Cannabis als Medizin bei Polyarthritis oder auch rheumatoide Arthritis

Autor: Alexandra Latour

Veröffentlicht am: 8. September 2017

Geändert am: 18. November 2017

Jährlich erkranken zwischen 20 und 40 von 100 000 Menschen neu an Polyarthritis oder rheumatoider Arthritis, so die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie. Patienten leiden aber nicht nur unter dem Rheuma selbst, denn Rheuma-Medikamente sind alles andere als nebenwirkungsarm. Medizinisches Cannabis kann hier eine Alternative sein. Bestätigt wird dies durch zahlreiche Studien.

"In Deutschland leiden etwa 550.000 Menschen an rheumatoider Arthritis"

Was ist Polyarthritis?

Die Polyarthritis ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung, die alle Organe, Gelenke, Schleimbeutel und Sehnenscheiden befallen kann, die von der Gelenkinnenhaut (Synovialis) ausgekleidet werden. Frauen sind dreimal so häufig betroffen wie Männer. Wird die Erkrankung nicht behandelt, hat das die Zerstörung der Gelenke zufolge und kann eine Schwerbehinderung nach sich ziehen.

Für Betroffene bedeutet Polyarthritis steife und geschwollene Glieder sowie Schmerzen an Muskeln, Gelenken und Sehnen. Die Lebensqualität wird enorm beeinträchtigt und nicht selten werden Betroffene arbeitsunfähig.

Polyarthritis-Patienten sind auf schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente angewiesen, die teils erhebliche Nebenwirkung haben. Studien belegen, dass Medizinalhanf die durch das Polyarthritis und Rheuma hervorgerufenen Schmerzen und Entzündungen jedoch lindern kann und im Vergleich zu Rheuma-Medikamenten und Medikamenten gegen Schmerzen wesentlich nebenwirkung ärmer ist.

Unterschied Arthritis und Arthrose

Die Begriffe Arthritis, Arthrose, Polyarthritis und Rheuma werden häufig synonym verwendet, jedoch handelt es sich hier um verschiedene Erkrankungen.

  • Arthrose: Hier wird zwischen der primären und sekundären Gelenksarthrose unterschieden. Sie entsteht Verletzungen oder Über-/Fehlbelastungen. Infolge dessen kommt es zum Verschleiß des Gelenkknorpels. In einigen Fachliteraturen wird die Arthrose auch als Osteoarthritis bezeichnet.
  • Arthritis: Hierbei handelt es sich um einen Oberbegriff für entzündungsbedingte Gelenkerkrankungen. Die bekannteste Form ist die chronische Polyarthritis, die auch als rheumatoide Arthritis bezeichnet wird.
  • Rheuma: In der Regel wird der Begriff Rheuma synonym für die Polyarthritis (Gelenkrheuma) genutzt. Mediziner verwenden den Begriff aber auch allgemein für verschiedene rheumatische Erkrankungen (z. B. Arthrose, Weichteilrheuma oder Muskelrheumatismus).
    Arthritis Ursachen: So entsteht die Autoimmunerkrankung

Es ist nicht vollständig geklärt, wie genau die Polyarthritis entsteht. Es wird angenommen, dass die Erkrankung durch äußere Einflüsse wie psychische Faktoren oder bereits durchlebte Krankheiten ausgelöst wird. Auch das Geschlecht sowie genetische Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Da hier verschiedene Auslöser zusammenwirken, wird auch von einer multifaktoriellen Erkrankung gesprochen.

Die rheumatoide Arthritis kann nicht direkt vererbt werden. Es existieren jedoch Hinweise, dass einzelne vererbte Gene mit dem Krankheitsausbruch zusammenhängen. Das Risiko der Polyarthritis ist lediglich dann erhöht, wenn mehrere dieser Gene vorhanden sind. Aber auch wenn diese Gene nicht erscheinen, ist dies keine Garantie, um nicht an einer Polyarthritis zu erkranken.

In engem Zusammenhang steht die Polyarthritis auch mit psychischen Faktoren. Gerade nach sehr emotionalen Phasen, dem Verlust einer geliebten Person oder einem schweren Krankheitsfall in der Familie entwickeln einige Betroffene eine solche Autoimmunerkrankung.

Durch die Schmerzen, die infolge der Gelenkentzündung entstehen, rücken die Erinnerungen und Gefühle an die belastende Situation in den Hintergrund. Deshalb gehört die Polyarthritis zu den Psychosomatosen. Es handelt sich also um eine psychische Erkrankung, deren Ursache eine psychische Belastung ist.

