Prostatakrebs und Cannabis als Medizin

Autor: Alexandra Latour

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Anlässlich des Weltmännertages, der am 3. November stattfand, widmen wir uns in diesem Monat der Männergesundheit. Bei Männern ist Prostatakrebs die am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung. Deshalb sollten Männer regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Denn bei frühzeitiger Diagnose ist der Krebs gut behandelbar.

Prostatakrebs und Cannabis als Medizin

In Deutschland ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Jedes Jahr kommt es zu ungefähr 60 000 Neuerkrankungen, wobei das mittlere Erkrankungsalter bei 70 Jahren liegt. Demnach tritt der Krebs nur selten vor dem 50. Lebensjahr auf. Die Heilungschancen sind gut, sofern das Prostatakarzinom frühzeitig erkannt wird. Weitaus seltener kommt der Hodenkrebs vor, über den wir diesen Monat ebenfalls noch berichten werden.

Hilfe und Unterstützung sowie Informationen finden Männer bei der Movember Foundation. Hierbei handelt es sich um die weltweit einzige Stiftung, die sich der Gesundheit von Männern widmet.

Bei Krebspatienten wird Cannabis seit langem erfolgreich zur Behandlung von Übelkeit und Appetitlosigkeit während einer Chemotherapie eingesetzt. Auch für Betroffene, die an Prostatakrebs erkrankt sind, und eine Chemotherapie durchlaufen müssen, könnte Cannabis eine hilfreiche ergänzende Option sein.

Darüber hinaus finden sich auch in unterschiedlichen Studien Hinweise darauf, dass Cannabinoide womöglich beim Kampf gegen den Prostatakrebs nützlich sein könnten, worauf wir später noch näher eingehen.

Was ist die Prostata?

Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, ist etwa kastaniengroß und sie befindet sich unterhalb der Harnblase. Der Anfangsteil der Harnröhre wird von der Prostata umschlossen und sie transportiert den Urin durch den Penis bis zur Öffnung an der Eichelspitze. Ein Arzt kann die Prostata durch die Darmwand hindurch abtasten, denn sie liegt vor dem Mastdarm, einem Teil des Enddarms.

Prostatakrebs: Mögliche Symptome

Ein Prostatakarzinom bleibt oftmals unentdeckt und verursacht keine Symptome. Ungefähr 30 Prozent der über 50-Jährigen tragen ein solches stummes Prostatakarzinom in sich. In der Regel erfordert diese Prostatakrebsart auch keine Behandlung.

Wie bei vielen anderen Krebsarten auch, treten die Symptome erst spät auf. Denn solange das Karzinom noch klein ist, verursacht es auch keine Beschwerden. Wenn der Tumor beim Abtasten der Prostata fühlbar ist, ist der Krebs meist schon fortgeschritten. Aber auch dann müssen nicht zwangsläufig Symptome auftreten.

Mögliche Symptome, die auf einen Prostatakrebs hinweisen können, sind:

  • Probleme beim Wasserlassen
  • vermehrter Harndrang, vor allem in der Nacht
  • Schwierigkeiten bei der Darmentleerung
  • Blut im Urin
  • Blut in der Samenflüssigkeit
  • Erektionsstörungen
  • Schmerzen in der Prostata
  • Schmerzen beim Samenerguss

Diese Symptome können aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten, wie zum Beispiel bei einer gutartigen Prostatavergrößerung. Es handelt sich bei den genannten Symptomen also um keine eindeutigen Prostatakrebssymptome.

Prostatakrebs und seine Ursachen

Bislang sind die genauen Ursachen für die Entstehung eines Prostatakrebses noch nicht geklärt. Das Alter ist jedoch ein wesentlicher Risikofaktor, denn ab dem 50. Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit, an Prostatakrebs zu erkranken. So sind Betroffene in mehr als 80 Prozent der Fälle über 60 Jahre alt.

