Entourage-Effekt von Cannabis: Warum Ganzpflanzen-Medikamente wichtig sind

Autor: Leafly Redaktion

Veröffentlicht am: 30. Mai 2017

Geändert am: 17. August 2017

Sieht man sich die Blütenstände von Cannabispflanzen genauer an, sind sie von einer klebrigen Schicht von Kristall-Harz bedeckt, die Hunderte therapeutische Cannabis-Wirkstoffe und -Inhaltsstoffe, so genannte Cannabinoide und Terpenoide, enthält. Wahrscheinlich kennen Sie THC und CBD. Hierbei handelt es sich jedoch nur um zwei von vielen wichtigen Akteuren, die im Zusammenspiel spezifische Wirkungen erzielen. Diese interaktive Synergie zwischen Cannabis-Stoffen ist als „Entourage-Effekt“ bekannt. Im folgenden Abschnitt erfahren Sie, warum Medikamente, die die Cannabinoide nur THC oder CBD enthalten, für viele Beschwerden und Krankheiten nicht ausreichend sind.

Was sind reine THC- und CBD-Medikamente?

Reine THC-Medikamente beziehen sich hauptsächlich auf synthetische Erzeugnisse von THC. Die beiden bekanntesten Derivate sind dabei Marinol (Dronabinol) und Cesamet (Nabilon). Hierbei handelt es sich um verkehrs- und verschreibungsfähige Präparate, die vorwiegend zur Behandlung von krebsbedingter Übelkeit verschrieben werden. Ihre Wirksamkeit ist jedoch fraglich. Bei einer Untersuchung aus dem Jahr 2011 zu Formen des Konsums gaben nur 1,8 % von 953 Patienten an, synthetische THC-Arzeimittel gegenüber inhalierten Konzentraten oder mit Cannabis angereichterten Verabreichungsformen zu bevorzugen. Zudem kann es Stunden dauern, bis reine THC-Tabletten Erleichterung bringen, während bei einer Inhalation die Wirkung sofort eintritt.

Als Ganzpflanzen-Medikamente werden Medikamente bezeichnet, die das ganze Spektrum der therapeutischen Wirkstoffe von Cannabis als Medizin nutzen. Unten in den zwei Grafiken erhalten Sie einen Überblick über die Eigenschaften und Vorteile der am weitesten verbreiteten Arten von Cannabinoiden und Terpenen.

Wie Sie sehen, haben alle diese Therapeutika, die aus reinen THC- und CBD-Arzneimitteln gewonnen werden, einen hohen Nutzen für Patienten und dienen zur Behandlung einer Vielzahl von Symptomen und Erkrankungen. Den bekanntesten medizinischen Anwendungsbereich der Ganzpflanze kennen Sie bereits: Das Inhalieren von Cannabis-Rauch oder -Dampf. Obgleich Cannabis als Medizin heutzutage so gezüchtet wird, dass es eine unverhältnismäßig große Menge an THC im Vergleich zu anderen Cannabis Wirkstoffen enthält, wird die Wichtigkeit der chemischen Vielfalt immer deutlicher, je mehr neue Cannabissorten auftauchen. Es bleibt zu hoffen, dass es bald auch Sorten gibt, die nicht nur die Lücke zwischen THC- und CBD-Profilen schließt, sondern auch anderen wichtigen Cannabinoiden und Terpenen gerecht werden.

Zusammenspiel von Cannabinoiden und Terpenen

Die verschiedenen Möglichkeiten der chemischen Zusammensetzungen bei Ganzpflanzen-Medikamenten ist an sich schon bemerkenswert. Jedoch stellen die Forschungen in Bezug auf das Zusammenspiel von Cannabinoiden und Terpenen einen weiteren interessanten Aspekt in diesem Zusammenhang dar. Maßgeblich beteiligt an den Bemühungen in diesem Bereich ist Ethan Russo, M.D., ein Neurologe, der schon seit langem Cannabis-Wirkstoffe und deren Rolle im Körper untersucht. In seiner Studie “Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects,” erläutert er, wie sich Cannabis-Stoffe aufeinander auswirken. Hierbei geht es nicht um das bekannte THC-CBD-Tag-Team; selbst kleine Mengen an Terpenen (aromatischen Öle, die Cannabis-Pflanzen ihren Geruch verleihen) können den Unterschied machen.

Das Terpen macht den Unterschied

Das Terpen “Mycren” kann beispielsweise den Widerstand in der Blut-Hirn-Schranke verringern, sodass andere nützliche Chemikalien passieren können. “hilft dabei, durch THC hervorgerufene Beeinträchtigungen der Wahrnehmung und Gedächtnisleistung zu mindern. Eine Kombination aus den Terpenen “Pinen”, “Mycren” und “Caryophyllen” wirkt gegen Angstzustände. Die Verbindung der Terpene Linalool und Limonen mit dem Cannabinoid CBG zeigt vielversprechende Ansätze bei der Behandlung von MRSA (auch umgangssprachlich “Krankenhausbakterien” genannt).

THC erzielt dockt an die Cannabinoidrepzeptoren an und kann in Kombination mit CBN verbesserte beruhigende Effekte mit sich bringen. Linalool und Limonen in Verbindung mit CBD werden als mögliche Behandlungsmöglichkeit von Akne untersucht.

Fazit: Den ganzpflanzlichen Medikamenten gehört die Medizin der Zukunft

Diese Beispiele kratzen nur an der Oberfläche von all den möglichen Synergien, die im Rahmen von Therapien mit Cannabis als Medizin mit ganzpflanzlichem Ansatz zur Verfügung stehen. Nach und nach wird immer mehr Kombinationspotenzial dieser Stoffe ausgeschöpft werden und somit immer mehr  Möglichkeiten für die Medizin der Zukunft und Medikamentenentwicklung zur Verfügung stehen. In dieser Hinsicht sollte es dann möglich sein, die Lebensqualität von noch mehr Patienten zu verbessern.

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