Leafly.de Patientenakte: Christian, 42, Saarland, Grauer und Grüner Star, Arthrose, zweifacher Bandscheibenvorfall, LWS-Syndrom

Autor: Uta Melle

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Christian hat in seinem Leben mehrmals echtes Pech erlebt. Ein unverschuldeter Autounfall, der Angriff einer Totschläger-Bande und die Nebenwirkungen der Schmerzmedikamente hätten sein Leben fast zerstört. Dank der medizinischen Behandlung mit Cannabis gibt es in seinem Leben langsam wieder Hoffnung und es geht ein wenig bergauf.

Leafly.de Patientenakte: Christian, 42, Saarland, Grauer und Grüner Star, Arthrose, zweifacher Bandscheibenvorfall, LWS-Syndrom

Für den gelernten Koch und Pâtissier Christian lief bis 1997 alles wunderbar, doch dann überschlug er sich bei einem unverschuldeten Autounfall. Trotz seines hieraus resultierenden zweifachen Bandscheibenvorfalls gab er seine Leidenschaft, die gleichzeitig seinen Beruf war, nicht auf. Jahrelang wurde ihm das Opioid Tilidin in immer höher werdenden Dosierungen verabreicht.

Fatale Nebenwirkungen von Tilidin

In den folgenden zehn Jahren hatte Christian mehr und mehr mit den Nebenwirkungen des Opioides zu kämpfen. Er litt unter Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und seine Sehkraft ließ zusehends nach, so dass er 2007 einen Augenarzt aufsuchen musste. Dieser überwies ihn zum Optiker, um eine neue Brille zu bestellen.

Bei der Messung im Fachgeschäft entdeckte der Optiker Anzeichen für den Grauen Star in Christians rechtem Auge. Ihm wurde eine Operation zum Einsatz einer künstlichen Linse empfohlen. Zwei Tage nach der Operation erkannte Christian, dass diese Maßnahme leider nicht fruchtbar war.

Umschulung für Christian

Drei Jahre später musste Christian seinen Beruf als Koch und Pâtissier aufgeben. Die Bandscheiben spielten nicht mehr mit. Er entschied sich für eine Umschulung zum LKW-Fahrer. Doch es ergaben sich weitere Probleme; nun wurde sein Auge auf den Grünen Star diagnostiziert.

Er bekam immer mehr und immer andere Medikamente, doch auf die meisten reagierte er allergisch. Ein Jahr später war er am Ende und seine Ärztin bat ihn, etwas zu unternehmen, er würde sonst erblinden. Inzwischen funktionierte kein Medikament mehr; Tilidin war noch das einzige, was Christian aufrecht halten konnte. Vor allem eine neu diagnostizierte Arthrose im Sprunggelenk machte ihm schwer zu schaffen.

Cannabis als alternative Medizin zu Opioiden?

Auf der Suche nach der Ursache seiner Augenerkrankungen lernte Christian kurze Zeit später, dass Tilidins den Augendruck erhöhen kann – eine Nebenwirkung, die selten kommuniziert wird.

So entschied sich Christian komplett neu anzufangen. Auf der Suche nach einer neuen Behandlungsmöglichkeit riet ihm ein Kollege, sich über den medizinischen Einsatz von Cannabis zu erkundigen. Sofort begann er sich zu informieren und machte schnellstmöglich einen Termin bei dem deutschen Spezialisten Dr. Franjo Grotenhermen. Dieser stellte ihm 2015 ein Privatrezept mit Sondergenehmigung aus. Ab dem Moment ging es für Christian steil bergauf. Er machte ein Restaurant auf und das Leben schien es wieder gut mit ihm zu meinen.

Ein schwerer körperlicher Angriff mit dramatischen Folgen

Ende September 2015 passierte es dann: Beim Abschließen seines Restaurants wurde Christian von einem Schlägertrupp überfallen. Die machten keine halben Sachen. Anschließend war seine Lendenwirbelsäule schwer angeschlagen. Erschwerend kam hinzu, dass Christian nun unter extremen Angstzuständen litt.

Er begab sich in psychologische Behandlung. Die Privatrezepte konnte er sich nun auch nicht mehr leisten und er setzte alle Kraft in den Kampf um die Kostenübernahme für seine Cannabisbehandlung durch die Krankenkasse.

