Restless-Legs-Syndrom und der Einsatz von Cannabinoiden

Autor: Alexandra Latour

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Bewegungsdrang in den Beinen, Schmerzen in den Beinen nachts, ziehen in den Beinen, kribbeln in den Beinen, schmerzende Beine im Ruhezustand – für alle diese Symptome steht das Restless-Legs-Syndrom (RLS), eine der am häufigsten vorkommende neurologische Erkrankung. Wie Cannabis als Medizin hier in der Therapie helfen kann, klart dieser Artikel.

Restless-Legs-Syndrom und der Einsatz von Cannabinoiden

Das Restless-Legs-Syndrom (unruhige Beine) ist eine neurologische Erkrankung, die etwa drei bis zehn Prozent der Deutschen betrifft. Bei vielen Betroffenen ist die Erkrankung so schwer ausgeprägt, dass sie medikamentös behandelt werden muss. Dabei kommt das RLS wesentlich häufiger bei Frauen als bei Männern vor. Hingegen tritt es im Kindes- und Jugendalter eher selten auf und wird oftmals fälschlicherweise als Wachstumsschmerz oder Hyperaktivitätsstörung diagnostiziert.

Die Cannabinoide aus der Cannabispflanze werden seit Jahrhunderten aufgrund ihrer schmerzlindernden und entspannenden Wirkung genutzt. Zwar existieren aktuell nur wenige Studien über die Cannabisbehandlung beim Restless-Legs-Syndrom, dafür wurde aber bereits in anderen Studien belegt, dass Cannabis bei Schlafstörungen und Muskelkrämpfen hilfreich sein kann.

Restless-Legs-Syndrom: Symptome

Charakteristisch für das Restless-Legs-Syndrom sind unruhige Beine. So verspüren Betroffene einen starken Drang, ihre Beine zu bewegen. Begleitet wird dieser Bewegungsdrang in den Beinen häufig von diversen Missempfindungen, wie zum Beispiel Kribbeln, Ziehen und Reißen in den Beinen. In einigen Fällen treten auch Schmerzen oder krampfähnliche Beschwerden auf.

Besonders qualvoll sind für die Betroffenen die Gefühle der Spannung, Unruhe und/oder Druck in den Beinen. Dabei fällt es ihnen nicht leicht, diese Gefühle zu beschreiben, da es hierfür keine passenden Wörter gibt. In der Regel lindert die Bewegung der Beine die Symptome, jedoch nur für kurze Zeit.

Darüber hinaus erleben die Betroffenen die Symptome auch unterschiedlich. Während bei einigen die Beschwerden beide Beine betreffen, ist bei anderen nur ein Bein betroffen. Bei wiederum anderen Betroffenen zeigen sich die Symptome abwechselnd erst in einem und dann im anderen Bein. Außerdem können die Beschwerden in anderen Körperregionen wie beispielsweise in den auftreten.

Typisch für das Restless-Legs-Symptom ist auch, dass sich die Symptome im Ruhezustand, also im Sitzen oder Liegen verschlechtern. Viele Betroffene leiden auch an Ein- und Durchschlafstörungen, da die Beschwerden oftmals abends auftreten, sodass es zu weiteren Symptomen wie Müdigkeit am Tag, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen kommt.

Was sind die Ursachen des Restless-Legs-Syndroms?

Die genauen Restless-Legs-Ursachen sind unbekannt. Es wird davon ausgegangen, dass bei den Betroffenen der Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn gestört ist. Der Botenstoff Dopamin ist an der Erregungsleitung zwischen den Nervenzellen verantwortlich, weshalb eine Störung dieses Stoffwechsels zu fehlerhaften Übertragung von Nervensignalen führen kann. Eine weitere mögliche Restless-Legs-Ursache kann eine Störung im Hirnstamm und Kleinhirn sein.

Darüber hinaus tritt das Restless-Legs-Syndrom auch häufig in Familien auf, sodass eine erbliche Komponente ebenfalls eine Rolle spielt. So wurden mittlerweile Gene identifiziert, die an der Entstehung der Krankheit beteiligt sind. Die genauen Zusammenhänge sind jedoch noch unklar.