Einen sehr belastenden Zustand stellt auch Stress dar. Es ist bekannt, dass chronischer Stress die Gesundheit beeinflusst und Entzündungen verschlimmern kann. Das trifft auch bei der Polyarthritis zu, denn ein andauernder Stresspegel kann neue Schübe fördern und die Symptome verstärken.

Symptome der Polyarthritis

Am häufigsten sind die Finger- und Handgelenke betroffen. Aber auch die Schulter-, Ellenbogen-, Knie-, Sprung- und Zehengelenke können befallen werden. Polyarthritis beginnt schleichend. Erste Anzeichen sind Schmerzen bei Bewegung oder Druck, Überwärmung von Gelenken oder Schwellungen.

Außerdem kann es im Anfangsstadium zu einer Morgensteifigkeit kommen, die ein bis drei Stunden nach dem Aufstehen anhält. Begleitend können sich auch allgemeine Krankheitszeichen wie beispielsweise Erschöpfung, Schwächegefühl, Appetitlosigkeit oder Fieber zeigen.

Auch die Sehnenscheiden können von der Polyarthritis befallen sein. Häufig tritt die Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) dann im Bereich der Hand auf und kann im schlimmsten Fall zum Riss der Sehne führen.

Bei ungefähr 30 Prozent der Patienten kommen auch die sogenannten Rheumaknoten vor. Diese bilden sich im Bereich von Sehnen, Bändern und Knochenvorsprüngen. Die Größe der Rheumaknoten ist abhängig von der entzündlichen Aktivität der Polyarthritis.

Krankheitsstadien der Polyarthritis

Die rheumatoide Arthritis verläuft in den folgenden vier Stadien:

  • Stadium 1: Häufig kommt es in diesem Stadium zu einer Gelenkschwellung. Der symmetrische Befall der Fingergrundgelenke kommt ebenfalls häufig im ersten Stadium vor. Außerdem klagen Betroffene über eine Morgensteifigkeit, die auch nach dem Aufstehen noch längere Zeit anhält.
  • Stadium 2: Im Bereich der betroffenen Gelenke zeigen sich zunehmende Vermehrungen von Bindegewebe. Auch der Einstrom von entzündlicher Flüssigkeit in die betroffenen Gelenke nimmt zu, während die Beweglichkeit abnimmt. Kommt es zu einer Ausstülpung einer oder mehrerer betroffenen Gelenke wird die Mobilität weiter eingeschränkt.
  • Stadium 3: Die Finger ziehen sich in Richtung Ellenbogen, wodurch die typische Fehlstellung der Fingergelenke entsteht. Auch die Sehnenscheiden werden durch die Entzündungsprozesse zunehmend zerstört. Infolge dessen lassen sich die Finger nicht mehr ohne einen Widerstand bewegen (Schwanenhalsdeformation).
  • Stadium 4: Im vierten Stadium zeigen sich die Zerstörungen der Fingerknochen sowie schwere Deformationen. Andere Organe sind dann meistens auch schon von der Rheumaerkrankung betroffen. In nur wenigen Fällen breitet sich jedoch die Erkrankung auf Herz oder Lunge aus, da sich die Krankheit bereits in früheren Stadien medikamentös behandeln lässt.

Polyarthritis Diagnose: So wird Rheuma diagnostiziert

Im Jahr 1987 hat das American College of Rheumatology (ACR) die Kriterien für die Diagnose der Polyarthritis aufgestellt. Gemeinsam mit der European League against rheumatism (EULAR) wurden jedoch im Jahr 2010 neue Kriterien erstellt:

Anzahl Gelenkbefall Punkte
1 mittleres/großes Gelenk

0

1 mittleres/großes Gelenk nicht symmetrisch

1

1 mittleres/großes Gelenk symmetrisch

1

1-3 kleine Gelenke

2

4-10 kleine Gelenke

3

mehr als 10 Gelenke

5

Die Labordiagnostik wird ebenfalls in die Kriterien einbezogen. Unterschieden wird zwischen den folgenden Faktoren:

  • Rheumafaktor (RF): Der Rheumafaktor ist ein Immunglobulin. Schon im frühen Stadium bildet er sich in der Gelenkschleimhaut der von Rheuma betroffenen Gelenke. Dieser Faktor lässt sich im Blut nachweisen.
  • Anti-Citrulliniertes Protein Antikörper (ACPA oder CCP-Antikörper): Der ACPA eignet sich zur Frühdiagnostik besser, da dieser bereits in einem frühen Stadium im Blut nachgewiesen werden kann. Sollten ACPA und RF positiv sein, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass eine rheumatoide Arthritis besteht.

