Der Jochen: Die Dosierung macht das Gift

Autor: Jochen Gutjahr

Veröffentlicht am: 31. August 2017

Geändert am: 18. November 2017

Als MS Patient bekomme ich seit vielen Jahren Satix. In vielen Situationen meines Lebens ist das ein Segen. Spastik, die die Beine besonders am Morgen, nach dem Erwachen, nicht beherrschbar macht, wird gelindert. Das Zucken der Beine in der Nacht wird reduziert und vor allem meine Ruhe- und Bewegungsschmerzen nehmen spürbar ab! So weit so gut und soweit eine tolle Hilfe.

Das Spray will jedoch ganz individuell eingesetzt werden, so meine Erfahrung.

In der Einnahmehilfe steht, wie meist bei jedem Medikament, für ALLE Nutzer ein ähnlicher respektive gleicher Text, nicht personalisiert! Ob nun die Patientin oder der Patient unter-, normal- oder übergewichtig ist, ob Bewegungseinschränkungen vorliegen oder andere individuelle Gegebenheiten, da ist häufig kein Unterschied festzustellen. Beim Alter gibt es manchmal einige gesonderte Vorgaben (s. Kinder oder Jugendliche) und natürlich bei Frauen vor und während der Schwangerschaft. Mithin ist auch Sativex PERSÖNLICH zu dosieren. Eigene Verantwortung also!

Da ich vor Sativex noch kaum andere Cannabis Erfahrungen hatte, fehlte mir schlicht jedwede „Anwendungshistorie“. Nachdem ich das Spray von meiner Neurologin, vorrangig gegen die Spastik und die Schmerzen erhielt, habe ich anfangs falsch dosiert. Zunächst habe ich ungeduldig die Eingewöhnungsphase verkürzt und die (angezeigte) Menge und Häufigkeit der Sprühstöße nicht so genau genommen.

Da meine beiden Beine, besonders das rechte seit Langem nicht mehr physiologisch „exakt“ arbeiten, vom Knie abwärts zunehmend taub sind und ich von den Fußsohlen keine Rückmeldung erhalte, laufe ich „über die Augen“. Ich benutze die Augen quasi stark als „Scanner“ des Bodens vor mir, als „Distanzmesser“ und damit als Raumorientierung. Wenn nicht ALLES passt, kann ich nicht gehen, beziehungsweise gehe ich nicht.

Erschwert durch einen Unfall mit dem Ergebnis von Bänderdehnungen im rechten Fuß, verbunden mit häufigem „Umknicken“ und einhergehenden Schmerzen, benötigt meine Fortbewegung eine sehr große Konzentration. Leichte Ablenkungen können bereits zu Stürzen führen. Das Laufen ist richtige ARBEIT. Schmerzen machen diese Arbeit nicht leichter oder angenehmer.

Damit war für mich eine schnelle Hoffnung an Sativex geknüpft, mit der fatalen Folge einer (für mich) falschen, zu hohen Anfangsdosierung. Das Spray verringerte meine (notwendige) Konzentrationsfähigkeit. Zwei nicht einfache Stürze waren die Folge. Hatte ich den ersten Sturz noch auf eine allgemeine „Schusseligkeit“ geschoben, lag beim Folgesturz, mit Verdacht auf einen gebrochenen Unterarm, die Verbindung zum Medikament nahe.

Vorsicht und Geduld sind geboten!

Die Lehre war für mich ein sachtes und langsames Austesten der Dosierung und der Zeiten der Einnahme von Sativex. Nach einigen Monaten der sorgsamen Anwendung hilft mir mein Präparat nun sehr, meine gesundheitliche Situation besser lebbar zu gestalten.

Jochen GUTJAHR

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