Leafly.de Patientenakte: Ben (*), 44, Bayern, Morbus Bechterew, Arthrose

Autor: Uta Melle

Verõffentlicht am: 6. September 2018

Geändert am: 6. September 2018

Seit einem Unfall vor 13 Jahren plagen Ben (* Name von der Redaktion geändert) starke Schmerzen. Zwei Jahre später stellte sich durch einen Zufall heraus, dass die wahre Ursache hierfür Morbus Bechterew, eine entzündliche Erkrankung der Gelenke, ist. Nach einem weiteren Unfall und einer Operation an der Wirbelsäule ging es Ben immer schlechter. Auch die Nebenwirkungen der Schmerzpräparate machen ihm schwer zu schaffen. Hilfe fand er in der medizinischen Behandlung mit Cannabis.

Leafly.de Patientenakte: Ben (*), 44, Bayern, Morbus Bechterew, Arthrose

Bei einem Jetski Unfall in Thailand brach sich Ben 2005 einen Lendenwirbel. Nach dem Check Up in einem deutschen Krankenhaus wurde ihm gesagt, dass dies innerhalb von sechs Wochen verheilt sein sollte. Doch er hatte weiterhin Schmerzen, die meist in Schüben kamen. Dagegen nahm er alle gängigen Schmerzmittel, wie zum Beispiel Ibuprofen. Leider zeigten diese kaum Wirkung.

Zufallsdiagnose Morbus Bechterew

Der Aufenthalt in einem Krankenhaus zwei Jahre später brachte Ben mehr Erkenntnisse. Eine Ärztin sah ihn auf dem Flur laufen und sah, dass er unter Morbus Bechterew litt. Er wurde in eine Rheumaklinik überwiesen. Leider dauerte dies sechs Monate, denn die Wartezeiten für solche Spezialkliniken sind lang. Hier begann eine drei Jahre lange „Testphase“, in der er alle möglichen Präparate ausprobierte. Alphablocker, Methotrexat, Arcoxia, Sympal Injektionen und vieles mehr. Doch Ben litt weiterhin unter Schmerzen. Er beantragte eine Umschulung, da er nicht mehr arbeiten konnte. Diese wurde aufgrund seiner Entzündungswerte im Blut abgelehnt. Ihm wurde nahegelegt, die Rente einzureichen.

Ein weiterer Unfall

2011 brach sich Ben bei einem Sturz den Brustwirbel sowie den vierten Lendenwirbel. Den nicht mehr zu ertragenden Schmerzen versuchte er mit den Präparaten entgegenzutreten, die ihm verschrieben wurden. Tilidin, Hydromorphen und Morphiumpflaster hinterließen bei ihm jedoch schwere Nebenwirkungen. Er erbrach sich permanent, bis er abgemagerte, schlief kaum noch und eine Depression machte sich bei Ben breit. 2013 ging gar nichts mehr, sodass ihn seine Freundin in die geschlossene Psychiatrie einweisen ließ. Nach vier Wochen verließ er diese auf eigenen Wunsch. Ihm wurden jedoch gute Fortschritte attestiert.

Die Suche nach einem wirksamen Schmerzmittel

2014 ließ sich Ben die durch den Morbus Bechterew verursachte fortgeschrittene Fehlstellung der Wirbelsäule operieren. Die Schmerzen wurden jedoch dadurch nur verlagert. Er wusste, dass es so nicht weitergehen konnte. Jahrelange Schmerzen, Schlaf- und Appetitlosigkeit hatten ihn fertiggemacht. Nach langer Suche wurde er auf die medizinische Behandlung mit Cannabis aufmerksam. Sein betreuender Arzt stellte ihm ein Privatrezept aus. Er testete und das erste Mal nach vielen Jahren ging es ihm gut. Der Weg war gefunden.

Absetzen der Schmerzmittel

Die Behandlung mit Cannabis erleichterte Ben das Absetzen sämtlicher Schmerzmittel. Nun begann er, die Kostenübernahme bei der Krankenkasse zu beantragen. Trotz der Tatsache, dass der Arzt erhebliche Fortschritte nachweisen konnte, wurde diese jedoch bisher abgelehnt. Ben kämpft jedoch weiter.

Allerdings hat er eine zusätzliche Hürde. Obwohl er in Bayern geboren wurde, trägt er einen türkischen Namen. Er hat den Eindruck, dass diese Tatsache die Antragstellung bei der AOK erschwert.

Ben ist auf der Suche nach einer Ärztin oder einem Arzt in Augsburg

Ben hat die große Bitte an alle, die in oder um Augsburg herum Ärztinnen oder Ärzte kennen, die ihm potenziell helfen könnten sich aus seiner misslichen Situation zu befreien. Er ist Frührentner und kann die Privatrezepte nicht mehr bezahlen und sucht dringend einen Kassenarzt, der oder die ihn als Patienten aufnimmt. Hinweise nehmen wir per Mail entgegen unter patienten@leafly.de. Die Daten werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt und nicht weitergegeben, außer an Ben.

Anm. d. Autorin: Da ich schon mit vielen Patienten gesprochen habe, auch Patienten mit fremdländischen Namen, kann ich die Beobachtungen von Ben leider bestätigen. Diese Art von Misstrauen Menschen gegenüber, die nicht deutsche sind, verurteile ich absolut. Als Arzt leistet man einen Eid, allen Kranken zu helfen und niemanden auszugrenzen.

Patienteninfos
Name: Ben
Alter: 44
Wohnort/Bundesland: Bayern
Krankenkasse: AOK
Diagnose: Morbus Bechterew, Arthrose, Depression
Medikation: tagsüber ca. 1,2 g Penelope 18-1, abends ca. 0,3 g – 0,4 g Pedanios 22-1
Fachrichtung des verschreibenden Arztes: Allgemeinmediziner

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du Cannabis als Medizin an?
Ben: Seit April 2018.

Leafly.de: Wie bist Du denn darauf gekommen?
Ben: Ein Freund hat mir von der medizinischen Behandlung mit Cannabis berichtet. Vor allem was den Einsatz bei Schmerzen, Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit anging. Alles Symptome, die ich hatte.

Leafly.de: Wie war das erste Mal?
Ben: Ich hatte den Eindruck, dass es mir noch nie so gut ging. Ich konnte Essen, Schlafen und hatte kaum noch Schmerzen. Es war ein Fest für mich.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an?
Ben: Als Dauermedikation.

Leafly.de: Hattest Du Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Ben: Ja, sie weigern sich, die Kosten uzt übernehmen. Ich kämpfe aber weiter.

Leafly.de: Wie sieht es mit Deinem Job aus?
Ben: Leider musste ich die Rente beantragen.

Leafly.de: Bist Du glücklich?
Ben: Nun, da ist noch viel Luft nach oben, aber es wird merklich besser.

Vielen Dank, lieber Ben. Wir hoffen, dass sich ein Arzt meldet, der Dir helfen kann und wünschen Dir alles Gute für die Zukunft.

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