Edibles: Speisen und Getränke mit medizinischem Cannabis

Autor: Leafly Redaktion

Veröffentlicht am: 5. Mai 2017

Geändert am: 17. Oktober 2017

Die Einnahme von Cannabis als Rauch oder Dampf stellt für viele Patienten ein Problem dar. Eine Alternative ist die Aufnahme von Cannabis in Nahrungsmitteln. In diesem Artikel erfahren Sie die Vorteile, aber auch Gefahren von Cannabis im Essen und als Getränk. Von einfachen Grundrezepten bis zu raffinierten Kompositionen, Cannabis ist auch als Nahrungsmittel erstaunlich flexibel. Doch birgt Cannabis im Essen und Trinken auch Gefahren, denn die Wirkung entfaltet sich sowohl zeitlich als auch von der Intensität anders.

Edibles sind eine gute Alternative und einfach zuzubereiten

Was sind Edibles?

Edibles sind Essen- oder Getränkzubereitungen mit Mmj. Mit der Legalisierung von Cannabis in manchen Staaten wurde auch die orale Aufnahme von Cannabis vermarktbar und führte zu einer Vielzahl von Fertigprodukten von der Pizza über Gummibärchen bis zum Smoothie.

Da diese Fertigprodukte in Deutschland nicht verfügbar sind, ist der Patient darauf angewiesen Edibles selber zu produzieren.

Für wen sind Edibles geeignet?

Edibles stellen eine Alternative für Cannabis Patienten dar, denen das Rauchen oder Verdampfen von Cannabis unangenehm oder nicht möglich ist.

Die orale Einnahme hat dabei gleich mehrere Vorteile: Es entstehen keine karzinogenen Gifte durch das Verbrennen und auch der für manche ungewohnte und störende Geruch entsteht nicht.

Die Verabreichung von Cannabis im Lebensmittel ist einfach, man isst oder trinkt es. Doch Vorsicht: Die Wirkung von Cannabis setzt bei oraler Aufnahme verzögert ein, je nach Erfahrung und der individuellen Toleranz kann dies 30-90 Minuten dauern.

Gerade ungeübte Cannabis Patienten sollten sich also vorsichtig an die richtige Dosierung herantasten und einige Grundregeln beachten um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Edibles und ihre Wirkung: Wie reagiert der Stoffwechsel auf die orale Einnahme von THC und CBD?

Δ9-THC wird im Menschen überwiegend zu 11-Hydroxy-Δ9-THC oxidiert. 11-Hydroxy-Δ9-THC ist ebenfalls psychoaktiv und wird im weiteren Verlauf zum nicht mehr psychoaktiven 11-Nor-9-carboxy-Δ9-THC verstoffwechselt.

Der Abbau geschieht in circa acht Stunden über den Darm, die Niere und oxidativ über die Leber.

Die nicht psychoaktiven und lipophilen (fettlösliche) Metabolite (Stoffwechselprodukte) werden im Fettgewebe eingelagert, der weitere Abbau geschieht sehr langsam.

Achtung, oral eingenommenes Cannabis ist länger nachweisbar. Besondere Vorsicht ist bei der Teilnahme am Straßenverkehr zu geboten, die Einnahme von Cannabis und die Teilnahme am Straßenverkehr ist klar zu trennen. Dabei sollten Sie sich darüber bewusst sein, dass auch wenn die spürbare Wirkung z.B. ihrer Hanfkekse längst nachgelassen hat, sind Sie rein rechtlich erst Tage nach der Einnahme wieder verkehrstüchtig.

Sollten Sie sich aus beruflichen oder polizeilichen Gründen einem Drogentest unterziehen müssen, beachten sie bitte, die Nachweisbarkeit der Stoffwechselprodukte: Bei einmaliger Einnahme von Cannabis ist ein Nachweis bis zu 12 Tagen, bei oraler und regelmäßiger Aufnahme ist dieser Nachweis auch bis zu 4 Wochen möglich.

Die Wirkstoffveränderung von THC beim Erhitzen

Tetrahydrocannabinol liegt in der Pflanze als Säure vor, dem THCA, welches keine psychoaktive Wirkung hat. Durch Erhitzen wandelt sich diese Säure in das psychoaktiv wirksame THC um. Dabei wird ein Kohlendioxid-Molekül von der Säure abgespalten.

Diesen Vorgang nennt man Decarboxylierung. Will man medizinisches Cannabis essen, ist vor allem die richtige Temperatur beim Erhitzen sowie eine entsprechende Trägersubstanz (Fett) nötig, um die medizinisch wirksamen Bestandteile für die Herstellung von Edibles zu erhalten.

Wie findet man die richtige Dosierung?

Der vielleicht wichtigste Rat im Umgang mit Edibles ist: Lassen sie sich Zeit. Jeder Stoffwechsel reagiert verschieden und gerade im Umgang mit medizinischem Cannabis ist Vorsicht geboten.

Edibles wirken langsamer, je nach Stoffwechsel kann es zwischen 30 und 120 Minuten dauern bis die Wirkung einsetzt. Seien sie also geduldig und warten sie lange ab. Erst wenn sie sich ganz sicher sind, dass sie den gewünschten Effekt noch nicht erreicht haben ist eine Nachdosierung ratsam.

Mit ein wenig Erfahrung werden sie die für sie perfekte Dosierung herausfinden. Nehmen sie Edibles nach Möglichkeit nicht auf nüchternen Magen zu sich und versuchen sie zuerst normal zu essen und erst dann ein Edible zu versuchen.

Vorsicht vor einer Überdosierung!