Darüber hinaus zeigen sich erhöhte Entzündungswerte im Blut wie das C-reaktives Protein (CRP) sowie eine beschleunigte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG). Häufig sind die Leukozyten (weiße Blutkörperchen), der Eisenwert sowie das Hämoglobin erniedrigt, während die Thrombozyten (Blutplättchen), der Kupferwert und die Gammaglobuline erhöht sind.

Im Rahmen der ACR-EULAR-Klassifikationskriterien werden folgende Punkte noch hinzugerechnet:

  • RF und ACPA nicht positiv: 0 Punkte
  • RF und/oder ACPA schwach positiv: 2 Punkte
  • RF und/oder ACPA stark positiv: 3 Punkte
  • CRP-Wert und BSG nicht erhöht: 0 Punkte
  • CRP und/oder BSG erhöht: 1 Punkt

Ein weiterer Punkt kommt hinzu, wenn die Beschwerden seit mehr als sechs Wochen bestehen. Erreicht ein Patient sechs Punkte, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine rheumatoide Arthritis vor.

Behandlung der chronischen Polyarthritis

Die Behandlung zielt darauf ab, die Entzündungen zu bekämpfen, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke mit hilfe von physiotherapeutischen Maßnahmen zu erhalten.

Um diese Ziele zu erreichen, wird die DMARD-Behandlung („disease modifying antirheumatic drug“) eingesetzt. Betroffene erhalten entzündungshemmende Medikamente, die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie beispielsweise Ibuprofen, Naproxen oder Diclofenac. Diese können jedoch bei langfristiger Einnahme unter anderem Magengeschwüre verursachen. Deshalb wird zusätzlich in der Regel noch ein Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol oder Omeprazol gegeben.

Eine stärkere Wirkung besitzt Kortison (Glukokortikoide) wie beispielsweise Prednisolon. Allerdings kann Kortison bei einer längerfristigen Einnahme einige ernsthafte Nebenwirkungen haben. Das Risiko für Knochenbrüche erhöht sich, weshalb Patienten zusätzlich noch Vitamin-D- und Calcium-Präparate erhalten. Auch das Infektionsrisiko erhöht sich bei der Kortisoneinnahme. Zudem können folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Gewichtszunahme
  • Cushing-Syndrom (Vollmondgesicht, Gesichtsrötung, Stiernacken)
  • Wassereinlagerung im Gewebe
  • Erhöhung der Blutfettwerte
  • Blutdruckanstieg
  • Blutzuckererhöhung

Wegen dieser möglichen Nebenwirkungen wird Kortison zu Beginn der medikamentösen Rheumatherapie zunächst niedrig dosiert und im weiteren Verlauf hochdosiert.

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Medikamentöse Behandlung mit Biologika und Methotrexat

Zeigt die Behandlung mit den NSAR und dem Kortison nicht den erwünschten Erfolg, kommt ggf. die Biologika-Behandlung in Betracht. Es handelt sich hierbei um biotechnologisch hergestellte Medikamente, die sehr teuer sind. Im Falle der Polyarthritis werden Antikörper eingesetzt, die synthetisch hergestellt werden.

Diese sollen dem überschießenden Immunsystem entgegenwirken. Die Gabe erfolgt mittels Depotspritze direkt in den Muskel und muss nach ein paar Wochen/Monaten wieder aufgefrischt werden. Eine gefährliche Nebenwirkung von Biologika sind Infektionen, da das körpereigene Abwehrsystem unterdrückt wird.

Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) werteten die Ergebnisse von 35 Studien aus, in denen Patienten die in Deutschland zugelassenen Biologika erhielten. Im Ergebnis heißt es, dass es bei 7 von 100 Patienten, die den Wirkstoff Adalimumab bekamen, zu einer Linderung der Beschwerden kam. Weiter heißt es, dass 23 von 100 Menschen, die mit Adalimumab und Methotrexat behandelt wurden, innerhalb eines Jahres eine Besserung der Symptome verzeichneten. Demzufolge konnte Adalimumab nur 16 von 100 Patienten tatsächlich helfen.

Wenn die Einnahme der Medikamente wie Ibuprofen, Diclofenac und Kortison nicht zu einer Besserung der Beschwerden führt, erhalten Patienten den Arzneistoff Methotrexat (MTX), der ein Gegenspieler der Folsäure ist und einen bestimmten Rezeptor hemmt. Eingesetzt wird dieser Arzneistoff in der Krebsbehandlung als auch bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen.