Darüber hinaus kann die Ursache auch genetisch bedingt sein. Denn wenn bei Vater oder Bruder ein Prostatakrebs diagnostiziert wurde, verdoppelt sich das Risiko, ebenfalls an einem Prostatakarzinom zu erkranken. Zudem ist es häufig der Fall, dass Betroffene mit einer erblichen Vorbelastung schon in jüngeren Jahren die Diagnose Prostatakrebs erhalten.

Des Weiteren wird angenommen, dass auch das Sexualhormon Testosteron ursächlich für eine Krebserkrankung sein kann. Denn ohne dieses Hormon könnte sich kein Prostatakarzinom bilden. Allerdings ist die Beteiligung von Hormonen noch nicht vollständig geklärt. Ebenso die Möglichkeit, inwiefern die Ernährung und der Lebensstil beim Auftreten der Krebserkrankung eine Rolle spielen. Eindeutige Beweise, dass bestimmte Nahrungsbestandteile, Lebensmittel oder Vitamine das Risiko erhöhen oder senken, existieren aktuell nicht.

Diagnose und Früherkennung

Ab dem 45. Lebensjahr haben Männer jährlich den Anspruch auf eine Vorsorgeuntersuchung zur Prostatakrebsfrüherkennung. Doch viele Männer scheuen diesen Termin beim Arzt. Allerdings sollte man sich vergegenwärtigen, dass die Heilungsaussichten gut sind, wenn der Prostatakrebs frühzeitig erkannt wird.

Sollte der Arzt während der Abtastung Veränderungen an der Vorsteherdrüse feststellen, erfolgt in aller Regel danach eine Blutuntersuchung. Mithilfe des PSA-Tests wird der Wert des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut geprüft. Allerdings ist das PSA-Screening kein Bestandteil der gesetzlichen Früherkennung, da bisher nicht eindeutig bewiesen werden konnte, dass hiermit die Sterblichkeit bei Prostatakrebs gesenkt werden kann. Somit wird der Test meist nicht von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt, sondern ist eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL).

Der PSA-Test wird von einigen Experten jedoch kritisch gesehen. Zwar kann der Test einen verborgenen Tumor an der Prostata aufzeigen, ob dieser jedoch in naher Zukunft Symptome auslösen wird, kann der Test nicht sagen. Auch mithilfe der transrektalen Ultraschalluntersuchung ist noch keine gesicherte Diagnose möglich. Um die Diagnose Prostatakrebs zu sichern, sind verschiedene bildgebende Verfahren notwendig:

  • Computertomografie (CT)
  • Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Röntgenuntersuchung
  • Skelettszintigraphie

Grad-Einteilung nach der Prostatakrebs-Diagnose

Sobald die Diagnose Prostatakrebs als gesichert gilt, ist es erforderlich, die Art des Tumors herauszufinden, und wie weit er sich bereits ausgedehnt hat. Denn hiernach richtet sich auch die Therapie. Neben der TNM-Klassifikation erfolgt in aller Regel auch die Grad-Einteilung mit dem sogenannten Gleason-Score. Dieser wurde von dem US-amerikanischen Mediziner Donald Gleason entwickelt und zeigt auf, wie stark sich die Krebszellen von den gesunden Zellen unterscheiden. Infolge dessen erhält man Hinweise darauf, wie aggressiv und wie schnell der Krebs wächst.

Prostatakrebs: Therapie und Behandlung

Nicht in jedem Fall ist eine sofortige Therapie notwendig. Das aktive Beobachten des Prostatatumors reicht manchmal schon aus, wenn dieser frühzeitig entdeckt wurde, sehr klein ist und nur langsam wächst. Hier erfolgt dann lediglich eine engmaschige Überwachung.

Sollte der Krebs weiter voranschreiten, folgt eine Behandlung, um den Tumor zu verkleinern oder ganz zu beseitigen. Wenn der Tumor nur örtlich begrenzt wächst, kommt meist eine Prostatektomie zum Einsatz. Hierbei wird die Prostata mitsamt dem Tumor und den beiden Samenbläschen vollständig entfernt. Dank der heutigen modernen Operationstechniken gelten die Heilungschancen als gut. Dennoch kann eine solche Operation unerwünschte Folgen, wie zum Beispiel Impotenz oder Harninkontinenz, haben.