Unterschieden wird das Restless-Legs-Syndrom in die folgenden Formen:

  • Idiopathisches Restless-Legs-Syndrom
    Die RLS-Ursachen sind unbekannt.
  • Sekundäres Restless-Legs-Syndrom
    Hier tritt das Syndrom infolge einer Erkrankung auf.
    Zu diesen Erkrankungen gehören: Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel, Folsäuremangel, Schilddrüsenfunktionsstörung, Polyneuropathie, Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Zöliakie, Depression / Angsterkrankung, Narkolepsie, entzündliche Darmerkrankungen, chronisches Nierenversagen, Schlafapnoe aber auch Schwangerschaft

Des Weiteren können auch bestimmte Medikamentenwirkstoffe RLS-Beschwerden hervorrufen. Hierzu gehören vor allem Arzneimittel, die gegen Übelkeit oder Depressionen eingesetzt werden.

Diagnose Restless-Legs-Syndrom

Die Diagnose eines Restless-Legs-Syndroms (unruhige Beine) wird anhand der Beschwerden gestellt.

Hier sollten die folgenden Kriterien erfüllt sein:

  • Bewegungsdrang in den Beinen mit Missempfindungen (Ziehen in den Beinen, Kribbeln in den Beinen oder Schmerzen)
  • Bewegungsdrang in den Beinen tritt nur in Ruhe auf bzw. verstärkt sich in Ruhephasen
  • Bewegungsdrang in den Beinen kann kurzfristig durch Bewegung gebessert werden
  • Symptome treten vor allem abends oder in der Nacht auf

Um die Diagnose zu bestätigen, wird häufig ein L-Dopa-Test durchgeführt. Wenn sich die Beschwerden unter dem Wirkstoff L-Dopa bessern, kann dies die Diagnose Restless-Legs-Syndrom bestärken. Sollten sich die Symptome unter der Medikation nicht bessern, kann ein RLS dennoch nicht ausgeschlossen werden.

Um eine Erkrankung als Auslöser auszuschließen werden in der Regel noch folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Blut- und Urinuntersuchung
  • Elektroneurographie (Messung der Nervenleitgeschwindigkeit)
  • Schlafuntersuchung

Restless-Legs-Syndrom: Therapie und Behandlung

Die Therapie richtet sich danach, wie stark die Beschwerden sind, und wie hoch der Leidensdruck des Betroffenen ist. Wenn eine auslösende Grunderkrankung ausgeschlossen werden kann, kommen spezielle Medikamente zum Einsatz. Es handelt sich hierbei oftmals um den Wirkstoff L-Dopa (Levodopa) bzw. die Wirkstoffkombination Benserazid und Levodopa. Möglich ist zudem eine Restless-Legs-Therapie mit Dopaminagonisten wie Pramipexol, Rotigotin oder Ropinirol.

Während die Therapie mit L-Dopa eine Dopamin-Ersatztherapie ist, können die Dopaminagonisten das Dopamin nachahmen und entfalten eine dopaminartige Wirkung. Sollte sich keine Besserung unter der Medikation zeigen oder treten starke Nebenwirkungen auf, kommen häufig auch Antiepileptika oder Opioide zum Einsatz – sofern es sich um ein sehr ausgeprägtes und schmerzhaftes RLS handelt.

Was kann man selbst tun beim Restless-Legs-Syndrom?

Wenn das Restless-Legs-Syndrom nur leicht- bis mittelschwer ausgeprägt ist, können verschiedene Maßnahmen zur Linderung der Symptome beitragen.

Hierzu gehören:

  • Wechselduschen und Fußbäder
  • Beinmassagen
  • regelmäßiger Sport inkl. Dehnübungen
  • Nahrungsmittel mit viel Folsäure, Vitamin B12 und Eisen
  • Des Weiteren kann es hilfreich sein, wenn einige Stunden vor dem Schlafengehen kein Nikotin, Alkohol oder koffeinhaltige Getränke konsumiert werden.

Hilfe finden Betroffene auch bei der Deutschen Restless-Legs-Vereinigung.

RLS: Rezeptfreie Medikamente

Zu den RLS-Medikamenten, die ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sind, gehören beispielsweise Magnesium Verla oder Magnesium Diasporal. Auch viele Ärzte empfehlen diese Medikamente gegen Muskelkrämpfe und Untersuchungsdaten zeigen, dass diese bei einem leicht ausgeprägten RLS wirksam sein können. Der eindeutige wissenschaftliche Beleg steht jedoch aus.

