Leafly.de Patientenakte: Pascal S., Saarland, Fibromyalgie, Depressionen, Angstzustände

Autor: Uta Melle

Veröffentlicht am: 7. November 2017

Geändert am: 18. November 2017

Bis vor ein paar Monaten musste Pascal 23 unterschiedliche Medikamente gegen seine Schmerzen, Fibromyalgie, Depression und Angstzustände einnehmen. Nun sind es nur noch drei: eines der alten Medikamente und seine neuen Wirkstoffe CBD und THC konnten die restlichen 22 ersetzen.

Im Alter von sechs Jahren plagten Pascal die ersten Lendenwirbelsäulen-Schmerzen durch eine Beinverkürzung rechts, Beckenschiefstand, Hohlkreuz und Skoliose. Hier begannen seine Therapien. Krankengymnastik und orthopädische Schuhe waren hier noch kinderverträglich – die Stromtherapie und die lokale und orale Schmerzmittel-„Therapie“ führte jedoch nicht zu einer Stabilisierung des jungen Körpers. Eher unterstützten die Medikamente mit elf Jahren auftretende Panikattacken, Depressionen, Gefühlsschwankungen und Hyperventilation, als sich eine Eltern scheiden ließen.

Opiate, Morphine und ihre gravierenden Nebenwirkungen

Neben den psychischen Nebenwirkungen, die ihm eine Einzeltherapie und fünf Rettungseinsätze einbrachten, litt Pascal allerdings auch sehr früh an den klassischen physischen Nebenwirkungen: Magenschmerzen, Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit und Übelkeit bis er 2008 mit 20 Jahren wegen Blasen- und Nierensteinen erneut stationär eingewiesen wurde. Doch wieder wurde Pascal neben einer Endoskopie eine Schmerz-„Therapie“ verschrieben. 2012 kam Pascal erneut ins Krankenhaus, weil er auf der Arbeit aufgrund von Bauchnabelschmerzen zusammenbrach. Sein Urachus wies eine Fehlbildung auf, es konnte sich somit eine Zyste bilden. Stationär wurde ihm der Bauchnabel entfernt. Auch gegen diese von der gereizten Narbe andauernden Schmerzen im Bauchnabelbereich bekam Pascal Schmerzmittel.

2013 geht alles wieder von vorne los – bis zur Arbeitsunfähigkeit

Mit 25 Jahren, ein Jahr nach dem beschriebenen Krankenhausaufenthalt, ging das Leiden aus der Kindheit in eine „zweite Runde“: das Lendenwirbelsyndrom zeigte sich wieder mit all seinen Begleitproblemen: Schmerzen, Panikattacken und Depressionen zwangen Pascal erneut zum Handeln. Doch auch hier endeten die Ideen der Ärzte lediglich in neuen Medikamenten und einer Gesprächstherapie.

Anfang 2017 hatte Pascal in seinem noch jungen Leben wahrscheinlich schon alle Schlaf- und Schmerzmittel sowie Antidepressiva ausprobiert: Opiate, Morphine, Derivate, Opiramol, Diazepam, Ibuprophen, Novalgin, Sertralin, Citalopram, Lorazepam, Opipramol.

Jedes einzelne hinterließ Spuren von mehr oder weniger heftigen Nebenwirkungen – manche hinterließen bleibende Schäden, manche konnten durch das Absetzen wieder halbwegs aus dem Weg geräumt werden.

Eine der schlimmsten Nebenwirkungen jedoch trat 2015 auf: Pascal litt unter Panikstörungen und somatoforme Schmerzstörung und eine Epilepsie in Form von Grand Mal-Anfällen machte sich breit.

Im Januar 2017 stellte der Arzt Pascal dann nach der Diagnosestellung einer Fibromyalgie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus. Doch alle Medikamente konnten seine Schmerzen nur zu 25% lindern.

