Medizinisches Cannabis und Schlafstörungen

Autor: Christine Dr. Hutterer

Veröffentlicht am: 1. Juni 2017

Geändert am: 18. Oktober 2017

Schlafstörungen sind weit verbreitet. Fast jeder Mensch schläft die ein oder andere Nacht schlecht. Doch etwa jeder 10. leidet länger als drei Wochen an Schlafproblemen. Man spricht dann von chronischen Schlafstörungen.

Es gibt unterschiedliche Formen von Schlafstörungen. Man unterscheidet Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen und Ausschlafstörungen. Manchmal tritt eine Kombination auf. Ursachen für Schlafstörungen gibt es viele. Dazu gehören:

    • Stress (beruflich, privat)
    • Schlechte Schlafhygiene oder Schlafgewohnheiten
    • Psychische Krankheiten
    • Depressionen
    • Schichtarbeit
    • Krankheiten (Schlafapnoe, Restless-Legs-Syndrom u.a.)
    • Einnahme von Medikamenten

Der Schlaf verläuft in mehreren sich wiederholenden Phasen. Für einen erholsamen Schlaf sind Tiefschlafphasen und REM-Phasen von großer Bedeutung.

Wann müssen Schlafstörungen behandelt werden?

Für viele Menschen ist es schwer zu beurteilen, ab wann Schlafstörungen behandelt werden müssen. Schließlich hält man es selbst nicht für verwunderlich, wenn man bei Stress schlechter einschlafen kann, häufiger nachts aufwacht oder morgens früh wach ist und nicht mehr schlafen kann. Doch ab wann ist das nicht mehr “normal”? Ab wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Wichtig für einen guten Schlaf ist eine gute Schlafhygiene. Es gibt einige Tipps, was Sie tun können, um gesunden Schlaf zu fördern.

  1. Regelmäßiger Rhythmus: Förderlich sind regelmäßige Zubettgeh- und Aufstehzeiten. Ungünstig ist ein häufiger Wechsel der Schlafenszeiten, z.B. bei Schichtarbeit.
  2. Nur zum Schlafen ins Bett: Gemütliches Herumliegen im Bett kann Schlafstörungen verstärken oder aufrecht erhalten.
  3. Frische Luft: Frische Luft versorgt den Körper gut mit Sauerstoff und ermöglicht gesunden Schlaf.
  4. Regelmäßige Bewegung: Nach körperlicher Bewegung wird man müde. Allerdings sollte kurz vor dem Schlafengehen nicht mehr intensiv trainiert werden. Ein kurzer Spaziergang kann dagegen helfen, besser einzuschlafen.
  5. Kein/wenig Schlaf am Tag: Ein ausgiebiger Mittagsschlaf vermindert den Schlafdruck. Die Folge: Man liegt nachts wach.
  6. Kein Alkohol: Alkohol in den drei Stunden vor dem Zubettgehen macht zwar viele Menschen müde, stört aber das Durchschlafen.
  7. Koffein reduzieren: Dass Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke wach machen, ist bekannt. Je nach Empfindlichkeit kann die Wirkung aber viel länger anhalten, als man denkt – mitunter 8-14 Stunden.
  8. Vollen Magen vermeiden: Ein voller Magen studiert nicht gern – so lautet ein bekanntes Sprichwort. Jegliche Form von Zucker (z.B. Kohlenhydrate, Früchte, etc.) geben dem Körper neue Energie und können anregend wirken.
  9. Gedämpftes Licht am Abend: Helles Licht wirkt als Wachmacher und bremst die Produktion des Schlafhormons Melatonin.

Grundsätzlich sollte man sich Hilfe holen, wenn der fehlende Schlaf in der Nacht tagsüber zur Belastung wird. Wenn man ständig müde ist, seine Arbeit nicht mehr richtig machen kann oder sich nicht mehr konzentrieren kann. Auch wenn psychische Probleme vorhanden sind, empfiehlt es sich, einen Arzt zu Rate zu ziehen.

Bei nicht enden wollenden Gedankenschleifen können Entspannungsübungen wie Meditationen, Yoga, Progressive Muskelentspannung oder andere Methoden helfen. Kurzfristig sind auch Schlafmittel eine Option. Doch die Medikamente haben häufig starke Nebenwirkungen – u.a. können sie sich bei längerfristigem Gebrauch negativ auf den Schlaf auswirken und die Schlafstörungen verstärken.

Pro: Medizinisches Cannabis fördert das Einschlafen

Bei leichten Schlafstörungen sollten die zuvor genannten Möglichkeiten helfen. Bei schweren Schlafstörungen reichten die Methoden möglicherweise nicht mehr aus. Dann geht es darum, welches Medikament gegen Schlafstörungen am besten geeignet ist.

Cannabis fördert das Einschlafen. Das Cannabinoid THC bewirkt im Körper, dass sich die Arterien weiten. Dadurch sinkt der Blutdruck, was beruhigend wirkt. Außerdem sinkt die Körpertemperatur um durchschnittlich 0,5°C. Auch das wirkt schlaffördernd. Betroffene, die Cannabis als Therapie bei Schlafstörungen einsetzen, wissen um den erholsamen Schlaf, der dadurch möglich wird. Es wurde zusätzlich festgestellt, dass bei Cannabisverwendung die Gehirnströme Anzeichen starker Entspannung aufweisen. Alle Schlafphasen können so stabilisiert werden.
Im Vergleich zu anderen Medikamenten berichten Nutzer von einer erheblichen Besserung der Schlafstörungen im Vergleich zu anderen Medikamenten. Offenbar ist auch der Überhang, also Müdigkeit, verminderte Reaktionsfähigkeit etc., weniger stark.

Das im Hanf enthaltene Cannabinoid CBD entfaltet je nach Dosierung unterschiedliche Wirkungen. In niedrigen Dosen wirkt es wachmachend, in höheren Dosen sedierend. Darum ist die Wahl einer geeigneten Cannabissorte entscheidend.

Sind mehrere Schlafphasen gestört, so können Ein- und Durchschlafstörungen kombiniert auftreten. Um das Durchschlafen über die ganze Nacht zu ermöglichen, sollte Cannabis als Medizin in ess- oder trinkbarer Form eingenommen werden. Die Wirkung entfaltet sich zwar langsamer, hält aber länger an (6-8 Stunden) als beim inhalierten Cannabis (3-4 Stunden).

Contra: Medizinisches Cannabis fördert Schlafstörungen

Der Nachteil von längerfristiger Anwendung von medizinischem Hanf gegen Schlafstörungen ist, dass es – wie viele andere Schlafmedikamente – auch Schlafstörungen verursachen kann. Besonders bei regelmäßigem täglichen Konsum kann das passieren.
Häufig treten die Schlafstörungen aber erst mit dem Absetzen des Cannabiskonsums auf. Neben Entzugssymptomen wie nervöser Unruhe, Angstzuständen, Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit und Durchfall, gibt es letztlich auch Schlafstörungen. Die Betroffenen brauchten in einer Studie länger zum Einschlafen, wachten nachts häufiger auf und hatten eine kürzere Schlafdauer sowie weniger Tiefschlafphasen als Personen der Kontrollgruppe. Insgesamt war die Schlafqualität deutlich vermindert. Allerdings gibt es wohl einen Zusammenhang zwischen Dosis und Schlafstörungen: Personen mit starkem Konsum litten länger unter Schlafstörungen als Personen mit geringeren Mengen an konsumierten Cannabis.

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