THC-reiches Cannabis hat Nebenwirkungen. Was Sie dagegen tun können

Autor: Leafly Redaktion

Veröffentlicht am: 10. Mai 2017

Geändert am: 17. August 2017

Wie praktisch alle Medikamente kann auch Cannabis spezielle Nebenwirkungen hervorrufen. Auch wenn nicht alle Konsumenten von unerwünschten Reaktionen betroffen sind, sollten sich insbesondere unerfahrene Patienten über die möglichen Risiken im Klaren sein. Dabei ist zu berücksichtigen, dass diese Nebenwirkungen von THC verursacht werden, dem wesentlichen psychoaktiven Bestandteil von Cannabis.

Die Auflistung ist nicht vollständig und konzentriert sich auf die am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen von THC. Außerdem geben wir Tipps, diesen entgegen zu wirken.

Tipps die unangenehmen Effekte von THC zu umgehen

  • Beginnen Sie mit einer sehr niedrigen Dosierung, wenn Sie THC-reiche Sorten einnehmen. Unerwünschte Nebenwirkungen gehen häufig mit dauerhaftem oder starkem Konsum einher. Probieren Sie also zunächst eine kleine Menge aus und warten Sie die Wirkung ab. Denn bereits die kleinste Dosierung kann eine starke Wirkung hervorrufen.
  • Beginnen Sie bei Edibles mit einer Dosis von 5 mg, wenn Sie nicht mit THC vertraut sind. Dies ist eine gute Basis, die Sie langsam steigern können, wenn die Wirkung zu mild ist.
  • Trinken Sie während der Einnahme von Cannabis ausreichend Wasser. Allein durch eine ausreichende Wasserzufuhr können Sie bereits zahlreiche unliebsame Nebenwirkungen verhindern.

Paranoia und Angstzustände

Die unangenehmsten Nebenwirkungen von THC sind Angstzustände und Paranoia. Obwohl kleine Mengen von THC wahrscheinlich nur milde Paranoia oder soziale Angst induzieren, können Edibles und Überdosierungen übertriebene Nebenwirkungen verursachen. THC ist dafür bekannt, Angstzustände in kleineren Dosen zu lindern und diese in größer Dosierung zu erhöhen. Darüber hinaus sind einige Menschen genetisch vorgeprägt, so dass sie Angstzustände als Folge der Einnahme von Cannabis erleben. Typische Angstzustände Symptome ausgelöst durch Cannabis sind Psychosen und Herzrasen. Wir empfehlen besonders beim Ersteinsatz Ihrer Medikamente einen sicheren und bequemen Ort zu wählen. Eventuell sollten Sie auch eine Begleitperson an Ihrer Seite haben, die Ihnen bei möglich auftretenden Symptomen helfen kann. Bekannt ist auch, dass das zerkauen von schwarzen Pfefferkörnern einer Überdosierung oder starken Nebenwirkungen entgegenwirken kann.

Trockener Mund

Besser bekannt als die gefürchtete „Baumwollmutter“. Ein hoher THC-Gehalt kann dazu führen, dass sich Ihr gesamter Mund- und Rachenbereich trockener anfühlt als die Wüste Sahara. Man mag es kaum glauben, doch Cannabinoidrezeptoren sitzen auch in unsere Speicheldrüsen. Die Mundtrockenheit Ursache ist mal wieder das THC. THC imitiert eine im Körper natürlich vorkommende Substanz namens Anandamid, die an diese Rezeptoren bindet, um die Speichelproduktion zu senken. THC, mit seiner hohen Affinität zu diesen Rezeptoren sorgt für eine Überproduktion und damit für einen trockenen Mund. Hört sich komisch an, ist aber so. Unser Tipp zur Mundtrockenheit Behandlung: Denken Sie daran, niedrig zu dosieren und viel Wasser zu trinken. Außerdem sollten Sie immer etwas Kaugummi zur Hand haben, sollte die Baumwollmutter zuschlagen.

Trockene, rote Augen

Nicht nur, dass THC den Mund austrocknen lässt, kann es auch trockene, rote Augen verursachen. THC ist bekannt dafür den Blutdruck zu senken und die Blutgefäße in den Augen zu erweitern, was zu Rötungen führt. Obwohl weniger wahrscheinlich, kann eine Allergie gegen Cannabis auch rote Augen verursachen. Um diesen Nebenwirkungen entgegenzuwirken, trinken Sie viel Wasser und bleiben Sie so hydratisiert. Augentropfen können hilfreich sein, wenn Ihre Augen gereizt sind, aber vermeiden Sie, sich auf diese jedes Mal zu verlassen, da einige Marken tatsächlich Trockenheit danach verursachen können, wenn diese ständig verwendet werden.

