Leafly.de Patientenakte: David, 31 Steiermark (Österreich), Schmerzpatient

Autor: Uta Melle

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David hatte schon früh schwere gesundheitliche Probleme. Schwere Unfälle im Verlauf seiner Jugend führten zur weiteren Verschlechterung seines Gesundheitszustandes. Er führt ein Leben, das von Schmerzen und der Suche nach Linderung geprägt ist.

Leafly.de Patientenakte: David, 31 Steiermark (Österreich), Schmerzpatient

Ein Trauma bei seiner Geburt bewirkte bei David, dass er in den ersten Jahren seines Lebens gesundheitlich sehr anfällig war. Eine Krankheit nach der anderen plagte seinen kleinen Körper. Asthma war nur eines der Probleme. In seinem sechsten Lebensjahr bekam er während einer Urlaubsreise eine kalte Lungenentzündung. Er starb, konnte jedoch zurückgeholt werden.

Das Schicksal beutelt David

In seinem achten Lebensjahr wurde David von einem Auto schwer angefahren. Eine Gehirnerschütterung, diverse Prellungen und eine bleibende Schädigung des Kreuzes waren die Folge. Mit zehn Jahren brach er sich bei Skifahren dann noch den Fuß. Dieser Bruch führte zu einer kleinen Verlängerung des Beines. Diese Schiefstellung belastete sein geschädigtes Kreuz immer mehr.

Verzweiflung, Schmerzen, Depressionen – im Teufelskreis

David litt unter immer mehr Schmerzen. Die Verzweiflung trieb ihn in Depressionen, die Depressionen führten zu einem Esszwang. Er nahm immer mehr zu. Die resultierende Fettleibigkeit wirkte sich fatal auf seinen Zustand aus. So bekam eine Fettleber und die Schmerzen im Kreuz wurden unerträglich. Inzwischen bekam er gegen jedes Symptom Medikamente: Morphine, Antidepressiva, Schlafmittel.

Erste Schritte zur Besserung

Mit 22 Jahren entschied sich David für den Einsatz eines Magenbandes. Langsam nahm er ab. Doch nun traten noch mehr Probleme auf: Überall in Lymphnähe bildeten sich kleine Knubbel unter der Haut. Es handelte sich um Lipome – nicht gefährlich, jedoch sehr belastend für jemanden, der mit anderen Krankheiten schon genug zu tun hat. Auch eine Dystonie zeigte sich durch Spasmen in den Daumen, Händen und Füßen.

David entdeckt Cannabis als Medizin

2012 entdeckte David in den Medien einen Hinweis darauf, dass Cannabis bei Schmerzen helfen kann. Er recherchierte daraufhin weiter und fand viele Anzeichen darauf, dass Cannabis ihn im Kampf gegen die Schmerzen, seine Spastiken und seine Lipome unterstützen könnte.

Schnell fand er einen österreichischen Mediziner, der sich auf die Behandlung mit Cannabis spezialisiert hatte. Dieser verschrieb ihm zunächst das Cannabispräparat, welches damals in Österreich erhältlich war: Dronabinol.

Dronabinol hat nicht den gewünschten Effekt, doch der Weg ist klar

Leider hatte Dronabinol nicht den gewünschten Effekt auf David: Eine normale Entspannung stellte sich nicht ein. Nebenwirkungen wie zum Beispiel Herzrasen zeigten sich. Doch David hatte den Weg verstanden.

Er begann sich in die Welt der Cannabismedikamente einzulesen und zu experimentieren. Heraus kam: Natürliches Cannabis – vor allem Sativa, hier speziell Amnesia, half David sehr gut.

Es nahm die Schmerzen mehr als Morphine – ohne Nebenwirkungen. Es entspannte seinen Körper, so dass er eine Spasmen gut im Griff hatte und er hatte den Eindruck, daß es sich auch positiv auf die Lipome auswirkte. Sein psychischer und physischer Zustand verbesserte sich sehr.

Natürliches Dronabinol

Seit es Dronabinol aus natürlichen Hanfpflanzen gibt, greift David hauptsächlich hierauf zurück. Allerdings reicht ihm seine Dosierung von 15 mg pro Tag nicht, da es nicht sehr potent ist. Die Tagesdosis, die ihm richtig hilft, ist ca. 60 mg pro Tag. David gleicht dies mit dem Sativa Amnesia aus.

Probleme

David hat einen sehr starken Charakter, ist sehr durchsetzungsfreudig. Er ist von Anfang an den richtigen Weg gegangen. Doch immer wieder kreuzt Unverständnis seinen Weg. Sein Dronabinol wird ihm nur von seinem Psychologen-Neurologen verschrieben.

Schon sehr oft war er in Schmerzambulanzen: Keine wollte ihm seine Medizin verschreiben. David wurde sogar beschimpft. Morphine und Opiate hätte er leicht bekommen können, Cannabis als Medizin wurde absolut abgelehnt.

David hat sich inzwischen ein immenses Wissen über den medizinischen Einsatz von Cannabis angehäuft. Inzwischen hat er nicht nur Apotheken und Ärzte in seinem Umfeld Hinweise geben können.

