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PTBS: Cannabis als Ergänzung der Therapie

Autor:
Dr. Christine Hutterer

Als PTBS werden charakteristische Symptome nach Exposition mit einem schweren traumatischen Erlebnis bezeichnet, z. B. eine direkte persönliche Erfahrung eines Ereignisses mit tatsächlichem Tod oder Todesdrohung, mit einer schweren Verletzung oder einer anderen Bedrohung der körperlichen Integrität. Die Reaktion der betroffenen Person muss starke Furcht, Hilflosigkeit oder Horror umfassen.

PTBS: Cannabis als Ergänzung der Therapie

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), ist eine psychische Erkrankung. Sie tritt nach einem oder mehreren schweren traumatischen Erlebnissen auf. Häufig setzt die Posttraumatische Belastungsstörung verzögert ein. Das bedeutet, dass die Symptome nach dem traumatischen Erlebnis erst Wochen oder Monate nach dem traumatischen Ereignis auftreten.

Meist wird von der Posttraumatische Belastungsstörung im Zusammenhang mit Kriegserlebnissen (egal, ob als Soldat oder als Zivilist) gesprochen. Die meisten Fälle treten aber in der Allgemeinbevölkerung nach körperlichem oder sexuellem Missbrauch oder Gewalt, schwerer Unfall und Naturkatastrophen auf. Betrachtet man alle möglichen Arten von Traumata, so erkranken etwa zehn Prozent aller Menschen, die ein Trauma erfahren haben, an einer PTBS.

Ein zentraler Aspekt ist, dass sich der Betroffene dabei unfähig fühlt, etwas gegen das Ereignis unternehmen zu können und gleichzeitig große Angst empfindet. Die empfundene Hilflosigkeit hat zur Folge, dass der Betroffene das Gefühl hat, keine Kontrolle mehr zu haben.

Symptome einer akuten Belastungsreaktion

Drei Symptomklassen sind typische für die Posttraumatische Belastungsstörung nach einer Traumatisierung:

  1. Wiedererleben der Situation, z.B. tagsüber in Form von traumatischen Erinnerungen, Tagträumen oder Flashbacks, und nachts in Form von Angstträumen.
  2. Verdrängung der Traumatisierung, indem beispielsweise Aktivitäten und Situationen vermieden werden, die Erinnerungen an das traumatische Ereignis wachrufen könnten. Typisch sind auch emotionales Abstumpfen, Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit gegenüber Menschen und vielen Belangen der Umgebung (Veränderung der Emotionsregulation).
  3. Die Übererregtheit des Nervensystems kann sich durch Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit, erhöhter Wachsamkeit und Angespanntheit oder ausgeprägter Schreckhaftigkeit äußern. Körperliche Beschwerden wie Schwindel, Zittern oder Atemnot können beim Patienten ebenfalls auftreten.

Was genau im Gehirn bei einem Trauma passiert bzw. welche neurophysiologischen Veränderungen bei einer PTBS vorliegen, ist noch nicht endgültig erforscht. Man vermutet, dass die Ausschüttung großer Mengen an Stresshormonen, Adrenalin und evtl. anderen Hormonen während des traumatischen Ereignisses die Ursache sein könnten. Sie werden in bedrohlichen Situationen vom Körper ausgeschüttet, um den Körper in Alarmbereitschaft zu versetzen und eine schnelle Flucht zu ermöglichen. Da dies in Traumasituationen jedoch nicht möglich ist, könnten diese Faktoren an der Entstehung beteiligt sein.

Behandlung und Therapie

In der Therapie einer Posttraumatischen Belastungsstörung wird vor allem mit Hilfe der Psychotherapie versucht, dem Betroffenen dabei zu helfen, die Kontrolle über die Symptome zu erlangen und die erlebte traumatische Situation zu verarbeiten. Auch verschiedene Medikamente wie Antidepressiva können im Rahmen der Behandlung zum Einsatz kommen.

Mehr zum Thema Posttraumatische Belastungsstörung und Therapie.

Behandlung mit Cannabis für medizinische Zwecke

Häufig wird argumentiert, dass Betroffene Cannabis konsumieren, um im Rausch die unangenehmen Empfindungen und Erinnerungen an das traumatische Erlebnis ausblenden zu können. Sie „betäuben“ sich also mit Drogen. Sicherlich gibt es Fälle, in denen der Cannabis-Rausch im Vordergrund steht und der regelmäßige hochdosierte Konsum zu weiteren Problemen und auch zur Abhängigkeit führt. Das gleiche gilt natürlich auch für andere Drogen. Bei psychischen Störungen wie der Posttraumatischen Belastungsstörung missbrauchen einige Betroffene auch Drogen wie zum Beispiel Alkohol oder Kokain.