Das überschießende Immunsystem wird gedrosselt, sodass die Stärke der Rheumaschübe reduziert oder sogar verhindert wird. Allerdings ist Methotrexat, wie jedes andere Medikament auch, nicht nebenwirkungsfrei. Neben Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall zählen auch eine erhöhte Infektanfälligkeit, Nieren-/Blasen Schädigungen, Entzündungen der Schleimhäute und Lungenfibrose zu den Nebenwirkungen. Deshalb müssen sich Patienten einer regelmäßigen Kontrolle der Blutwerte unterziehen.

Forscher der University of Texas werteten im Jahr 2014 Studien zu Methotrexat aus und kamen zu dem Ergebnis, dass bei 23 von 100 Patienten, die das Medikament einnahmen, die Beschwerden um die Hälfte zurückgingen. Bei 8 von 100 Patienten, die ein Placebo bekamen, gingen die Symptome im gleichen Ausmaß zurück. Das heißt, dass es nur 15 von 100 Patienten mit dem Medikament deutlich besser ging.

Das Wirkungsspektrum von medizinischem Cannabis

Die Cannabispflanze bzw. Hanfpflanze wird seit über 4500 Jahren für medizinische Zwecke genutzt. Bereits die alten Chinesen nutzten Hanf unter anderem gegen Rheuma und Entzündungen. Aber auch im Mittelalter sowie in der Neuzeit war Hanf eines der wichtigsten Heilmittel.

Im Jahre 1964 wurde dann von einem Forscherteam der Universität Jerusalem der psychotrope Wirkstoff bzw. das Cannabinoid Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) in der Hanfpflanze entdeckt. Nachdem die Forschung das körpereigene Endocannabinoid System im Menschen fand, stieg wieder das Interesse an der Cannabisforschung. Seither wird die Cannabis Wirkung intensiv erforscht und immer wieder werden neue überraschende Aspekte gefunden.

Heute ist bekannt, dass die Cannabispflanzen Sativa und Indica 85 Phyto Cannabinoide beinhalten. Die bekanntesten Cannabinoide sind:

  • Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC): Dieses Cannabinoid ist verantwortlich für die psychoaktive Wirkung des Cannabis. Gleichzeitig besitzt TCH eine analgetische (schmerzlindernde) sowie eine entzündungshemmende Wirkung.
  • Cannabidiol (CBD): Im Gegensatz zum THC hat CBD keine psychoaktive Komponente. Für die Medizin ist CBD besonders interessant, da es nicht nur schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken kann, sondern auch unter anderem bei Migräne, Schizophrenie, Epilepsie und Spastiken positive Effekte zeigen kann.

Die Cannabinoide aktivieren die beiden Cannabinoidrezeptoren CB1 und CB2 im menschlichen Körper. Während sich CB1-Rezeptoren hauptsächlich in den Nervenzellen des Kleinhirns, der Basalganglien und dem Hippocampus sowie im peripheren Nervensystem (z. B. im Darm) befinden, liegen die Cannabinoid-Rezeptoren-2 vorwiegend auf den Zellen des Immunsystems, die am Aufbau und dem Abbau von Knochen beteiligt sind. Gerade der CB2-Rezeptor spielt bei der Unterdrückung von Entzündungen eine bedeutende Rolle. Die Aktivierung dieser Rezeptoren hat zur Folge, dass die Zellen weniger Zytokine (entzündungsfördernde Signalstoffe) ausschütten.

Endocannabinoide regulieren Entzündungsprozesse

Schon im Jahr 2007 belegte das Universitätsklinikum Bonn, dass Endocannabinoide bei Entzündungsvorgängen eine regulierende Rolle einnehmen. Die Forscher fanden heraus, dass die körpereigenen Cannabinoide verhindern, dass das Immunsystem außer Kontrolle gerät. In einem Test wurden den Versuchsmäusen eine THC-Lösung und anschließend ein Allergen auf die Haut aufgetragen. Die Schwellung fiel deutlich geringer aus als normal, da THC an die Cannabinoid Rezeptoren bindet und diese aktiviert. Infolge dessen minderte THC die allergische Reaktion.

Die Thesen der Forscher wurden ein Jahr später unter anderem von der University of Nottingham bestätigt. Auch hier haben sich die Cannabinoidrezeptoren als Ziel für die Behandlung rheumatoider Arthritis als vielversprechend herausgestellt.