Eine THC Überdosis ist unangenehm. Dabei auftretende Symptome können Halluzinationen, Angstzustände, Wahnvorstellungen, Kreislaufprobleme, Erbrechen oder die Lähmung oder Taubheit von Gliedmaßen und Schweißanfälle sein. Gerade ungeübten Patienten ist dringend davon abzuraten Edibles auf eigene Faust und ohne Begleitung zu Essen.

Was also tun, wenn sie versehentlich überdosiert haben. Oberstes Gebot ist: Ruhe bewahren. Auch wenn die Symptome erst einmal angsteinflössend sein mögen, versuchen Sie sich zu beruhigen.

Atmen Sie langsam und tief ein und aus. Die meisten Symptome einer Überdosierung werden nach Minuten in schweren Fällen auch nach Stunden wieder verschwinden. Auch wenn es sich im Moment so anfühlen mag, sie werden an einer THC Überdosis nicht sterben.

Vermeiden sie Dehydrierung. Trinken sie Wasser am besten in kleinen Schlucken.

Nehmen sie Vitamin C zu sich. Bei Angstzuständen oder Paranoia: Schwarzer Pfeffer. Kauen Sie einige Pfefferkörner oder sniffen sie eine Priese gemahlenen Schwarzen Pfeffer, in den allermeisten Fällen hilft dieses – fast überall vorhandene – Hausmittel sofort.

Ruhen Sie sich aus, entledigen sie sich enger Kleidung und Gürtel.

Wenn sie sich ein wenig beruhigt haben versuchen sie einen Spaziergang an der frischen Luft, auch eine Dusche oder ein Bad sind hilfreich.

Als Außenstehender wirken Sie beruhigend auf den Betroffenen ein.

Welche Lebensmittel eignen sich für Edibles?

Der Klassiker unter den Edibles ist selbstverständlich der Cookie, aber auch Cannabis Schokolade oder Cannabis Tee sind weitläufig bekannte Edibles. Prinzipiell sind der Kreativität in der Küche aber keine Grenzen gesetzt. Auf Basis von THC Butter lassen sich eine Vielzahl von Backwaren herstellen.

Im Zusammenspiel mit Cannabis Öl ist aber auch das Kochen mit Cannabis ein interessantes und auch geschmacklich reizvolles Thema. Edibles können sowohl süß als auch salzig sein.

Cannabis ist in der Küche als Kraut vielfältig einsetzbar, hat allerdings bei falscher Zubereitung eine Tendenz bitter zu schmecken.

Nicht zuletzt sei auch an dieser Stelle noch einmal an eine vorsichtige Dosierung erinnert, es ist also ratsam Cannabis vor allem in leicht portionierbaren Zubereitungen zu verwenden.

Basisrezepte für die Verarbeitung von medizinischem Cannabis in Edibles

Zutaten:

  • 1 Pfund Butter
  • 1 Tasse Wasser
  • 30 Gramm Medical Cannabis (Die Cannabiszugabe kann, wenn man sich über die Dosierung noch nicht sicher ist reduziert werden)

Die Butter gemeinsam mit dem Wasser in einem Topf erhitzen, das Wasser ist hierbei wichtig, um die Temperatur zu regulieren, nach Bedarf während des Prozesses mehr Wasser hinzugeben. Ist die Butter geschmolzen geben Sie das fein zerbröselte Cannabis hinzu und lassen diese Mixtur bei niedriger Temperatur simmern. Ab und an umrühren. Achten sie auf eine niedrige Temperatur, es darf nicht kochen.

Nach 2-3 Stunden gießen Sie die noch flüssige Butter durch ein Buttertuch oder feines Sieb ab und entfernen so die Pflanzenrückstände. Die verbliebene Flüssigkeit im Kühlschrank erkalten lassen, das übrig bleibende Wasser abgießen.

Diese Butter ist die Grundlage für viele Back- und Kochrezepte.

Cannabisöl

Zutaten:
Medical Cannabis und Küchenöl zu gleichen Teilen
Als Öl empfiehlt sich entweder Kokosnuss oder Olivenöl. Aufgrund des milderen Eigengeschmacks ist Kokosöl vielseitiger.

Hardware:
Buttertuch oder feines Sieb
Grinder, Mörser (Kaffeemühle oder ähnlich)
Kochtopf

Zerkleinern sie zunächst das Cannabis, achten sie dabei darauf nicht zu fein zu mahlen, da sonst das Herausfiltern der Pflanzenrückstände erschwert wird.

Mischen sie Cannabis und Öl in einem Topf und erhitzen sie beides vorsichtig und lassen sie es für mindestens 2-3 Stunden bei maximal 118°C simmern, rühren sie öfter um. Lassen sie es auf keinen Fall anbrennen.

Giessen Sie das Öl durch ein Sieb oder Buttertuch ab und bewahren sie es kühl und dunkel auf.

Cannabis Schokolade

Zutaten:
3-5 Gramm Cannabis (Menge nach Wunsch)
1 Tafel Dunkle Schokolade

Zuerst decarboxylieren sie das Cannabis, dazu heizen sie den Backofen auf exakt 115°C vor und legen das Cannabis mindestens 30 Minuten in den Ofen.

Schmelzen Sie in der Zwischenzeit die Schokolade in einem Wasserbad, rühren Sie ab und an um. Mahlen Sie das Cannabis und fügen es zur Schokolade hinzu.

Füllen sie die Mischung in eine Schokoladenform oder einen Eiswürfelbehälter.

Die Form aus einigen Zentimetern höhe sanft fallen lassen, dadurch entfernen sie in der Schokolade enthaltene Luftblasen.

Jetzt können Sie die Schokolade im Kühlschrank aushärten lassen.

Quelle:

  • https://www.leafly.com/news/science-tech/how-long-does-cannabis-stay-in-your-system
  • https://www.leafly.com/news/health/a-dietitians-perspective-on-cannabis

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