Weitere Therapieformen können infrage kommen, wenn der Prostatakrebs örtlich begrenzt ist. Das heißt, wenn er noch keine Metastasen gebildet hat. Zu diesen möglichen Behandlungen gehört beispielsweise eine lokale Vereisung (Kryotherapie), eine Radiofrequenzablation (lokalen Zerstörung von Gewebe) und ein hochintensiver, fokussierter Ultraschall (HIFU).

Hormontherapie

In der Regel wachsen die Tumorzellen hormonabhängig, weshalb sich eine Hormonentzugstherapie anbietet. Vor allem dann, wenn der Krebs schon weit fortgeschritten ist und Metastasen gebildet hat. Mithilfe dieser Hormonentzugstherapie ist es möglich, das Tumorwachstum aufzuhalten sowie die Beschwerden zu lindern. Heilen kann diese Therapie den Krebs allerdings nicht.

Zu den möglichen Hormontherapien gehören:

  • Medikamentöse Kastration mit GnRH-Antagonisten oder LHRH-Analoga
  • Operative Kastration (Ausschälen der Hoden)
  • Gabe von Antiandrogene
  • Gabe von Östrogenen (weibliches Geschlechtshormon)

Nebenwirkungsarm sind Hormontherapien nicht. So können sich unter der Therapie verschiedene Beschwerden äußern, wie zum Beispiel Libidoverlust, Hitzewallungen, Antriebsverlust, Erektionsschwierigkeiten oder schmerzhafte Brustschwellungen.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie erfolgt entweder als Alternative zur Operation oder aber als Ergänzung. Oftmals kommt die Strahlentherapie zum Einsatz, wenn der gesundheitliche Zustand eines Patienten schlecht ist und eine Operation nicht infrage kommt. Wenn der Krebs weit fortgeschritten und sich über die Vorsteherdrüse hinaus ausgebreitet hat, erfolgt meist eine Kombination aus Strahlen- und Hormontherapie.

Darüber hinaus kommt eine Bestrahlung zum Tragen, wenn bei einer Operation nicht die Entfernung gesamten Krebsgewebes möglich war. In solch einem Fall erfolgt die Bestrahlung als zusätzliche Maßnahme (adjuvante Strahlentherapie). Damit soll verhindert werden, dass der Krebs erneut auftritt.

Chemotherapie

Wenn die Hormontherapie keine Wirkung zeigt bzw. der Tumor nicht oder nicht mehr für Hormone sensibel ist, kann die Chemotherapie zum Einsatz kommen. Zytostatika sollen dann das Wachstum sowie die Vermehrung der Krebszellen hemmen, wobei die Chemotherapie einen genau abgestimmten Therapieplan erfordert.

Sollte das Tumorwachstum weit fortgeschritten sein, kann eine zielgerichtete Therapie mit verschiedenen Wirkstoffen vorgenommen werden. Diese Medikamente sollen dann in bestimmte Abläufe der Krebszellen eingreifen, sodass das Wachstum gezielt gehemmt werden kann.

Prostatakrebs: Heilungschancen und Lebenserwartung

Sofern das Prostatakarzinom früh erkannt wird, ist die Prognose und auch die Lebenserwartung gut. Allerdings hängen Prognose und Lebenserwartung auch immer vom Tumortyp ab, und wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat. Zwar ist bei Männern der Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung, jedoch nicht die häufigste Todesursache. So sterben schätzungsweise fünf von sechs Betroffenen nicht am Prostatakrebs, sondern an einer anderen Ursache.

Cannabis gegen Krebs: Klinische Studien fehlen

Die Krebsforschung im Zusammenhang mit Cannabis steckt noch in den Kinderschuhen. Es finden sich tatsächlich in verschiedenen Studien und Untersuchungen Hinweise darauf, dass Cannabinoide möglicherweise in der Lage sein könnten, Krebszellen zu bekämpfen. Hinweise sind jedoch keine Belege. Insofern dürfen die Studien zwar Anlass für Hoffnung geben, es darf aber noch lange nicht davon ausgegangen werden, dass Cannabis ein „Antikrebsmittel“ ist.

