Leafly.de Patientenakte: Sandra, Baden-Württemberg, 39, metastasierter Brustkrebs

Autor: Uta Melle

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Aus heiterem Himmel erhielt Sandra am 20. Juli 2017 die Diagnose Brustkrebs. Einige Wochen später war klar, dass der Tumor schon in die Knochen gestreut hatte. Zunächst verlor Sandra den Boden unter den Füßen, doch mit der Zeit fand sie ins Leben zurück. Sie nahm ihr Leben in die Hand, mischte die Karten neu und fand neue Kraft, um sich dem Krebs entgegenzustellen.

Leafly.de Patientenakte: Sandra, Baden-Württemberg, 39, metastasierter Brustkrebs

Vor einem Jahr fing Sandras Körper an zu schmerzen. Zunächst konnte keine Diagnose gestellt werden. Für die Krankheit, zu der die Symptome passten, erschien Sandra den Ärzten zu jung. Sie konnte sich nur mit Ibuprofen über Wasser halten, doch die Schmerzen steigerten sich ins unermessliche. Sandra konnte sich nicht mehr bewegen und ließ sich in die Notaufnahme einweisen. Hier zeigten sich auffällige Marker im Blutbild. Es handelte sich um Brustkrebs, ein muzinöses Karzinom, ein sehr seltener, schmerzhafter Krebs, dessen Altersgipfel eigentlich bei 71 Jahren liegt.

Die Angst

Die Diagnose warf Sandra erst einmal um. Angst ließ sie nicht mehr zur Ruhe kommen. Sie begann, eine Bilanz ihres Lebens aufzustellen und kam zum Ergebnis, dass sie eigentlich bisher todunglücklich gewesen war. Bei Sandra drehte sich ein Schalter um, sie begann Depression, Unzufriedenheit, falsche Beziehungen und mehr aus ihrem Leben zu streichen.

Erfolgreiche Behandlung mit Folgen

Viel Zeit zum Nachdenken blieb Sandra nicht. Trotz schlechter Blutwerte bekam sie eine Chemotherapie, sechzehn Infusionen. Die anschließende Strahlentherapie mußte sie nach zehn Sitzungen abbrechen, die Nebenwirkungen Übelkeit, Kopfschmerzen, Unwohlsein und starke Stimmungsschwankungen waren zu heftig. Dann kam die Horror-Nachricht: Der Krebs hatte schon in Sandras Knochen gestreut.

Daraufhin wurde sie mit dem humanen monoklonalen Antikörper Xgeva behandelt. Zusätzlich wurde ihr eine Hormontherapie mit Tamoxifen verordnet, doch leider bekam Sandra nach drei Monaten eine der schlimmsten Nebenwirkungen, einen Schlaganfall. Auch andere polyneuropathische Beschwerden blieben nicht aus. Die Alternative führte zu einer Therapie mit dem Aromatasehemmer Letrozol.

Seelentherapie für Sandra: Schreiben, Freunde und Dronabinol

Die Feststellung der Metastasen sowie die Therapie warfen Sandras Gemütszustand noch einmal zurück. Inzwischen hatte sie sich jedoch einen neuen Freundeskreis aufgebaut. Echte Freunde, die sie unterstützten. Schnell kam sie wieder auf die Beine. Parallel fing sie an, sich auf ihrem Blog Plötzlich Krebs alles von der Seele zu schreiben.

Als Sandra las, daß der medizinische Einsatz von Cannabis gegen polyneuropathische Beschwerden in oder nach einigen Krebstherapien zu guten Ergebnisse geführt hatte, sprach sie ihre Onkologin darauf an. Diese befürwortete die Behandlung zwar, allerdings verwies sie Sandra für das Erstrezept auf ihren Allgemeinmediziner. Ohne Probleme bekam sie von ihm ein Rezept über das synthetische Cannabinoid Dronabinol. Sofort nach der Einnahme entspannte sich nicht nur ihr gesamter Körper, sondern auch ihr Gemüt.

Durch diese Behandlung hat Sandra kaum noch Schmerzen. Sie spürt eine Stabilisierung des ganzen Organismus inklusive ihres Gemütes. Problematisch empfindet sie, dass Dronabinol bei ihr Wechselwirkungen zu anderen Schmerzpräparaten aufweist: Meist hebt es die Wirkung der anderen Präparate auf.

Sandra führt auch ihren Blog weiter. Sie schreibt offen über ihre Erfahrungen mit der Krankheit; über die kleinen und großen Probleme, über die starken und schwachen Schmerzen, über Freude, Freunde, Leid und über das Leben.

Patienteninfos
Name: Sandra
Alter: 39
Wohnort/Bundesland: Baden-Württemberg
Krankenkasse: Barmer
Diagnose: Brustkrebs
Medikation: Dronabinol-Kapseln à 5 mg, Morgens und Abends je eine Kapsel – Mittags bei Bedarf
Fachrichtung des verschreibenden Arztes: Erstverordnung: Allgemeinmediziner, Folgerezepte: Onkologin

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du Cannabis als Medizin an?
Sandra: Seit Januar 2018.

Leafly.de: Wie bist Du denn darauf gekommen?
Sandra: Ich hatte überall über Cannabisbehandlungen gelesen und war sehr neugierig. Ich habe eine junge Ärztin in der Uniklinik angesprochen. Sie hat mir gesagt, daß es in der Klinik mehrere Patienten gibt, die das Dronabinol gegen Schmerzen bekommen. Sie hat mir aber auch gesagt, daß sie mir es nicht ausstellen kann. Sie verwies mich auf meinen Hausarzt. Der hat es mir auch direkt verschrieben. Die Folgerezepte habe ich dann auch von meiner Onkologin in der Uniklinik bekommen.

Leafly.de: Wie war das erste Mal?
Sandra: Sehr entspannend. Sofort gingen meine Muskelverspannungen und meine Ängste verschwanden.

Leafly.de: Wie nimmst Du es ein?
Sandra: Als Dauermedikation nehme ich Morgens und Abends je eine Kapsel. Wenn es mir gar nicht gut geht, nehme ich Mittags auch eine. So vertrage ich es auch gut und so habe ich fast keine psychotrope Wirkung. Wenn ich mehr nehme, kann ich nichts mehr machen – nur schlafen.

Leafly.de: Gibt es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Sandra: Überhaupt keine.

Leafly.de: Geht es Dir gut? Bist Du glücklich?
Sandra: Ja, es geht mir sehr gut. Ich habe einen wunderbaren Sohn und tolle Freunde. Ich lebe ein neues Leben.

Vielen Dank, liebe Sandra. Wir wünschen Dir, dass alles gut läuft und die Therapien weiterhin gut anschlagen.

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