Rechtswissenschaftler spricht gegen Legalisierung

Autor: Alexandra Latour

Veröffentlicht am:

Geändert am:

Vor kurzem erschien ein Interview mit dem Straf- und Medizinrechtler Prof. Dr. Gunnar Duttge. Während der Bund Deutscher Kriminalbeamter die Legalisierung von Cannabis fordert, hält Duttge dagegen: „Ich halte das für unverantwortlich.“

Rechtswissenschaftler spricht gegen Legalisierung

Der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Gunnar Duttge, Leiter der Abteilung für strafrechtliches Medizin- und Biorecht der Juristischen Fakultät der Universität Göttingen, wurde von Spiegel Online zur Legalisierung von Cannabis befragt, nachdem der BDK-Vorsitzende André Schulz die kontrollierte Abgabe und die Entkriminalisierung von Cannabis forderte. Hierzu äußerte sich Duttge wie folgt:

„Ich halte das für unverantwortlich und ignorant. Die meisten Menschen unterschätzen die Gefahren von Cannabis. Die Behörden sollten erst einmal die Studien zur Kenntnis nehmen, die Risiken von Cannabis differenziert aufzeigen. Der BDK hat letztlich eine Stellungnahme abgegeben, die darauf abzielt, sich selbst Arbeit vom Hals zu schaffen.“

Auf die Frage, was denn seiner Ansicht nach angebracht wäre, antwortete der Rechtswissenschaftler, dass man gesamtgesellschaftlich mehr Präventionsarbeit leisten sowie näher an der Suchtrealität aufklären müsse, anstatt die Gefahren von Cannabis dreist zu leugnen. Weiter führt der überzeugte Prohibitionist aus, dass die jungen Konsumenten noch mitten in ihrer Entwicklung seien und Cannabis teilweise schon mit 12 Jahren nehmen würden.

„Das ist riskant. Die Droge nimmt ihren Weg im Körper ja über die neuronalen Strukturen, mit irreversiblen, persönlichkeitsverändernden Folgen. Da muss man ansetzen, Eltern, Lehrer und Schulen einbinden“, so der Nichtmediziner.

Duttge’s Kollege Sebastian Scheerer von der Universität Hamburg ist für eine Legalisierung sagt, dass ein Rechtsstaat nicht freiheitlich sei, wenn die Bürger davon abgehalten werden, das zu tun, was sie wollen. Hierauf antwortete Duttge, dass dies eine sehr vereinfachende Auffassung sei, die der aktuellen Rechtslage nicht ansatzweise gerecht werde.

„Deutschland ist nicht nur ein freiheitlicher Rechtsstaat, sondern auch ein Sozialstaat. Es wäre unmenschlich, die Menschen sehenden Auges in die Suchtkarrieren hineinlaufen zu lassen“, führt er weiter aus.

Im weiteren Verlauf des Interviews äußert Duttge unverständliche Aussagen. Unter anderem betont er, dass die „Legalisierung von Cannabis ein unverantwortliches, gesamtgesellschaftliches Humanexperiment“ wäre. Außerdem stellt er die Frage, „ob eine Gesellschaft sich daran beteiligen sollte, Suchtkarrieren ihrer Mitglieder zu fördern“. Wenn man Cannabis freigebe, werde man nicht nur die Konsumenten gefährden, sondern auch die, die noch gar nicht damit angefangen hätten, Drogen zu nehmen.

Am Ende wird gesagt, dass der Staat von der Legalisierung gut verdienen würde. Auch hier kommt Duttge ins Schwimmen und erklärt:

„Das ist das inakzeptabelste Argument überhaupt. Wir können Steuern durch alle möglichen Dinge eintreiben, sollten es aber niemals auf Kosten der Gesundheit unserer Mitglieder tun.“

Und seine Reaktion darauf, dass der Staat mit Steuern auf Tabak und Alkohol aber keine Probleme habe, erklärt er, dass dies ein schlimmer Fehler wäre, den man nicht wiederholen sollte. Zudem führt er aus:

„Soweit es um strafrechtliche Verbote geht, kann natürlich nicht alles undifferenziert mit Strafe bedroht werden, was nur ansatzweise gesundheitsschädlich ist und vertrieben wird.“

Aber was ist mit Nikotin und Alkohol an sich? Auch hierauf weiß der Rechtswissenschaftler eine Antwort. Der Vergleich von Cannabis, Nikotin und Alkohol hinke, weil sich die Wirkweisen unterscheiden würden. Wenn man jedoch simple denke und das Schädigungs- und Suchtpotenzial als Gemeinsamkeit zugrunde legen würde, so läge es nahe, auch bei Nikotin und Alkohol stärker einzuschreiten. Im Grunde sollte – geht es nach Duttge – jedes „Rauschmittel, das erhebliche Sucht- und Schädigungsrisiken birgt, nicht frei nach Belieben zugänglich sein, und zwar ausnahmslos“.

Das gesamte Interview kann hier nachgelesen werden.

Weiteres zur Debatte der Cannabislegalisierung auf Leafly.de:
https://www.leafly.de/diskussion-um-cannabis-legalisierung-weitet-sich-aus/
https://www.leafly.de/cannabislegalisierung-stellungnahme-polizeipraesidiums-oberbayern-sued/
https://www.leafly.de/bundestag-debatte-cannabis-legalisierung/

 

Foto:
https://www.uni-goettingen.de/de/prof.+dr.+gunnar+duttge/524770.html

 

 

Ähnliche Artikel