Hilft der Einsatz von medizinischem Cannabis bei Hautkrankheiten?

Autor: Christine Dr. Hutterer

Veröffentlicht am: 10. Mai 2017

Geändert am: 17. August 2017

Hautkrankheiten wie Neurodermitis gehen häufig mit unangenehmen Gefühlen und starkem Juckreiz einher. Für Betroffene ist das eine große Belastung.

Oft haben sie schon verschiedene Therapieversuche hinter sich und Kortisonpräparate sind tägliche Begleiter. Nun wurde festgestellt, dass die entzündungshemmenden Eigenschaften von Cannabis in der Behandlung von Hautkrankheiten nützlich sein können.

Cannabinoidrezeptoren befinden sich in der Haut

Die entzündungshemmenden Eigenschaften von Cannabinoiden können bei Hauterkrankungen jedoch nur nützlich sein, wenn Cannabinoide auch in der Haut andocken können. Glücklicherweise können sie das, wie verschiedene Forschungsarbeiten gezeigt haben: In der Haut finden sich die beiden wichtigsten Typen von Andockstellen (Cannabinoid-Rezeptoren) für Cannabinoide (CB1 und CB2). Offenbar spielt das Endocannabinoidsystem auch in der gesunden Haut bzw. für deren Entwicklung eine wichtige Rolle.

Die Haut ist unser erstes und wichtigstes Schutzschild gegen Krankheitserreger. Folglich ist eine gesunde Haut auch für das Immunsystem von Bedeutung. Bei vielen Hautkrankheiten spielen Entzündungsreaktionen eine Rolle und das Schutzschild Haut wird durchlässig. Das Endocannabinoidsystem ist auch an der Funktion des Immunsystems beteiligt. Das weiß man unter anderem daher, dass die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 auch in verschiedenen Zelltypen der Immunabwehr zu finden sind.

Wie bereits erwähnt besitzen Cannabinoide entzündungshemmende Eigenschaften. Auf diese Weise können sie möglicherweise Überreaktionen des Immunsystems in der Haut regulieren.

Cannabis ist bei manchen Hautkrankheiten wirksam

Zu den Hautkrankheiten zählen sehr viele unterschiedliche Erkrankungen mit sehr unterschiedlichen Ursachen. In Studien muss jeweils einzeln untersucht werden, welche Medikamente bei welcher Erkrankung wirken.
Bislang wurde ein Nutzen von Cannabis bzw. Cannabinoiden bei Erkrankungen wie Pruritus, Xerose, Prurigo und allergischer Dermatitis gezeigt. Auch für weitere Erkrankungen gibt es erste vielversprechende Ergebnisse. Cannabis wirkt entzündungshemmend und kann dadurch positive Effekte bei Hautkrankheiten erzeugen.

Bei trockener, rissiger Haut, aber auch bei Neurodermitis, zeigt Hanföl gute Wirkungen. Hanföl enthält keine Cannabinoide, sondern “nur” essentielle Fettsäuren. Die Kombination der enthaltenen Fettsäuren kann aber dazu beitragen, die Schutzfunktion der Haut wieder herzustellen. Bei der Verwendung von Hanföl empfiehlt es sich, auf gute Qualität zu achten. Am besten ist natürlich BIO-Hanföl.

Gute Wirksamkeit von Cannabis gegen Juckreiz (Pruritus)

Ein sehr häufiges und nervlich belastendes Symptom bei Hauterkrankungen ist Juckreiz (Pruritus). Jeder Betroffene hat Cremes oder Medikamente gegen Juckreiz, doch wirken sie nicht bei jedem Patienten gleich oder die Wirkung lässt mit der Zeit nach.

Neuere Untersuchungen sehen in Cannabis ein vielversprechendes Mittel in der Behandlung von Juckreiz, denn es kann offenbar das Jucken verringern.
In einer Untersuchung mit 2.500 Teilnehmern, die an atopischen Ekzemen litten, wendeten die Teilnehmer eine Creme mit dem Cannabinoid PEA an. Die Patienten beobachteten bei sich eine deutliche Verbesserung der Symptome. Doch auch die Ärzte gaben an, dass sich die Haut durch die Anwendung verbessert hatte. Bei 38,3 % der Anwender hörter der Juckreiz komplett auf, bei weiteren 41 % nahm das Jucken deutlich ab.

Verringerung von Schmerzen durch den Einsatz von Cannabisprodukten (Stichwort: Topicals)

Cannabis wirkt aber nicht nur gegen Jucken. Cannabis wird auch in der Schmerztherapie eingesetzt. Auch hier ist das körpereigene Cannabinoidsystem beteiligt.
Da Patienten mit Hautkrankheiten häufig chronische Schmerzen haben, kann Cannabis auch für dieses Symptom eine wirksame Therapie sein.
Bei Schmerzpatienten, die mit medizinischem Cannabis behandelt werden, nimmt die Schmerzintensität ab. Es kann spekuliert werden, dass diese Wirkung auch bei Patienten mit Hautkrankheiten beobachtet werden kann, selbst wenn die Cannabinoide nur als Creme auf die Haut aufgetragen werden.

Mögliche positive Wirkungen von Cannabis bei Hautkrebs

Vorab sei gesagt: Die Forschung zu den Wirkungen von Cannabis bei Krebs allgemein und Hautkrebs befindet sich noch im Stadium der Grundlagenforschung.
Auch wenn in naher Zukunft noch kein fertiges Mittel gegen Krebs auf Cannabisbasis verfügbar sein wird, so sind die Ergebnisse interessant.

Im Reagenzglas wurde beobachtet, dass sowohl die körpereigenen Cannabinoide (Endocannabinoide) als auch Cannabinoide aus Hanf Krebszellen zum Absterben bringen können. Außerdem können sie Tumorzellen an der Zellteilung hindern und daran, in andere Gewebe zu wandern. Das bedeutet, dass sehr wichtige Merkmale, die eine Krebszelle braucht, um sich zu einem Tumor entwickeln zu können, durch Cannabis behindert oder vielleicht sogar unterbunden werden können. Diese – und weitere – Effekte wurden unter anderem bei Hautkrebs beobachtet.

Andererseits gibt es auch Untersuchungen, die vermuten lassen, dass Cannabinoide auch an der frühen Entartung von gesunden Zellen zu Krebszellen beteiligt sein könnten. Um herauszufinden, welche der beiden Theorien richtig ist, oder ob Cannabinoide unter Umständen sogar auf beide Vorgänge Einfluss nehmen können, kann erst zukünftige Forschung zeigen.

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