Er hat auch eine Facebook-Gruppe gegründet, in denen Cannabis-Patienten sich austauschen können. Sie heißt “Erfahrungen mit Dronabinol-Sativex-Bedrocan-Österreich-Deutschland” 

David lebt mit seiner Freundin seit 2005 in einer glücklichen Beziehung und führt inzwischen wieder ein relativ lebenswertes Leben.

Patienteninfos
Name: David
Alter: 31
Wohnort/Bundesland: Österreich, Steiermark
Krankenkasse: Steiermärkische Gebietskrankenkasse GKK
Diagnose: chronischer Schmerzpatient, spastische Dystonie
Medikation: Hydromorphon 2 x 8 mg/Tag, Asthmaspray, Dronabinol 3 x 5 ml, Quetialan 1 x 25 mg, Urosin 1 x 150 mg, Novothyral 1x 50 µg
Verschreibender Arzt: Psychologe-Neurologe

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du Cannabis als Medizin an?
David: Seit Ende 2012

Leafly.de: Wie bist Du denn darauf gekommen?
David: Durch die Medien, dann habe ich im Internet weiter recherchiert.

Leafly.de: Wie war das erste Mal mit Cannabis als Medizin?
David: Das erste Mal war ehrlich gesagt nicht so gut. Ich bekam synthetisches Dronabinol – es war sehr schwach dosiert, zeigte somit kaum Wirkung. Es gab Nebenwirkungen und ein natürlicher Entspannungseffekt setzte nicht wirklich ein – eher eine künstlich aufgesetzte Ruhigstellung. So begann ich, natürliche Cannabissorten zu versuchen. Und es wirkte sehr gut: Ich konnte mich endlich entspannen. Inzwischen gibt es Dronabinol aus echtem Hanf – das wirkt besser und ich habe keine Nebenwirkungen.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an?
David: Als Dauermedikation.

Leafly.de: Welches Präparat in welcher Dosierung nimmst Du?
David: In Österreich gibt es leider nur synthetisches und natürliches Dronabinol, synthetisches Canames (Nabilone) in Kapseln, 3 x 10 ml Sativex kostet sogar 704 Euro in Österreich.

Meine Verschreibung lautet derzeit über 3 x 5 mg Dronabinol am Tag. Dies reicht mir leider nicht. Wenn die Möglichkeit besteht, greife ich zusätzlich auf starke Cannabis-Sorten zurück. Vor allem Amnesia würde mir sehr gut helfen.

Ich habe durch Cannabis meine Medikamente stark reduzieren können, ich bekam 32 mg Hydromorphin, nehme jetzt nur noch 14-16 mg davon. Vom Antidepressiva Quetialan nehme ich statt 300 mg nun 25 mg.

Ich konnte komplett auf das Schlafmedikament Benzodiazepan verzichten. Vom Einschlafhilfen-Präparat Dominal nahm ich 160-200 mg – jetzt nur noch 40 mg bei Bedarf. Ich sag auch immer Cannabis nimmt nicht ganz den Schmerz, aber lässt einen besser damit umgehen, somit steigert man sich nicht so rein.

Leafly.de: Gibt es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
David: Die Kosten für die Dronabinol-Verschreibung werden von der Krankenkassen übernommen. Leider muss der Psychologe-Neurologe jedoch jedes Rezept neu bewilligen lassen. Das bedeutet: Alle zwei Wochen sucht der Psychologe-Neurologe einen neuen Antrag an. Das ist sehr mühselig und unnütz.

Leafly.de: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?
David: Nein, gar nicht. Ich habe Erfahrungen mit anderen Schmerzpräparaten. Von denen wieder runterzukommen war sehr schwer. Cannabis ist damit nicht zu vergleichen.

Leafly.de: Was ist Dein Job? Bist Du Frühpensioniert?
David: Seit 7 Jahren bin ich Frührentner, seit Ende 2016 Rentner.

Leafly.de: Geht es Dir gut? Bist Du glücklich?
David: Ja, im allgemeinen bin ich mit meiner Freundin sehr glücklich. Natürlich bis auf die Schmerzen und der Unterversorgung an helfenden pflanzlichen Medikamenten – aber der Rest stimmt in meinem Leben.

Vielen Dank, lieber David. Wir wünschen Dir und Deiner Freundin, dass ihr euch weiterhin so viel Fröhlichkeit bewahren könnt und viel Glück für die weiteren Jahre.

Weiterführende Links auf Leafly.de:
https://www.leafly.de/florian-schmerzpatient-bandscheibenvorfall-patientenakte/
https://www.leafly.de/cannabis-medizin-schmerzen-therapie/
https://www.leafly.de/patientenakte-isabelle-schmerzpatientin/
https://www.leafly.de/wenig-evidenz-fuer-cannabis-bei-schmerzen/
https://www.leafly.de/cannabinoidhaltige-arzneimittel-bei-diesen-indikationen-sind-sie-geeignet/
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