:

  • Rötung der Augen
  • Mundtrockenheit
  • Schwindel
  • Abnahme des Blutdrucks
  • Ansteigen der Pulsfrequenz
  • Müdigkeit
  • Ängste
  • Euphorie

Sollten Cannabis-Nebenwirkungen auftreten, ist der Arzt hierüber zu informieren.

Hanf-Tee ohne THC im Handel kaufen

Der nicht berauschende Hanftee aus Nutzhanf ist seit vielen Jahren im Handel erhältlich. Zwar enthält der Hanf-Tee THC, der THC-Gehalt liegt jedoch gemäß dem EU-Recht unter 0,2 Prozent. Häufig beinhaltet der Hanftee einen höheren CBD-Gehalt, also dem nicht psychoaktiven Cannabinoid aus der Hanfpflanze.

Beim Kauf von Cannabis Tee aus Nutzhanf gilt wie bei anderen Teesorten auch, dass auf Bio-Tee zurückgegriffen werden sollte. Je nach Mischung schmeckt der Tee aus Nutzhanf unterschiedlich.

Angst vor Nebenwirkungen müssen Konsumenten nicht haben. Zu beachten ist jedoch, dass der Nutzhanf-Tee nicht die dieselben Eigenschaften besitzt wie aktives THC in Verbindung mit den Cannabinoiden. Die Hanftee-Wirkung ist also wesentlich schwächer.

Quellen:

Hanfjournal, Dr. med. Franjo Grotenhermen, 2014, „Temperaturen und Zeiten für die Aktivierung von THC

Hanfjournal, Dr. med. Franjo Grotenhermen, 2016, „Decarboxylierung von THC und CBD

Pharmazeutische Zeitung Online, 2017, „Cannabis als Tee: Was ist mit der Wasserlöslichkeit von THC?