Hunger und “Munchies”

Eine der ärgerlichsten Nebenwirkungen von THC ist das entsetzliche Verlangen nach Munchies, also nach Knabbereien. Süß oder salzig, egal. Hauptsache irgendetwas naschen. Weil es Bereiche des Gehirns anregt, der mit dem Appetit verbunden ist, kann THC ein so heftiges Hungergefühl hervorheben, dass Sie nicht nur den gesamten Inhalt des Kühlschranks leer essen, sondern sich auch noch zwei Pizzen bestellen. Sollte Sie die Heißhungerattacke erwischen, geben Sie nach und essen Sie. Oder versuchen Sie drei schwarze Pfefferkörner zu kauen. Die Wirkstoffe im schwarzen Pfeffer wirken dem Heißhunger entgegen.

Schläfrigkeit und Lethargie

Für die einen ist THC ein Segen, da man durch die sedierende Wirkung Schlaflosigkeit bekämpfen kann. Für andere, die tagsüber aktiv sein müssen, sind Schläfrigkeit und Lethargie unangenehm und lästig. Als Cannabispatient muss man sich darauf einstellen, dass die Medikamente zu einer gewissen Müdigkeit führen können und man sich schläfrig fühlt. Daher sollte man Zeit für ein Nickerchen einplanen. Oder Sie versuchen es mit einem Cannabiskaffee oder Cannabistee. Diesen Getränken wird eine anregende Wirkung nachgesagt.

Beeinträchtigtes Gedächtnis

Obwohl Gedächtnisbeeinträchtigung eher ein Problem für diejenigen ist, die sich erst neu an Cannabispräparate gewöhnen müssen, kommt es auch bei Langzeitpatienten immer wieder zu Ausfällen. Zum Glück scheint eine Gedächtnisstörung, die mit Cannabis verbunden ist, vorübergehend zu sein, aber auch kurzfristige Effekte können einem produktiven Nachmittag und kognitiven Aufgaben im Wege stehen. Nahrungsergänzungen wie Ginkgo und B-Vitamine können hilfreich sein, um diese Nebenwirkungen zu bekämpfen, dennoch ist es am besten für die Erhaltung der Kognition die Dosierung niedrig und langsam einzuführen.

Weitere Nebenwirkungen

Sie können eine Reihe von anderen Nebenwirkungen mit Cannabis wie medikamenteninduzierter Kopfschmerz, Schwindel und Atemwegserkrankungen erleben, obwohl diese weniger häufig sind. Es ist immer eine gute Idee, Ihren Cannabiskonsum mit Ihrem Arzt abzustimmen und nach Kontraindikationen Ausschau zu halten, sollten Sie andere Medikamente zu sich nehmen. Da die Nebenwirkungen von Cannabis tendenziell mild sind, bevorzugen viele Patienten diese anderen Medikamenten gegenüber. Dennoch sollte man sich mit den Risiken vertraut machen und darauf vorbereitet sein.

Folgende Personengruppen sollten achtsam sein und nur geringe Mengen oder gar kein Cannabis konsumieren

Schwangere:

Es gibt bisher keine hinreichenden Hinweise darauf, dass Cannabis zu Entwicklungsstörungen beim Embryo oder Fetus führt. Schwangere sollten jedoch grundsätzlich unnötige Medikamente und Drogen meiden. Liegt allerdings eine Indikation vor, wie etwa Schwangerschaftserbrechen, stellt Cannabis sicherlich ein vergleichsweise gefahrloses Präparat dar.

Stillende Mütter:

Etwa 10 bis 20 % der Blut-THC-Konzentration finden sich in der Muttermilch.

Kinder vor der Pubertät:

Insbesondere vor der Pubertät kann das komplexe hormonelle Zusammenspiel durch Beeinflussung der Hormonsekretion der Hirnanhangdrüse reversibel gestört werden. Der Eintritt der Pubertät kann eventuell bei regelmäßigem starken Konsum verzögert werden. Dies wurde allerdings bisher nur in einem Fall konkret nachgewiesen.

Herzkranke:

Cannabis führt zu einer Zunahme der Herzfrequenz und eventuell zu einem Abfall des Blutdrucks. Einzelbeobachtungen deuten darauf hin, dass Cannabis bei Herzkranken wegen des blutgefäßerweiternden Effektes auch günstig wirken kann. Überdosierungen sind zu vermeiden. Für den gefäßerweiternden und auch den Herzfrequenz beschleunigenden Effekt besteht eine Toleranzentwicklung.

Patienten mit Psychosen:

Bei latenter Psychose kann die Krankheit ausbrechen. Bei bekannter Erkrankung kann ein psychotischer Schub ausgelöst werden. Viele Psychotiker vertragen Cannabis jedoch problemlos und reagieren nur auf starke Halluzinogene wie LSD oder stimulierende Substanzen wie Kokain.

 

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