Dennoch zeigen immer mehr Studien, in denen medizinisches Cannabis wurde, dass die Effekte nicht nur auf einen Rauschzustand zurückzuführen sind. Im Rahmen einer Behandlung mit Medizinalcannabis ist die Dosierung meist auf einem Niveau, das nicht berauscht. Es wäre also zu einfach, Cannabis allein als “Droge zur Bewältigung” abzuhandeln und die Betroffenen dem Cannabis-Missbrauch und einer Abhängigkeit zu beschuldigen.

Die Therapie mit Cannabinoiden aus der Cannabispflanze bewirkt eine Verbesserung des Schlafes, die Verringerung von Alpträumen sowie die Linderung chronischer Schmerzen und anderer Symptome. Entscheidend für die Wirkung ist offenbar das Cannabinoid Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC). Dabei gibt es THC als natürliches Phytocannbinoid in medizinischen Cannabisblüten oder als synthetisches THC (Dronabinol).

Nebenbei sei erwähnt, dass es bei allem Cannabis-Bashing keine spezifischen und wirksamen Medikamente gegen eine Posttraumatische Belastungsstörung gibt. Für häufig zusätzlich auftretende Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen oder Angststörungen, nehmen Betroffene entsprechende Medikamente ein. Diese wirken jedoch nicht oder nicht ausreichend auf die typischen Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung.

Behandlung: Medizinische Anwendung von Cannabis

Um zu verstehen, wie Cannabinoide therapeutisch bei einer Belastungsstörung wirken, muss verstanden werden, in welcher Weise welche Systeme im Körper beeinflusst werden. Das wird derzeit erforscht.

Was man weiß ist, dass eine Posttraumatische Belastungsstörung im Körper Stress auslöst. Bei Patienten und anderen Personen, die unter chronischem Stress stehen, wurde festgestellt, dass die Konzentrationen an (körpereigenen) Endocannabinoiden im Vergleich zu Gesunden erhöht sind. Und das sogar im Alltag und in nicht belastenden Situationen. Das Endocannabinoidsystem ist also an der Regulation und dem Umgang des Körpers mit Stress beteiligt.

Andere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass bei PTBS-Patienten die vorhandene Menge für das körpereigene Cannabinoid Anandamid niedriger ist als bei gesunden Personen. Anandamid bindet an dieselben Andockstellen (Rezeptoren) wie (Tetrahydrocannabinol) THC und andere Bestandteile der Cannabispflanze. Daher gibt es ebenso die Vermutung, dass ein wesentliches Element der Posttraumatischen Belastungsstörung ein Mangel an Endocannabinoiden sein könnte. Der Körper würde in diesem Fall nicht genügend eigene Cannabinoide herstellen, um die notwendigen Wirkungen zu erzeugen und die Regulationen im Körper für ein “gesund werden” zu beeinflussen. Die Bedeutung der Cannabis Behandlung läge dann darin, diese Cannabinoide von außen über Medizinalcannabis oder cannabinoidhaltige Medikamente „aufzufüllen“.

Weitere Untersuchungen

Eventuell liegt die Ursache für die veränderte Regulation auch im Cannabinoidrezeptor, also der Andockstelle für die (Endo)Cannabinoide auf den Zellen. Es gibt Hinweise, dass genetische Veränderungen im CB1-Rezeptor eine Rolle spielen könnte.

Tierexperimentelle Untersuchungen lassen die Hypothese zu, dass die Wirkung von Cannabinoiden in der Therapie der Posttraumatischen Belastungsstörung darauf beruht, dass die Region, die im Gehirn für die Speicherung von Erinnerungen, Furcht und auch einem belastenden Ereignis zuständig ist (Amygdala), vom Endocannabinoidsystem kontrolliert wird. Wird die Amygdala Endocannabinoiden in großen Mengen ausgesetzt, so führt dies zu einer Auslöschung unangenehmer Erinnerungen.

Generell gilt, dass Cannabis als Therapie bei der PTBS immer nur als Ergänzung zur Psychotherapie eingesetzt wird.

PTBS ist nicht gleichzusetzen mit Burnout oder Depression

PTBS wird häufig gleichgesetzt mit Depression oder Burnout. Das ist jedoch nicht korrekt. Jede dieser Krankheiten hat ein anderes Erscheinungsbild, auch wenn einige Symptome, z.B. Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, bei allen auftreten. Die Ursachen und auch die Vorgänge im Körper und im Gehirn sind bei allen Krankheiten unterschiedlich.

Daher bedarf es auch unterschiedlicher Strategien bei der medizinischen Behandlung. Während es für Depressionen zahlreiche Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen für Patienten gibt, ist das bei der PTBS nicht so. Allerdings leiden PTBS-Patienten häufig zusätzlich unter Depressionen. Hier könnte eine “ganz normale” medikamentöse Behandlung erfolgen. Eine spezielle Therapie der PTBS kann sie jedoch nicht ersetzen.

Weitere Informationen hält auch das Deutsche Ärzteblatt bereit.

 

 

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