Endlich ein wenig Ruhe für Pascal – dank Cannabis

Im März 2017 ging Pascal zu einem neuen Arzt, der ihm ein neues Mittel verschrieb: Medizinisches Cannabis. Eigentlich war dies für Pascal vorher undenkbar, doch er dachte sich: dieses Mittel zu probieren wird wohl am wenigsten schaden. Und es half.

Es nahm 80% der Schmerzen! Und somit gab es für ihn das erste Mal nach vielen, vielen Jahren Ruhe. In den anschließenden Monaten konnte er 22 von 23 Medikamenten absetzen.

H2: Zwei Wochen nach dem Bescheid der Kostenübernahme der Krankenkasse kommt die Ernüchterung

Kurz nachdem Pascal die Kostenübernahme bei seiner Krankenkasse eingereicht hatte, kam auch die Bestätigung – alles war gut. Doch zwei Wochen später stand die Welt plötzlich wieder Kopf. Die Krankenkasse schrieb, dass es sich in der Bestätigung um einen Schreibfehler gehalten hat – und lehnte nachträglich ab. Bizarr daran: der Schreibfehler besteht angeblich darin, dass das Wort „nicht“ hinter Kosten vergessen wurde.

Patienten wie Pascal, denen medizinisches Cannabis in der richtigen Dosis hilft, sollte der Zugang zu ihren dringend benötigten Medikamenten nicht durch Flüchtigkeitsfehler von Sachbearbeitern einer großen Krankenkasse im Saarland verweigert werden. Leafly.de wird bei Pascals Krankenkasse nachfragen und weiter über den Fall berichten.

Lieber Pascal, Leafly.de wünscht Dir alle Kraft der Welt, auch diese Hürde meistern zu können!

Patienteninfos:
Name: Pascal S.
Alter: 28
Wohnort/Bundesland: Saarland
Krankenkasse: IKK Südwest
Anamnese: Fibromyalgie, Depressionen, Angstzustände
Medikation: 50:50 Mischung zwischen Bedrolite und Bedica, 3-4 x tagsüber. Abends 1x Bedica.

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du medizinisches Cannabis an?
Pascal: Seit der Legalisierung im März 2017.

Leafly.de: Wie bist Du denn darauf gekommen?
Pascal: Das Thema ging im Rahmen der Legalisierung durch die Medien. Da habe ich es gehört. dass es mir auch helfen könnte. Da ich zu dem Zeitpunkt 22 Medikamente nahm, ergriff ich jede Möglichkeit diesen Zustand zu ändern.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an?
Pascal: Als Dauermedikation. Seit dem ich medizinisches Cannabis nehme, habe ich 22 von 23 Medikamenten absetzen können.

Leafly.de: Welchen Wirkstoff hat das Präparat und in welcher Dosierung nimmst Du es?
Pascal: Ich mische morgens eine 50:50 Mischung zwischen Bedrolite und Bedica und abends nehme ich nur Bedica für die Nacht.
Die Dosis ist vier bis fünf mal am Tag 0,2 Gramm zur Inhalation durch Verdampfung.

Leafly.de: Gibt es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Pascal: Zunächst habe ich eine Zusage bekommen, zwei Wochen später kam plötzlich ein Schreiben von meiner Krankenkassen, in dem sie die Zusage mit der Begründung zurück nahmen, dass es in der Zusage einen Schreibfehler gegeben hätte.

Leafly.de: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?
Pascal: Nein, ich habe gar keine Angst vor einer Abhängigkeit.Wie gesagt: ich habe 22 unterschiedliche Medikamente eingenommen – teilweise hatte ich Entzugserscheinungen, als ich sie abgesetzt habe. Aber auch bei den Entzugserscheinungen hat mir das medizinische Cannabis geholfen.

Weiterführende Links auf Leafly.de
https://www.leafly.de/mediziner/medizinisches-cannabis-oder-opioide/
https://www.leafly.de/patienten/medizinisches-cannabis-und-schlafstoerungen/
https://www.leafly.de/mediziner/cannabis-als-medizin-bei-fibromyalgie/
https://www.leafly.de/patienten/was-sind-cannabis-topicals-und-wie-wirken-sie/

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