Christians Kampf um Kostenübernahme

Zweimal erhielt Christian eine Ablehnung vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherungen. Er musste sogar feststellen, dass die Behörde seine kompletten Akten geschreddert hatten.

Er setzte sich mit der Bundesopiumstelle in Verbindung. Diese befürwortete die Behandlung, doch der MDK ließ nicht locker. Christian begann alle Ärzte, die er kannte, einzuschalten. Das führte zu einem Bombardement von Argumentationen und Fürsprachen bei der Krankenkasse, bis diese einer vorübergehenden Kostenübernahme für sechs Monate sowie der Kostenrückerstattung der Rezepte ab Juli 2017 zustimmte.

Christian beauftragte eine Anwalt, um diesen Entscheid in einen Dauerhaften zu verändern.

Mit Cannabis ist alles besser

Es geht Christian inzwischen den Umständen entsprechend. Seine Schmerzen und seine Angstzustände sind Dank der Cannabisbehandlung erträglich. Nebenwirkungen verspürt er nicht. Die Schäferhündin Lady ist die treue Freundin an seiner Seite, die ihn zusätzlich beschützt. Christians Hauptangst ist derzeit, dass er keine dauernde Kostenübernahme bekommt. Derzeit ist er auf der Suche nach einem guten Psychotherapeuten. Vorschläge geben wir gern an Christian weiter.

Patienteninfos
Name: Christian
Alter: 42
Bundesland: Saarland
Krankenkasse: Techniker
Diagnose: Grauer und Grüner Star, Arthrose Sprunggelenk, zweifacher Bandscheibenvorfall, LWS-Syndrom, Angst
Medikation: Bedrocan, 2g/Tag. Vaporisieren über den Tag verteilt
Fachrichtung des verschreibenden Arztes: Allgemeinmediziner

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du Cannabis als Medizin an?
Christian: Schon seit 2015 mit einer Ausnahmegenehmigung

Leafly.de: Wie bist Du denn darauf gekommen?
Christian: Ich habe dringend nach einer Alternative gesucht und ein Kollege erzählte mir von den medizinischen Möglichkeiten von Cannabis. Da hab ich mich dann erkundigt.

Leafly.de: Wie war das erste Mal mit Cannabis als Medizin?
Christian: Die totale Entspannung. Und es war lustig. Allerdings habe ich keine berauschende Wirkung empfunden. Das ist großartig.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an und welche Tagesdosis nimmst Du?
Christian: Eigentlich als Dauermedikation. Meine Tagesdosis liegt bei ungefähr 2 Gramm über den Tag verteilt. An guten Tagen nehme ich weniger.

Leafly.de: Gibt es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Christian: Ja, große. Ich kämpfe schon lange für die Kostenübernahme. Nun habe ich einen Teilerfolg errungen – eine zeitlich begrenzte Kostenübernahme. Jetzt habe ich einen Anwalt beauftragt, damit die Begrenzung aufgehoben wird. Die Kosten für den Verdampfer Volcano habe ich von der Krankenkasse allerdings bekommen.

Leafly.de: War Dein Medikament schon einmal in der Apotheke nicht lieferbar? Wenn ja, wie lange nicht und wie hast Du die Situation lösen können?
Christian: Schon öfter. Ich habe es dann weglassen müssen. Das sind dann immer sehr schlechte Zeiten.

Leafly.de: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?
Christian: Eigentlich nicht.

Leafly.de: Was ist mit Deinem Job?
Christian: Ich musste leider Frührente beantragen – es geht nicht mehr.

Leafly.de: Wie geht es Dir?
Christian: Es wird besser. Ich fühle mich allerdings ein wenig als Einzelgänger mit Hund gebrandmarkt und überlege, meinen Wohnort komplett zu verlegen, um nochmal neu anzufangen.

Lieber Christian, Du hast in Deinem jungen Leben bereits eine Menge Pech erlebt. Nun ist hoffentlich die Zeit des Glücks gekommen. Wir wünschen Dir alles alles Gute, hoffen, dass jemand Deinen Gesuch nach einem Therapeuten-Tipp nachkommt und dass die Krankenkasse bald in die komplette Kostenübernahme einwilligt.

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