Leafly.de Patientenakte: Uwe, 30, aus Berlin, Migräne

Autor: Uta Melle

Verõffentlicht am: 20. April 2018

Geändert am: 5. Juli 2018

Seit Uwe denken kann, leidet er an Migräne. Normale Migränepräparate helfen ihm nur begrenzt und punktuell. Als er hört, dass Cannabis als Medizin bei Migräne helfen kann, probiert er es aus und entdeckt eine neue Lebensqualität.

Leafly.de Patientenakte: Uwe, 30, aus Berlin, Migräne

Schon immer litt Uwe unter Kopfschmerzen. Im 10. Lebensjahr wurde bei ihm eine chronische Migräne diagnostiziert. Bei Anfällen bekam er das Schmerzmittel Novaminsulfon. Die mit dem Alter zunehmenden Anforderungen und Herausforderungen, wie Stress, Schlafmangel, Hormonumstellung und falsche Ernährung erhöhte die Frequenz seiner Attacken. Uwe suchte nach anderen Schmerzmitteln, doch nichts half wirklich und er litt unter den Nebenwirkungen, hauptsächlich heftige Übelkeit, der meisten Präparate.

Uwe entdeckt Cannabis als Heilmittel

Zunächst musste Uwe sein Leben der Migräne nicht anpassen. Nach einigen Partys musste er jedoch klar zugeben, dass Alkohol seine Anfälle begünstigte. So entschied er sich, in Zukunft einen Bogen darum zu machen.

Als junger Erwachsener hatte er jedoch auch eine gewisse Sehnsucht nach Rausch. Ein Artikel über die erfolgreiche Behandlung von Migränepatienten mit Cannabis in den USA brachte ihn auf die Idee.

Er entschied sich, es bei nächsten Attacke zu testen. Sofort trat die Wirkung ein, alles in ihm entspannte sich. Auch die Kopfschmerzen. Uwe hatte seinen Weg gefunden.

Zweimal zur MPU

Uwe begann sich Cannabis zu besorgen, doch seine rein medizinische, leicht naive Einstellung hierzu ließ ihn unvorsichtig werden. Schnell wurde er erwischt. Die Folge war der Einzug des Führerscheins, der ihm zu der Zeit gerade nach bestandener Prüfung ausgeschrieben werden sollte.

So musste er zur MPU bevor er überhaupt jemals am Steuer saß. Nach zweieinhalb Jahren bestand er erfolgreich den Test. Einige Zeit später wurde er bei einer Polizeikontrolle festgehalten. Sein Auto wurde durchsucht und in einem großen Sack fand die Polizei einen Krümel Cannabis. Dies führte zum zweiten Entzug des Führerscheins.

Eine Blutprobe wurde nicht entnommen: Für die Polizei war die Situation eindeutig. Nach vier Jahren durfte er endlich zur Prüfung und bekam seinen Führerschein zurück.

Legal, illegal – nicht egal

Diese Begebenheiten ärgerten Uwe. Kriminalisiert zu werden, weil man seine Medizin gefunden hatte, empfand er als Unrecht. Illegalität war ihm nicht egal. Entsprechend laut war sein Freudenschrei, als er im März 2017 in der Zeitung las, dass die medizinische Behandlung mit Cannabis legalisiert wurde.

Sofort ging er zum Arzt und ließ sich ein Privatrezept ausstellen. Es gab keine Probleme. Nach dem Versteckspiel der letzten Jahre fiel Uwe ein Stein vom Herzen. Den Tag des ersten Rezeptes markierte er sogar in seinem Kalender. Es war ein lauer Sommerabend und der Apotheker freute sich mit Uwe, nach dem er ihm seine Geschichte erzählt hat.

H2: Uwe testet die Legalität

So ganz wollte Uwe dem ganzen jedoch noch nicht trauen. Vor seinem nächsten Flug vom Frankfurter Flughafen machte er dann die Probe aufs Exempel: Er ging in einen der gläsernen „Raucherkäfige“ und bereitete seinen Vaporizer für seine Dosis vor.

Als er zwei Polizisten sah, ging er zur Sicherheit auf sie zu und fragte, ob es wirklich ok sei. Er zeigte seine Ausnahmegenehmigung und erklärte seinen Fall. Alle Herumstehenden starrten ihn an, die Polizisten sagten, es sei ok. Uwe konnte sein Glück kaum fassen: Nach den vielen Jahren war er endlich legal.

Uwes medizinische Anwendung von Cannabis bei Migräne

Uwe wird nicht durchgehend mit Cannabis behandelt. Die Dauermedikation setzt er lediglich in Zeiten hoher Belastung und kalten Temperaturen ein, denn dadurch wird die Migräne begünstigt. In den anderen Zeiten setzt er punktuell Novalgin ein – eben nicht zu viel und nicht zu wenig.

Patienteninfos
Name: Uwe
Alter: 30
Wohnort/Bundesland: Berlin
Krankenkasse: Hannoversche Privat
Diagnose: Migräne
Medikation: Bedrocan Blüten 3g verdampfen, auf 3 bis 5 Mal am Tag verteilt
Fachrichtung des verschreibenden Arztes: Psychologe

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du Cannabis als Medizin an?
Uwe: Mein ersten Rezept habe ich am 31.08.2017 bekommen.

Leafly.de: Wie bist Du denn darauf gekommen?
Uwe: Durch die Medien. Ich habe von einem Fall in den USA gelesen.

Leafly.de: Wie war das erste Mal?
Uwe: Unglaublich schön. Ich konnte es kaum fassen, dass diese heftigen Kopfschmerzen plötzlich weg waren.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an?
Uwe: In Zeiten, die Migräne triggern: Bei erhöhtem Stressaufkommen, im Winter, bei Schlafmangel und so.

Leafly.de: Welches Präparat in welcher Dosierung nimmst Du?
Uwe: Ich bekomme Bedrocan Blüten und verdampfe ca. 3g am Tag. Das verteile ich auf drei bis fünf Einheiten.

Leafly.de: Gibt es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Uwe: Da ich privat versichert bin, stellt sich die Frage nicht. Aber die übernehmen natürlich auch die Kosten nicht. Wichtig ist mir vor allem die Legalität.

Leafly.de: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?
Uwe: Nein. Die Abhängigkeit von Cannabis wird meiner Meinung nach von vielen Menschen falsch eingeschätzt. Natürlich ist Cannabis nicht ungefährlich aber es ist eben auch kein Opiat wie Heroin oder viele andere Schmerzmitteln. Da ich Cannabis nicht als Dauermedikation einsetze, stellt sich die Frage für mich allerdings ohnehin nicht. Ich habe keine Entzugserscheinungen, wenn ich es nicht nehme.

Leafly.de: War Dein Medikament schon einmal in der Apotheke nicht lieferbar? Wenn ja, wie lange nicht und wie hast Du die Situation lösen können?
Uwe: Ich wohne in Berlin, da ist die Versorgungslage sehr gut.

Leafly.de: Geht es Dir gut? Bist Du glücklich?
Uwe: Ja, danke. Ich bin sehr glücklich.

Leafly.de: Vielen lieben Dank für Deine Aufrichtigkeit und Gradlinigkeit.

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