Studien geben Hoffnung: Cannabidiol (CBD) besitzt entzündungshemmendes Potenzial

Das Cannabinoid Cannabidiol (CBD) rückt wegen seiner Wirksamkeit als anti-arthritischer Arzneistoff ohne den psychoaktiven Effekt immer mehr in den Fokus der Wissenschaft. Im Jahr 2000 bestätigten die Forscher des Kennedy Institute of Rheumatology in Großbritannien das therapeutische Potenzial von CBD als anti-arthritisches Mittel. Auch eine aktuellere Studie aus dem Jahr 2015 am Institute for Drug Research in London kommt zu dem Schluss, dass Cannabisprodukte, insbesondere das CBD, ein potenzielles neues Medikament für rheumatoide Arthritis sein könnte.

Medizinisches Cannabis gegen chronische Schmerzen

„Die Welt“ berichtete im Jahr 2015, dass jedes Jahr bis zu 60.000 Deutsche an den Nebenwirkungen von Medikamenten wie Schmerzmitteln sterben. Es sterben also mehr Menschen an den Nebenwirkungen von Arzneimitteln als bei Straßenverkehrsunfällen. Erschreckend sind auch die Zahlen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Bis 1,9 Millionen Deutsche sind abhängig von Medikamenten. Im Vergleich dazu: Rund 1,77 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig.

Medizinische Cannabis-Schmerzmittel haben gegenüber den üblichen Schmerzmitteln viele Vorteile. Einer dieser Vorteile ist die geringe Toleranzentwicklung. Wenn Patienten Schmerzmedikamente über einen längeren Zeitraum einnehmen, müssen sie die Dosis irgendwann erhöhen, um die gleichbleibende Schmerzlinderung zu erfahren. Eine Dosiserhöhung ist bei der Cannabis Schmerztherapie in der Regel nicht notwendig. Auch bei längerer Einnahme lässt die schmerzhemmende Wirkung nicht nach.

Die Wirkungsmechanismen durch Cannabis in Bezug auf chronische Schmerzen sind sehr gut erforscht. Im Deutschen Ärzteblatt wurde berichtet, dass medizinisches Cannabis besonders bei chronischen neuropathischen Schmerzen wie Rheuma-Schmerzen sowie Schmerzen bei Multipler Sklerose wirksam ist. Genannt werden hier auch Studien, die Hinweise darauf geben, dass medizinisches Cannabis auch bei Schmerzen hilfreich sein, die durch Rheuma oder eine Fibromyalgie ausgelöst werden.

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.: „Rheuma in Zahlen: Betroffene Menschen in Deutschland

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Bericht-Nr. 180, 2013, „Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel in der Zweitlinientherapie bei rheumatoiden Arthritis

Department of General Internal Medicine, The University of Texas, M.D. Anderson Cancer Center, 1515 Holcombe Blvd, Unit 1465, Houston, Texas, USA, 77030, Lopez-Olivo MA1 et al., 2014, “Methotrexate for treating rheumatoid arthritis

Journal of the American Chemical Society. 86, 1964, S. 1646, doi:10.1021/ja01062a046, Y. Gaoni, R. Mechoulam, “Isolation, Structure, and Partial Synthesis of an Active Constituent of Hashish

UKB Universitätsklinikum Bonn, 2007, „Körpereigene Cannabinoide wirken entzündungshemmend

Centre for Analytical Bioscience, School of Pharmacy, University of Nottingham, Nottingham, NG7 2RD, UK, Richardson D1 et al., 2008, “Characterisation of the cannabinoid receptor system in synovial tissue and fluid in patients with osteoarthritis and rheumatoid arthritis

Kennedy Institute of Rheumatology, 1 Aspenlea Road, Hammersmith, London W6 8LH, United Kingdom; and ‡Hebrew University, Hadassah Medical School, P.O.B. 12272, Jerusalem 91120, Israel, A. M. Malfait et al., 2000, “The nonpsychoactive cannabis constituent cannabidiol is an oral anti-arthritic therapeutic in murine collagen-induced arthritis

Institute for Drug Research (C.G.H., L.H., N.M.K., R.M.) and Lautenberg Center for Immunology (Z.Y., R.G.), Hebrew University Medical Faculty, Jerusalem, Israel; and Kennedy Institute of Rheumatology, Hammersmith, London, United Kingdom (P.F.S., M.F.), Haj CG1 et al., 2015, “HU-444, a Novel, Potent Anti-Inflammatory, Nonpsychotropic Cannabinoid

Die Welt, 2015, „So gefährlich sind die beliebtesten Medikamente

Deutsches Ärzteblatt, Grotenhermen, Franjo; Müller-Vahl, Kirsten, 2012, „Das therapeutische Potenzial von Cannabis und Cannabinoiden

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