Leafly Patientenakte: Armin N., 52, aus Nordrhein-Westfalen

Autor: Uta Melle

Veröffentlicht am: 29. August 2017

Geändert am: 18. November 2017

Leafly klappt ein neues Kapitel auf. In unseren Patientenakten stellen wir Menschen vor, die medizinisches Cannabis auf Rezept bekommen. Diese Geschichten gehen unter die Haut, werfen Fragen auf und geben ganz viel Mut. Beginnen wir mit Armin aus NRW, dessen Leben sich innerhalb von einer Sekunde radikal änderte.

Eine Sekunde kann ein Leben verändern. Armin hat das erlebt, als er 1982 bei einem Verkehrsunfall sein Leben fast verlor. Ein Schädel-Hirn-Trauma verursachte ein subdurales Hämatom und eine Wasserblase im Mittelhirn – er fiel 12 Wochen ins Koma. Als er wieder aufwachte, fehlte ihm ein Großteil seines Gedächtnisses. Auch leidet er seit dem an enormen Spastiken in den Gliedmassen und schweren Migräneschüben.

Medizinisches Cannabis als alternativer Therapieansatz

Kein Präparat, keine Kur, keine Therapie konnte ihm helfen, bis 2008/2009 ein Arzt auf die Idee kam, es mit medizinischem Cannabis zu versuchen. So versuchte Armin Bedrocan in der Dosis 1g/Tag und siehe da: es wirkte. Die Muskeln lockerten sich, so dass die Spasmen weichen konnten. Auch die Migräneschübe bekam Armin damit in den Griff. Armin bekam somit 2009 die Ausnahmegenehmigung zur Einnahme von medizinischem Cannabis.

Armins täglicher Kampf um seine Medizin

Aufgrund seines Unfalls wurde Armin zum Frührentner, entsprechend war es ihm noch nie möglich, die Kosten für seine Behandlung selbst zu tragen. Seine Krankenkasse, die Barmer Ersatzkasse, hat seit 2009 versucht, die Kosten von monatlich ca. 500 Euro abzulehnen. Diverse Male war Armin nun schon beim Sozialgericht, hat Einsprüche eingelegt.

Armin kämpft verzweifelt um ein normales Leben: Er möchte sich einfach nicht jeden Tag Gedanken darum machen müssen, wie er an seine Medizin herankommt. Inzwischen hat er alles verloren: Er hat keine Wohnsitz mehr, schläft oft auf der Straße, er ist ein Sozialfall geworden, denn er muss sich oft zwischen Nahrung und Medizin entscheiden – für beides ist oft nicht genug Geld da. Armin befindet sich in einem sozialen Teufelskreis.

Patienten Infos:
Name: Armin N.
Alter: 52
Wohnort: NRW
Krankenkasse: Barmer
Anamnese: Spastiken, Migräne, Autounfall
Medikation: Bedrocan, 1g/Tag – THC

Leafly Patientenakte: Das Interview

Leafly: Seit wann wendest Du medizinisches Cannabis an?
Armin: Seit 2009 habe ich eine Ausnahmegenehmigung

Leafly: Wie bist Du darauf gekommen?
Armin: Ein Freund hat mich darauf gebracht und ich habe es daraufhin mit meinem Neurologen besprochen.

Leafly: In welchen Momenten wendest Du es an?
Armin: Eigentlich immer, weil meine Spastiken sonst wieder losgehen.

Leafly: Welchen Wirkstoff hat das Präparat und in welcher Dosierung nimmst Du e
Armin: Bedrocan, 1g/Tag – THC

Leafly: Hattest Du Schwierigkeiten bei der Beantragung der Kostenübernahme durch Deine Krankenkasse?
Armin: Zwischendurch ging es, aber grundsätzlich hatte ich immer Schwierigkeiten. Derzeit habe ich wieder Einspruch einlegen müssen.

Leafly: Gibt es heute noch Probleme mit der Verschreibung?
Armin: Mit der Verschreibung nicht, lediglich mit der Krankenkasse.

Leafly: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?
Armin: Zwischendurch setze ich das Medikament immer mal wieder ab, um das zu verhindern.

Danke, Armin für Deine Geschichte und Dein Vertrauen in uns. Wir wünschen Dir für Deine Zukunft alles erdenklich Gute!

Wollt auch ihr eure Geschichte erzählen?
Meldet euch unter patienten@leafly.de

 

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