Leafly.de Patientenakte: Sonja K., 67, Schmerzpatientin

Autor: Alexandra Latour

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Sonja leidet seit vielen Jahren an der seltenen Autoimmunkrankheit Sklerodermie. Diese äußert sich unter anderem durch anfallsweise Durchblutungsstörungen an Händen und Füßen sowie Verhärtungen der Haut. Vor einem Jahr wurde ihr in einer Notoperation der linke Unterschenkel amputiert. Seither leidet Sonja unter starken Phantomschmerzen.

Leafly.de Patientenakte: Sonja K., 67, Schmerzpatientin

Die Sklerodermie ist nicht heilbar und Sonja berichtete mir, dass die Erkrankung bei ihr immer schneller voranschreitet. Auch die inneren Organe seien mittlerweile betroffen. So habe sie eine arterielle Hypertonie gegen die sie Betablocker einnehme und eine Refluxösophagitis entwickelt, die mit Nexium behandelt wird. Auch die Skelettmuskulatur sei entzündet und müsse deshalb häufig Kortison gespritzt bekommen.

Starke Schmerzmittel helfen Sonja nicht

Ich fragte Sonja, wie es ihr aktuell gehe. Sie sah mich mit traurigen Augen an und erzählte mir, dass sie unerträgliche Schmerzen habe. Jeden Tag. Besonders schlimm seien die Phantomschmerzen und auch starke Schmerzmittel wie Tilidin oder Tramal würden nicht mehr helfen. Sie merkte auch an, dass die Nebenwirkungen der Opioide sehr stark seien, weshalb sie die Medikamente immer wieder absetzen muss.

Sonjas Kater gesellte sich zu uns und ich sah ein kleines Leuchten in ihren Augen. Erfreut erzählte sie mir, dass das Tierchen ihr viel Kraft und Lebensmut gebe. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2005 sei sie in eine schwere Depression verfallen und habe keine Hoffnung mehr gehabt. Die gelernte Buchhalterin verkaufte dann das gemeinsame Haus und zog in eine hübsch eingerichtete Wohnung in einem Senioren-Zentrum. Sie nahm dann den Kater bei sich auf, der ihr dabei half, die Einsamkeit zu überwinden. Aber auch von der Gemeinschaft, die sie hier in der Einrichtung erlebe, berichtete sie freudestrahlend.

Danke, dass ich Dich kennenlernen durfte, liebe Sonja und ich wünsche Dir ganz viel Kraft.
Vielen Dank, dass Du Leafly.de Deine Geschichte erzählt hast.

Patienteninfos:

Name: Sonja K.
Alter: 67
Wohnort: Nordrhein-Westfalen
Krankenkasse: Techniker Krankenkasse
Anamnese: Sklerodermie, Schmerzpatientin
Medikation: Metoprolol, Nexium, Carbamazepin, Ibuprofen 800, Novaminsulfon-Tropfen, Lyrica
Medizinalhanf: Dronabinol-Tropfen

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du Cannabis als Medizin an?
Sonja: Ich habe Dronabinol Anfang Oktober 2017 verschrieben bekommen.

Leafly.de: Wie bist Du darauf gekommen?
Sonja: Mein Hausarzt hat sich im Internet über Cannabis informiert und dort gelesen, dass es hilfreich bei Phantomschmerzen sein kann. Er sagte, dass es ein Versuch wert sei.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an?
Sonja: Ich sollte die Tropfen jeden Tag einnehmen, jedoch bekam ich eine schwere Grippe und mein Arzt empfahl mir, zunächst zu pausieren. Zu der Wirkung kann ich leider noch nichts sagen, aber nach Rücksprache mit meinem Arzt werde ich die Tropfen einnehmen und Dir von der Wirkung berichten.

Leafly.de: Welchen Wirkstoff hat das Präparat und in welcher Dosierung nimmst Du es?
Sonja: Mein Arzt hat mir erklärt, dass in Dronabinol THC enthalten ist. Ich sollte zunächst dreimal täglich eine Woche lang einen Tropfen nehmen. Dann in der nächsten Woche dreimal täglich zwei Tropfen und in der dritten Woche dreimal täglich drei Tropfen.

Leafly.de: Gibt es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Sonja: Nein, es gab keine Schwierigkeiten. Die Krankenkasse hat die Kosten übernommen.

Leafly.de: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?
Sonja: Nein. Die Schmerzen finde ich wesentlich schlimmer als eine Abhängigkeit.

Leafly.de: Vielen Dank, liebe Sonja.

Ich werde Sonja in den kommenden Wochen noch einmal besuchen und werde berichten, inwieweit ihr die Dronabinol-Tropfen geholfen haben.

Weiterführende Links auf Leafly.de

Medizinisches Cannabis als Ersatz für Opioide

Medizinisches Cannabis bei Depressionen

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