Was sind Cannabis-Topicals und wie wirken sie?

Autor: Leafly Redaktion

Veröffentlicht am: 31. Mai 2017

Geändert am: 19. August 2017

Dank neuer Methoden müssen Patienten Cannabis nicht mehr rauchen und von den psychoaktiven Wirkungen beeinträchtigt werden, um die medizinische Wirkung der Pflanze nutzen zu können. Cannabishaltige Topicals zur äußeren Anwendung stehen exemplarisch dafür, wie die neuen Darreichungsformen die gesellschaftliche Wahrnehmung hinsichtlich Zugänglichkeit, Sicherheit und Wirksamkeit von medizinischem Cannabis als Medikament verändern.

Was sind Topicals?

Topicals sind mit medizinischem Cannabis angereicherte Lotionen, Balsame und Öle, die zur Behandlung örtlich auftretender Beschwerden wie Schmerzen, Muskelkater und Entzündungen auf die Haut aufgetragen und über diese aufgenommen werden. Weil sie keine psychotrope Wirkung haben, werden Topicals häufig von Patienten verwendet, die vom medizinischen Nutzen der Cannabispflanze als Medikament profitieren möchten, ohne den mit anderen Darreichungsformen einhergehenden Zustand der zerebralen Euphorie in Kauf nehmen zu müssen, wie es zum Beispiel bei Edibles der Fall ist.

Welche Darreichungsformen von Topicals gibt es?

Neben bekannten Darreichungsformen wie Edibles oder auch Hanf- bzw. Cannabis-Öl kommen in den USA zahlreiche transdermische Innovationen auf den Markt, so auch Dauerpflaster oder prickelnde Gleitmittel für Patienten. Abhängig von den Cannabis-Sorten werden Topicals mit bestimmten Terpenen und Cannabinoiden angereichert, die ein ähnliches chemisches Profil aufweisen. Diese Eigenschaften sollen imitiert werden. Neben THC, CBD (Cannabidiol), THCA und anderen Cannabinoiden verwenden die Hersteller von Topicals häufig Inhaltsstoffe und ätherische Öle mit zusätzlicher Wirkung wie beispielsweise Cayennepfeffer, Wintergrün und Gewürznelke.

Wie wirken cannabishaltige Topicals?

Mit medizinischem Cannabis angereicherte Salben, Lotionen, (Hanf-)Öle, Sprays und andere transdermale Darreichungsformen wirken, indem die Cannabinoide an ein Geflecht von so genannten CB2-Rezeptoren andocken. Diese CB2-Rezeptoren sind im ganzen Körper verteilt und werden entweder durch die körpereigenen Endocannabinoide oder durch die als „Phytocannabinoide“ bezeichneten Cannabiswirkstoffe (z.B. THC und CBD) aktiviert.
Selbst wenn ein Topical aktives THC enthält, erzeugt es nicht das intensive Hochgefühl, das beim Rauchen oder Essen entsteht. Denn bei den meisten Topicals gelangen die Cannabinoide nicht in den Blutkreislauf und dringen ausschließlich in das System der CB2-Rezeptoren ein. Transdermale Pflaster hingegen bringen Cannabinoide in den Blutkreislauf und können bei ausreichendem THC-Gehalt psychoaktive Effekte auslösen.

Welche Symptome werden mit cannabishaltigen Topicals behandelt?

Topicals werden meist in der Therapie oder zur Linderung von Schmerzen, Muskelkater, Verspannungen und Entzündungen verabreicht. Anekdotische Berichte lassen jedoch darauf schließen, dass ein deutlich größeres Spektrum an Beschwerden behandelt werden kann, so zum Beispiel Schuppenflechte, Dermatitis und Juckreiz oder auch Kopfschmerzen und Krämpfe.
Zur Entspannung der Muskeln nach einem anstrengenden Training oder einer langen Wanderung eignet sich eine THC-reiche Lotion mit kühlendem Menthol und Minze. Für die Behandlung starker, lokaler Schmerzen wird die Anwendung eines Wärmebalsams empfohlen. Dieser vereint die stark schmerzstillenden Eigenschaften der Cannabinoide mit einem prickelnden und lindernden Gefühl.

Entzündungssymptome wiederum erfordern ein anderes chemisches Profil, wie Aimee Warner (Geschäftsführerin von Cannabis Basics) erklärt: „Die mit Arthritis einhergehenden Schmerzen werden von Entzündungen ausgelöst. Unsere Produkte enthalten die Cannabinoide [THCA] und CBD, die beide entzündungshemmend wirken. Aktives THC eignet sich nicht zur Therapie von Entzündungen. In Säureform und in Kombination mit CBD (Cannabidiol) klingen Entzündungen und die damit einhergehenden Schmerzen jedoch ab.“

Gibt es für unterschiedliche Probleme vielfältige Topicals?

Verschiedene Topicals bieten abhängig von der Art der Verarbeitung und den verwendeten Inhaltsstoffen einen unterschiedlichen Nutzen. Patienten sollten sich daher informieren, welche Produkte für ihre individuellen Therapie am besten geeignet sind. Derzeit werden zunehmend neue Varianten von Topical-Heilmitteln entwickelt, was für Schmerz- und Entzündungspatienten eine große Erleichterung bedeutet. Diese Tatsache verdeutlicht den großen Nutzen von medizinischen Topicals in der Medizin.

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