Leafly.de Patientenakte: Waleed, 20, München, ADHS

Autor: Uta Melle

Verõffentlicht am: 3. Januar 2018

Geändert am: 15. Juni 2018

Als Waleed sechs Jahre alt war, wurde bei ihm ADHS diagnostiziert. Er bekam Ritalin welches in den Folgejahren immer mehr hoch dosiert wurde. Als die Nebenwirkungen anfingen, wechselte er zu der medizinischen Behandlung mit Cannabis: mit Erfolg.

Leafly.de Patientenakte: Waleed, 20, München, ADHS

Der zwanzigjährige Fachinformatiker Waleed aus München steht mit beiden Beinen im Leben. Er ist ein entspannter Mann. Das war nicht immer so. Mit sechs Jahren zeigten sich bei ihm die ersten Zeichen von ADHS. Er hatte zu viel Energie, musste ständig in Bewegung bleiben, zeigte Aggressionsschübe und Konzentrationsschwächen. Der fatale Mix von Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität machten ihm und seiner Umgebung schwer zu schaffen.

Diagnose ADHS

Kurz nach der Diagnosestellung bekam er Ritalin. Er sprach gut darauf an. In den nächsten elf Jahren wurde es dann immer weiter hoch dosiert. Elf Jahre lang lief alles glatt. Als Waleed in die schulische Abschlussprüfungsphase kam, begannen sich die Nebenwirkungen des Ritalin zu zeigen: Er litt unter heftigen Schweißausbrüchen, er zitterte, konnte nicht schlafen. Auch seine Leber- und Nierenwerte ließen sehr zu wünschen übrig. Er begann, sich Hilfe zu suchen.

Waleed entdeckt Cannabis als Mittel gegen seine ADHS

Die Zeit der Abschlussprüfungen war auch die Zeit der ersten Berührungspunkte mit Cannabis im Freundeskreis. Waleed stellte Fest, dass es bei ihm eine positive Auswirkung hatte, und befragte das Internet nach einem Zusammenhang. Den fand er sehr schnell: Es gab weltweit viele Erfahrungsberichte über die medizinische Behandlung von ADHS-Patienten mit Cannabis. Die darauffolgenden Monate reduzierte Waleed das Ritalin immer mehr und ersetzte dies durch Cannabis. Direkt nach seinem achtzehnten Geburtstag ging Waleed zum Arzt, um es sich verschreiben zu lassen.

Antidepressiva und Ritalin oder Medizinalhanf

Der Psychiater, den Waleed konsultierte, hielt zunächst noch am Ritalin fest und wollte ihm noch Antidepressiva verschreiben. Waleed blieb jedoch standhaft und überzeugte sie mit seinen vielen Erfahrungsberichten.

Vor zwei Jahren bekam Waleed dann sein erstes Cannabisrezept nebst Ausnahmegenehmigung. Doch die Krankenkasse versuchte ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen. Sie verweigerte die Kostenübernahme mit dem Argument, sie dürften die Kosten gar nicht tragen, selbst wenn sie es wollten.

Die Gesetzesänderung im März 2017 veränderte jedoch alles: Die Krankenkasse lenkte sofort ein und übernimmt seitdem die Kosten. Das einzige Problem, welches derzeit noch besteht, liegt darin, dass Waleeds Medizin seit August in seiner Apotheke nicht lieferbar ist.
Auch dieses Problem meistert Waleed auf kreative Art: Er besorgt sich seine Medizin in anderen Apotheken. Nach dem Erstrezept durch den Psychiater erfolgte die Weiterbehandlung durch seinen Allgemeinmediziner, der ihm noch heute seine Präparate verschreibt.

Waleed nimmt nur noch Cannabis

Waleed hat seine Ausbildung zum Fachinformatiker abgeschlossen. Er ist ein durchsetzungsfreudiger junger Mann, der schon früh viele Hürden nehmen musste. Auch die starke Rückendeckung seiner Mutter hat ihm sicher sehr geholfen. Sein Präparat heißt Bedica. Aus diesen Blüten bereitet er sich Öl zu. Alle zwei bis drei Stunden raucht er dies in einer E-Zigarette.

Patienteninfos:
Name: Waleed
Alter: 20 Jahre
Wohnort/Bundesland: München
Krankenkasse: MH Betriebskasse
Anamnese: ADHS
Medikation: Bedica, 1,5g/Tag

Das Leafly.de Patienteninterview

Leafly.de: Seit wann wendest Du Cannabis als Medizin an?
Waleed: Meine ersten Tests im Freundeskreis hatte ich 2013. Ich merkte sehr schnell, dass es mir gut tut.

Leafly.de: Wie bist Du denn darauf gekommen?
Waleed: (grinst) Nun, wie man so in dem Alter darauf kommt – Ich habe mit Freunden Cannabis ausprobiert.

Leafly.de: In welchen Momenten wendest Du es an?
Waleed: Als Dauermedikation.

Leafly.de: Welches Präparat und in welcher Dosierung nimmst Du?
Waleed: Ich bekomme Bedica. Meine Dosierung ist ca. 1,5 Gramm pro Tag. Ich bereite es jedoch zu Öl zu, welches ich über den Tag verteilt in der e-Zigarette rauche.

Leafly.de: Gibt es Schwierigkeiten mit der Krankenkasse?
Waleed: Gar keine. Ich bin ja auch schon vor der Legalisierung Patient mit Ausnahmegenehmigung – vielleicht ging es deshalb so problemlos.

Leafly.de: Hast Du Angst vor einer Abhängigkeit?
Waleed: (lacht) Nein – gar nicht.

Vielen Dank, lieber Waleed! Du bist echt cool! Wir wünschen Dir, dass Du so stark bleibst!

Mehr zu ADHS auf Leafly.de

Ähnliche Artikel