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Cannabinoide bei posttraumatischer Belastungsstörung?

Gesa-2019 Autor:
Gesa Riedewald

Könnte Medizinalcannabis der Schlüssel zur Behandlung von Depressionen und Selbstmordgefahr bei Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) sein? Eine neue Studie aus Kanada deutet darauf hin.

Cannabinoide bei posttraumatischer Belastungsstörung?

Eine neue Studie der kanadischen University of British Columbia (UBC) zeigt positive Ergebnisse beim Einsatz von Cannabis bei der Behandlung der Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Für die Forschungsarbeit, die im Journal of Psychopharmacology veröffentlicht wurde, haben Wissenschaftler die Daten von 24.000 Kanadiern ausgewertet.

Studie findet „knappe Beweise“ pro Cannabis-Behandlung

Die Forscher fanden heraus, dass Menschen, die an PTBS leiden und Cannabis konsumieren, weitaus seltener an schweren Depressionen und Selbstmordgedanken leiden als diejenigen, die kein Cannabis nutzen. Diese Ergebnisse legen einen möglichen therapeutischen Einsatz von Cannabinoiden bei Menschen mit PTBS nahe, erklären die Wissenschaftler von der University of British Columbia.

„Wir wissen, dass viele Patienten mit PTBS sich selbst mit Cannabis behandeln, um ihre Symptome zu lindern, da die Behandlungsmöglichkeiten der PTBS begrenzt sind“, sagt Stephanie Lake, die Hauptautorin der Studie und Doktorandin an der medizinischen Fakultät der UBC. „Es ist jedoch das erste Mal, dass die Ergebnisse einer national repräsentativen Umfrage den potenziellen Nutzen einer Behandlung der Erkrankung mit Cannabis zeigen.“

Auswertung von 420 PTBS-Fällen

Von den 24.000 Befragten fanden die Forscher 420 mit einer aktuellen PTBS-Diagnose. Aus dieser Gruppe berichteten etwa 28 Prozent von Cannabiskonsum im vergangenen Jahr, im Vergleich zu 11 Prozent der Menschen ohne PTBS-Diagnose.

Die Forscher fanden heraus, dass PTBS signifikant mit einer schweren depressiven Episode und Selbstmordgedanken in der Gruppe verbunden war, die kein Cannabis konsumieren. Die Untersuchung zeigte, dass bei den Nicht-Cannabis-Anwendern mit PTBS die Wahrscheinlichkeit einer kürzlich aufgetretenen depressiven Episode etwa 7-mal wahrscheinlicher war. Die Gefahr von Selbstmordgedanken war etwa 4,7-mal so hoch.

Unter denjenigen, die Cannabis konsumierten, so die Studienergebnisse, war PTBS nicht mit einer neueren depressiven Episode oder Selbstmordgedanken verbunden. Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass mehr als ein Viertel der Kanadier mit PTBS von Cannabiskonsum berichteten. Das ist weitaus mehr als in der Allgemeinbevölkerung. Dort wird der Konsum auf gut 11 Prozent geschätzt.

Die Autoren der Untersuchung ziehen das Resümee, dass die Studienergebnisse Hinweise auf den hilfreichen Einsatz von Cannabinoiden gegen die Symptome der PTBS liefern. Allerdings sind weitere, belastbare Studien nötig:

„Diese Studie liefert vorläufige epidemiologische Beweise dafür, dass der Cannabiskonsum dazu beitragen kann, den Zusammenhang zwischen Posttraumatischer Belastungsstörung und schweren depressiven und selbstmörderischen Zuständen zu verringern. Es besteht ein wachsender Bedarf an qualitativ hochwertigen experimentellen Untersuchungen der Wirksamkeit von Cannabis/Cannabinoiden zur Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen.“

Cannabis-Medikament gegen Posttraumatische Belastungsstörung

Israel und Kanada treiben derzeit die Cannabinoidforschung mit dem Ziel voran, ein Medikament zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und anderer damit verbundener psychischer Erkrankungen zu entwickeln. Eine Tochtergesellschaft der israelischen Haifa University kooperiert mit einer medizinischen Cannabisfirma aus British Columbia. Ziel ist die spezialisierte pharmazeutische Cannabinoidforschung und die Produktentwicklung.

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