Portugal legalisiert Cannabis als Medizin

Autor: Gesa Riedewald

Verõffentlicht am: 2. Juli 2018

Geändert am: 2. Juli 2018

Jetzt ist Cannabis als Medizin auch in Portugal erlaubt. Nachdem frühere Vorschläge scheiterten, hat das Parlament kürzlich einen Gesetzentwurf zur Legalisierung von Cannabis-basierten Medikamenten mit überwältigender Mehrheit angenommen.

Portugal legalisiert Cannabis als Medizin

„Cannabisgesetz“ in Portugal

Das portugiesische Parlament hat kürzlich einen Gesetzentwurf zur Legalisierung von Cannabis als Medizin verabschiedet. Bereits vor fünf Monaten wurde in einer ersten parlamentarischen Debatte in Portugal über einen Antrag gestritten, der es Patienten erlauben sollte, Cannabis für den Eigenbedarf anzubauen. Dieser Vorstoß scheiterte allerdings in eine Komitee-Phase. Daher wurde der Gesetzesentwurf nicht in die aktuelle parlamentarische Schlussabstimmung aufgenommen.

Portugal hat im Jahr 2001 die Verwendung aller Drogen entkriminalisiert, um eine Heroin-Epidemie zu bekämpfen. In der Praxis bedeutet dies, dass es erlaubt ist, geringe Mengen für den Eigenkonsum zu besitzen.

Inzwischen bauen legale Plantagen in Portugal Cannabis für den Export an. Im Bereich der medizinischen Anwendung hinkte Portugal aber hinter anderen EU-Ländern wie Italien und Deutschland hinterher, denn bisher gab es keine Legalisierung für Cannabis als Medizin.

Fast alle Parteien sprechen sich für Gesetz aus

Das neue „Cannabisgesetz“ wurde im Parlament mit überwältigender Mehrheit angenommen. Nur die populistische Mitte-rechts-Partei CDS-PP enthielt sich bei der Abstimmung im Parlament. Die Gesetzesänderung bezieht sich auf die Legalisierung von Cannabis-basierten verschreibungspflichtigen Medikamenten. Diese sollen zur Behandlung von chronischen Schmerzen, posttraumatischen Belastungsstörungen, Nebenwirkungen einer Krebstherapie sowie einiger anderer Krankheiten zum Einsatz kommen.

Der Gesetzentwurf geht nun an Präsident Marcelo Rebelo de Souza, um ihn zu unterzeichnen. Mit seinem OK wird das Gesetz am 1. Juli dieses Jahres in Kraft treten.

Cannabis als Medizin nur aus der Apotheke

Patienten werden Cannabis-basierte Medikamente nur mit einer ärztlichen Verschreibung und nur in Apotheken erhalten. Alle Arzneimittel benötigen eine Zulassung von der medizinischen Regulierungsbehörde Infarmed. Diese hat letztes Jahr eine Plantage für Medizinalhanf in Zentralportugal zugelassen, um dort Cannabispflanzen mit einem hohen THC-Gehalt für den Export anzubauen.

Ideale Voraussetzungen für Cannabis-Anbau

Portugal gilt als idealer Ort für den Anbau von Cannabis. Das Klima des Landes an der Atlantikküste wird oft mit dem von Kalifornien verglichen. In Portugal herrscht ein gemäßigtes subtropisches Klima mit milden Wintern, warmen Sommern und vielen sonnigen Tagen. Auch große Pharmaunternehmen haben dies erkannt. Das kanadische Cannabis-Unternehmen Tilray hatte letztes Jahr bekannt gegeben, dass es 20 Millionen in die Produktion von Cannabis in Portugal investieren werde. Von dem Standort im portugiesischen Cantanhede aus will das Unternehmen die große Nachfrage nach Cannabis als Medizin in Europa bedienen. Vor allem in Deutschland ist der Bedarf hoch, da das Land bisher kein eigenes Cannabis anbaut.

Reisen mit Cannabis als Medizin nach Portugal

Noch ist die Parlamentsentscheidung sehr frisch und man muss abwarten, was die Zukunft bringt. Davon auszugehen, dass man aufgrund der medizinischen Legalisierung nun automatisch seine cannabinoidhaltigen Medikamente, in welcher Form auch immer, nach Portugal einführen darf, ist nicht ratsam. Wir werden die Entwicklung weiter beobachten und wieder darüber berichten.

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