Leafly.de Patientenakte: Birgit, 56, Berlin, Fibromyalgie

Autor: Uta Melle

Verõffentlicht am: 30. Januar 2018

Geändert am: 13. Februar 2018

Fibromyalgie ist eine noch recht unbekannte Krankheit, da sie erst 2005 definiert wurde. Die Ursache ist ungeklärt. Die Symptome sind leider schwer und vielfältig: Schmerzen im ganzen Körper, Depression, Infekte, Magen-Darm-Beschwerden, Doppeltsehen und vieles mehr. Auch Birgit ist eine Fibromyalgie-Patientin. Sie kämpft sich derzeit aus dem tiefen Loch, welches die Krankheit in ihr Leben gerissen hat.

Leafly.de Patientenakte: Birgit, 56, Berlin, Fibromyalgie

Der 56 jährigen Bibliothekarin Birgit aus Berlin musste 2000 ein Myom entfernt werden. Danach zeigten sich die ersten Symptome: Sie bekam eine Lungenentzündung, von der sie sich sehr lange nicht erholte. Auch bemerkte sie, dass sich ihr psychischer Zustand verschlechterte. Nachdem sie mit dem Rauchen aufhörte, begannen sie dann auch noch Darmprobleme zu quälen.

Endlich eine Diagnose, doch keine Lösung

Birgit bemerkte, dass ihre Beine permanent wie bei einem Muskelkater schmerzten. Auch weitere Infekte ließen sie nicht los. Es begann eine Arztodyssee, die 2008 mit der Diagnose Fibromyalgie endete. Sie begann zunächst eine multimodale Schmerztherapie, die auch eine Verhaltens- und Psychotherapie beinhaltete. Sie trieb der Krankheit angemessen Sport.

Sie wurde immer depressiver.  Sie hatte sich mit der Arbeit, privaten Herausforderungen und der Krankheit zu viel vorgenommen. Sie zog sich zurück, versteckte sich. Aufgrund dessen besuchte sie eine Nervenärztin. Ihr wurden Antidepressiva verschreiben, von denen sie keines vertrug. Inzwischen musste Birgit die Arbeit niederlegen – es wurde ihr Zuviel.

Ein Mediziner verschreibt Cannabis

Eines Tages erzählte eine Freundin mit ADHS Birgit von der Möglichkeit, Cannabis als Medizin einzusetzen. Ein Tee aus Cannabisblüten wurde schnell zum Test gebraut und bestätigte dies. Auch der behandelnde Arzt befürwortete diese Vorgehensweise und verschreib Birgit Sativex. Das Präparat bewirkte bei ihr sofortige Entspannung. Das erste Mal seit Jahren. Auch schlafen konnte sie wieder. Die anderen Beschwerden gingen dann mit der Zeit auf ein erträgliches Maß herunter.

Birgit engagiert sich in der Berliner Fibromyalgiegruppe Fibrofighters.

Inzwischen wendet Birgit Cannabis seit einem Jahr an und sagt:
„Ein Jahr Freude am Leben. Mein Lachen ist endlich wieder da.“

Patienteninfos:
Name: Birgit
Alter: 56
Wohnort/Bundesland: Berlin
Krankenkasse: Barmer
Anamnese: Fibromyalgie
Medikation: Sativex, 8-10 Sprühstösse pro Tag. Sonstige: Duspatal, Pantoprazol, Augentropfen, Magnesium, bei Schmerzspitzen: Novalgin

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du Cannabis als Medizin an?
Birgit: Seit November 2016.

Leafly.de: Wie bist Du denn darauf gekommen?
Birgit: Eine Freundin von mir hat ADHS. Sie sagte mir, dass ihr Cannabis hilft und dass es auch bei Schmerzen helfen kann. Sie hat mir ein wenig gegeben und ich habe mir einen Tee zubereitet. Der hat mir tatsächlich geholfen. Doch die schlechte Dosierbarkeit empfand ich als nicht praktikabel. Ich versuchte dann noch CBD – das hat auch schon ein wenig geholfen. Als mein Arzt mir dann auch gut zugeredet hat, war ich überredet.

Leafly.de: Wie war das erste Mal?
Birgit: Ich fühlte mich gut. Endlich empfand ich mal wieder Entspannung, ich kam zur Ruhe. Das Schlafen funktionierte sofort wieder, die restlichen Beschwerden gingen langsam weg. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich die ersten 5 bis 6 Wochen leichte Schwindelgefühle hatte. Das hat dann nachgelassen und tritt nur noch auf, wenn ich es überdosiere.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an?
Birgit: Als Dauermedikation.

Leafly.de: Welches Präparat in welcher Dosierung nimmst Du?
Birgit: Ich bekomme Sativex und nehme 8 bis 10 Sprühstöße pro Tag. Abends eher mehr, damit ich schlafen kann.

Leafly.de: Gibt es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Birgit: Nein, bisher keine Schwierigkeiten.

Leafly.de: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?
Birgit: Nein, habe ich nicht. Ich habe auch keine Angst vor Abhängigkeiten von meinen anderen Medikamenten, seien es nun Augentropfen, Cremes, Magnesium, Duspatal oder Prantoprazol. Ich brauche diese Medikamente, ebenso wie das Cannabis, notwenigerweise um Beschwerden zu lindern und ein gewisses Maß an Teilhabe und Lebensqualität zu erreichen. So gesehen bin ich von allen meinen Medikamenten abhängig, wie das bei chronisch Kranken eben so ist. Bemerkenswert finde ich daher, die Frage nach der Abhängigkeit wird ausschließlich im Zusammenhang mit Cannabis gestellt, nie im Zusammenhang mit den anderen Medikamenten. Es ist wohl das Thema Sucht, das sich dahinter verbirgt. Das Suchtpotenzial von Cannabis ist gering, und falls es doch dazu käme, ist es nicht sonderlich schwer, diese Sucht zu therapieren. Mir spielt bei dieser Frage immer noch die ungerechtfertigte Gleichsetzung von Cannabis mit den sogenannten harten Drogen mit rein. Ich habe nicht die geringste Angst süchtig zu werden. Sucht widerspricht meinen bisherigen Erfahrungen. Und selbst wenn es so wäre? Was für einen Unterschied würde es machen?

Leafly.de: Was hat sich für Dich geändert, seit dem Du Sativex nimmst?
Birgit: Ich bin aus meinem passiven, zurückgezogenen Leben herausgekommen. Ich bin kommunikativer, aktiver, gehe wieder raus.

Leafly.de: Bist Du zufrieden mit Deinem Präparat, oder möchtest Du etwas verändern?
Birgit: Ich habe den Eindruck, dass die Wirkung von Sativex auf Dauer ein wenig nachlässt. Daher möchte ich beim nächsten Termin den Arzt darauf ansprechen, ob es nicht möglich ist, am Morgen und Mittag ein CBD-Produkt und am Nachmittag und Abend ein anderes THC-Produkt anzuwenden.

Vielen Dank, liebe Birgit.
Es wäre schön, wenn wir über die Veränderungen berichten dürfen.
Bis dahin wünschen wir Dir alles Liebe!

Weiterführende Links auf Leafly.de:

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https://www.leafly.de/patientenakte-matthias-fibromyalgie/
https://www.leafly.de/fibro-nebel-cannabis-als-medizin/
https://www.leafly.de/cannabis-als-medizin-bei-fibromyalgie/

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