Auch in Bezug auf Prostatakrebs finden sich interessante Studien. So untersuchten Forscher der University of Alcalá in Madrid im Jahr 2009 die Wirkung des synthetisch hergestellten Cannabinoids Methanandamid (MET) auf androgenresistenten Prostatakrebs-PC3-Zellen. Die Ergebnisse legen nahe, dass CB2-Agonisten einen neuen Ansatz bei der Behandlung von Prostatakrebs bieten können, indem sie die Proliferation von Krebsepithelzellen verringern. Die Wechselwirkung von Prostatakrebszellen mit ihrer Umgebung und insbesondere mit dem Immunsystem in vivo muss jedoch weiter untersucht werden, heißt es am Ende.

Die gleichen spanischen Forscher berichteten im Rahmen ihrer Studie aus dem Jahr 2011, dass sich Cannabinoide, ihre Rezeptoren und ihre metabolisierenden Enzyme zu einem neuen Regulationssystem entwickeln, das an mehreren physiologischen Funktionen beteiligt ist.

Weiter heißt es, dass es Anzeichen dafür gibt, dass das Endocannabinoid-System bei Prostatakrebs dysreguliert ist, was darauf hindeutet, dass es eine Rolle bei der Prostata-Homöostase spielt. Die Überexpression mehrerer Komponenten des Endocannabinoid-Systems korreliert mit dem Prostatakrebsgrad und der Progression, wodurch möglicherweise ein neues therapeutisches Ziel für Prostatakrebs geschaffen wird.

Darüber hinaus können womöglich Cannabinoide antitumorale Eigenschaften gegen Prostatakrebs ausüben, was das Wachstum von Xenotransplantat-Prostatakrebs, Prostatakrebszellproliferation und Zellmigration verringern könnte. Obwohl das therapeutische Potenzial von Cannabinoiden gegen Prostatakrebs sehr vielversprechend ist, seien zukünftige Forschungen anhand von Tiermodellen erforderlich, um diesen vorläufigen Ergebnissen weiter nachzugehen.

Cannabidiol (CBD) sensibilisiert Krebszellen für die Chemotherapie

Forscher der London Metropolitan University veröffentlichten im August 2018 die Ergebnisse ihrer hoch interessanten Studie. Hierin heißt es, dass Exosomen und Mikrovesikel (EMV) Lipid-Doppelschichtstrukturen sind, die von Zellen freigesetzt werden und an der interzellulären Kommunikation durch den Transfer von Proteinen und genetischem Material beteiligt sind. Die EMV-Freisetzung ist auch mit verschiedenen Pathologien verbunden, einschließlich Krebs.

Neuere Studien zeigen, dass EMV-hemmende Wirkstoffe Krebszellen gegenüber Chemotherapeutika sensibilisieren und das Krebswachstum in vivo reduzieren können. Weiter führen die Forscher aus, dass Cannabidiol (CBD) entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften besitzt und eine antiproliferative Wirkung (Zellteilung hemmende Wirkung) haben kann.

Die Forscher berichten über eine neue Rolle für CBD als wirksamen Inhibitor der EMV-Freisetzung aus drei Krebszelllinien: Prostatakrebs, Leberzellkarzinom und Brustadenokarzinom. CBD reduzierte die Exosomenfreisetzung in allen drei Krebszelllinien signifikant und inhibierte auch signifikant, wenn auch variabler, die Freisetzung von Mikrovesikeln. Es wurde festgestellt, dass die EMV-modulierenden Wirkungen von CBD dosisabhängig und krebszelltypspezifisch sind.

Demnach nehmen die Forscher an, dass CBD verwendet werden könnte, um Krebszellen für eine Chemotherapie zu sensibilisieren. Weiter gehen sie davon aus, dass die CBD-Wirkung zum Teil auf die regulatorischen Auswirkungen auf die EMV-Biogenese zurückzuführen ist. CBD könnte daher ein neuer und sicherer Modulator für EMV-vermittelte pathologische Ereignisse sein.

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