Chronisches Wirbelsäulensyndrom: Definition, Ursachen & wie medizinisches Cannabis helfen kann

Autor: Christine Dr. Hutterer

Veröffentlicht am: 6. Juni 2017

Geändert am: 17. Oktober 2017

Was ist ein chronisches Wirbelsäulensyndrom?

Die Bezeichnung Wirbelsäulensyndrom bezeichnet Beschwerden und Schmerzen von Patienten an der Wirbelsäule, die keiner klaren und eindeutigen Ursache zugerechnet werden können. Je nach Lokalisation kann eine Eingrenzung auf ein Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäulensyndrom (LWS) vorgenommen werden. Ob ein solches Syndrom als chronisch bezeichnet wird, hängt von der Dauer der Beschwerden ab. Bei einer Dauer von mehr als sechs Wochen sprechen Experten von chronischen Schmerzen.

Die meisten Menschen haben irgendwann im Laufe ihres Lebens mit Rückenschmerzen zu kämpfen. Häufig vergehen die Beschwerden schnell mit Wärme, evtl. Schmerzmitteln oder Physiotherapie wieder. Trotz z.T. starker und anhaltender Schmerzen kann nicht immer eine Ursache gefunden werden. Neben tatsächlichen Schädigungen der Strukturen am Rücken (Wirbelkörper, Bandscheiben, Nerven usw.) spielt auch die Psyche bei Rückenschmerzen eine nicht zu vernachlässigende Rolle.

Was sind die Ursachen für das chronische Wirbelsäulensyndrom?

Die Bezeichnung Wirbelsäulensyndrom sagt noch nichts darüber aus, welche Ursachen die Schmerzen haben. Wären diese eindeutig, würde die Diagnose für den Patienten spezifischer gestellt werden können. Folgende Ursachen – einzeln oder in Kombination – können an einem chronischen Wirbelsäulensyndrom beteiligt sein:

  • Muskelverspannungen, Faszienverklebungen und Triggerpunkte
  • Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) oder Bandscheibenvorfall (Prolaps)
  • Knöcherne, schmerzhafte Abnutzungen an der Wirbelsäule (Osteochondrose)
  • Arthrose und Entzündungen der Facettengelenke an den Wirbelkörpern
  • Versteifen der Wirbelsäule oder übersteigerte Beweglichkeit
  • Blockierung von Wirbeln, Rippen- oder Facettengelenken
  • Psychische Belastungen und Stress

Wirbelsäulensyndrom: Therapie bei chronischen Schmerzen durch medizinisches Cannabis?

Eine ganze Reihe von Studien hat bislang die Wirksamkeit von Cannabinoiden bei chronischen und neuropathischen Schmerzen untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass die Schmerzen z.T. sehr stark gelindert wurden. Eine Studie befragte Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, die Cannabis verwendeten. Von diesen Patienten gaben 81% an, die Schmerzen würden merklich weniger als bei der Einnahme klassischer, u.a. stark narkotisierend wirkender Medikamente.

Generell ist medizinisches Cannabis bei chronischen Schmerzen wirksam. Nicht nur die Schmerzintensität wird geringer, auch die Schlafqualität verbessert sich. Zeigen andere Therapien keine ausreichende Wirkung, sollte bei chronischen Rückenschmerzen eine Behandlung mit medizinischem Cannabis oder cannabinoidhaltigen Arzneimitteln in Betracht gezogen werden. Dennoch werden weitere Daten benötigt, um zu einer aussagekräftigeren Beurteilung zu kommen.

Medizinisches Cannabis beim Bandscheibenvorfall?

Bei einem Bandscheibenvorfall werden Teile der Bandscheibe in den Wirbelkanal gedrückt. Die Bandscheibe ist eine mit einer gallertartigen Masse gefüllte Struktur, die als Stoßdämpfer zwischen den Wirbeln fungiert. Ist sie durch einen Bandscheibenvorfall beschädigt, können unter Umständen die harten Wirbelkörper aufeinander reiben, was starke schmerzhafte Symptome verursacht. Die austretende Bandscheibe kann auch auf Nerven drücken, die im Wirbelkanal verlaufen und zu Lähmungserscheinungen führen können.

Wie bereits erwähnt, haben Studien erkannt, dass Cannabis bei chronischen und neuropathischen Schmerzen wirksam ist. Cannabinoide wirken zudem entspannend auf die Muskulatur. In den meisten Fällen liegen bei Rückenschmerzen und auch bei Bandscheibenvorfällen Verspannungen der Muskulatur vor. Die Muskeln versuchen einen Position zu halten und verkrampfen dadurch.

Wenngleich es noch keine umfangreichen Untersuchungen zur Behandlung der Schmerzen bei Bandscheibenvorfällen durch medizinisches Cannabis gibt, so lassen die bisherigen Erkenntnisse zur Therapie von Schmerzen und zur entspannenden Wirkung auf die Muskulatur hoffen, dass Medizinalhanf ein geeignetes Therapeutikum sein könnte.

Medizinisches Cannabis bei Osteochondrose?

Die Osteochondrose ist eine degenerative Erkrankung der Wirbelsäule. Die Ursache ist eine Verschleißerscheinung an den Wirbeln, die durch langfristige Fehlbelastung bei andauerndem Stehen oder Sitzen entsteht. Die Diagnose wird meist gestellt, wenn bereits Schmerzen vorliegen. Auf einem Röntgenbild können die Veränderungen erkannt werden.

Durch die schmerzhaften Symptome nehmen Betroffene häufig eine Schonhaltung ein, die weitere Probleme wie Verspannungen der Muskulatur und Fehlbelastungen nach sich zieht. Eine Behandlung der Ursache ist nicht möglich, weswegen nur die Symptome behandelt werden können. Gegen diese werden entzündungshemmende Schmerzmittel eingesetzt.

Da die beiden Hauptwirkstoffe in der Hanfpflanze, die Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), sowohl eine krampflösende, schmerzlindernde als auch entzündungshemmende Wirkung haben, gibt es zurecht Hoffnung, dass medizinisches Cannabis die Schmerzen bei Osteochondrose-Patienten lindert, die Muskulatur entspannt und die Entzündungsherde etwas beruhigt.

Medizinisches Cannabis bei Wirbelsäulenarthrose

Die Facettengelenksarthrose, auch als Wirbelsäulenarthrose bezeichnet, ist eine häufige Ursache für Rückenschmerzen. Die Facettengelenke verbinden jeweils zwei Wirbelkörper an den Gelenkfortsätzen miteinander. Sie können verschleißen und sich entzünden, weswegen Schmerzen an der Wirbelsäule oft Folgen sind. Häufig tritt die Facettengelenksarthrose im Lendenwirbelbereich auf.

Zu den klassischen Therapiemöglichkeiten gehört die medikamentöse Schmerztherapie, die physikalische Therapie und die Thermoablation, bei der Schmerzfasern mit Hitze verödet werden.

Medizinisches Cannabis kann aufgrund seiner anti-entzündlichen und schmerzlindernden Eigenschaften als Therapiemöglichkeit in Betracht gezogen werden.

Medizinisches Cannabis bei Schmerzen durch Deformationen der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule ist unser wichtigstes Stützsystem. Über die Evolution hat sie sich so gebildet und geformt, damit wir Menschen den aufrechten Gang beherrschen. Durch Krankheiten, Unfälle, Behinderungen oder andere Einflüsse kann die Wirbelsäule deformiert werden. Das feine Zusammenspiel aus Bändern, Muskeln, Faszien und Knochen gerät dann aus dem Lot. Die logische Folgen sind daher chronische Schmerzen.

Viele Betroffene durchlaufen einen langen Leidensweg und befassen sich mit verschiedensten Therapien und Medikamenten. Einige sind wirksam, während andere wiederum nicht anschlagen. Manche zeigen anfangs Wirkung, doch diese lässt mit der Zeit nach oder die Nebenwirkungen werden zu stark. Für solche Patienten kann medizinisches Cannabis eine Option sein. Die positiven Wirkungen bei Schmerzpatienten sind gut belegt, wenngleich nicht jeder Patient gleich gut darauf reagiert. In jedem Fall sind medizinisches Cannabis bzw. cannabinoidhaltige Arzneimittel eine weitere Therapiemöglichkeit.

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