Der Wirkstoff Chinin (Limptar), der eine muskelrelaxierende Wirkung besitzt, war lange Zeit ebenfalls rezeptfrei erhältlich. Seit dem Jahr 2015 ist das RLS-Medikament jedoch nur noch auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Grund hierfür ist, dass bei der Einnahme erhebliche Nebenwirkungen wie beispielsweise Reizleitungsstörungen, Hör- und Sehstörungen auftreten können. Hinzu kommt, dass die Wirkung beim Restless-Legs-Syndrom wissenschaftlich nicht belegt ist.

Darüber hinaus setzen auch viele Betroffene gegen die Beschwerden Schmerzmittel wie Ibuprofen ein, wobei auch diese Selbstmedikation nicht ohne Risiko einhergeht, vor allem dann, wenn diese Schmerzmedikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Auch von der regelmäßigen Einnahme von Schlafmitteln muss abgeraten werden, da es hier schnell zu einem Gewöhnungseffekt kommt.

Mit alternativen Heilmethoden gegen die Symptome des Restless-Legs-Syndroms

Viele Betroffene versuchen auch alternative Heilmethoden, um die Beschwerden des Restless-Legs-Syndroms zu lindern. Positive Erfahrungen wurden mit den folgenden Schüßler-Salzen gemacht:

  • Schüßler-Salz Nr. 7 (Magnesium phosphoricum D6)
  • Schüßler-Salz Nr. 14 (Kalium bromatum D6)
  • Schüßler-Salz Nr. 21 (Zincum chloratum D6)

Auch die Homöopathie kann beim Restless-Legs-Syndrom helfen. Zu den homöopathischen Mitteln gehören beispielsweise Zincum (Zink), Rhus toxicodendron (Giftefeu), Arsenicum album (Arsen), Valeriana officinalis (Baldrian), Sepia (Tintenfisch) und Sulfur (Schwefel).

Des Weiteren können beim Restless-Legs-Syndrom weitere alternative Behandlungen hilfreich sein:

  • Traditionelle chinesische Medizin (Akupunktur oder Heilkräuter)
  • Magnetfeldtherapie (spezielle Magnetmatratzen oder SEQEX-Therapie)

Behandlung des Restless-Legs-Syndroms mit Cannabis

Über die Behandlung des RLS mit Cannabis existieren kaum klinische Studien. Die wenigen die es gibt, sind jedoch vielversprechend. So wurde an der Université de Bordeaux in Frankreich eine Studie mit sechs RLS-Patienten durchgeführt, die pharmazeutisches Cannabis erhielten. Fünf der Probanden berichteten nach der Cannabisbehandlung, dass die Symptome nahezu vollständig verschwanden. Ein Proband sprach sogar von einer vollständigen Heilung. Außerdem berichteten die Probanden, dass sich die Schlafqualität erheblich verbessert habe.

Eine weitere Studie, die an der Universidad Complutense de Madrid durchgeführt wurde, liefert Hinweise, dass die Cannabinoide wie THC und CBD aus der Cannabispflanze mit den CB1- und CB2-Rezeptoren des (körpereigenen) Endocannabinoidsystems interagieren, wodurch die Dopamin-Freisetzung reguliert wird. Dabei hat sich die Dopamin-Regulierung bereits bei der Behandlung von Bewegungsstörungen im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung als wirksam erwiesen.

Cannabis zur Verbesserung des Schlafes

Es existiert eine Vielzahl an Studien, die belegen können, dass mithilfe von Cannabis sowohl die Verbesserung des Schlafes als auch die Schmerzlinderung erzielt werden konnten. Forscher fassten bereits im Jahr 2007 13 verschiedene Studien zusammen, die unterschiedliche Cannabispräparate auf den Schlaf und Schmerz untersuchten.

Besonders interessant ist eine Studie mit 24 Patienten, die an einer therapieresistenten Multiplen Sklerose litten. Getestet wurden drei Cannabispräparate: Cannabis mit sehr hohem THC-Gehalt, Cannabis mit einem hohem CBD-Gehalt und Sativex mit fast gleichen Anteilen an THC und CBD. Heraus kam, dass sich die unterschiedlichen Cannabinoid-Verhältnisse auch auf verschiedene Weise auswirkten. So konnten das CBD- und THC-dominante Cannabisextrakt die Schmerzen signifikant lindern. Sativex half gegen Spasmen, Muskelkrämpfe und verbesserte die Schlafqualität.

CBD-Öl gegen RLS-Symptome

CBD-Öl ist frei verkäuflich und legal, da es lediglich das nicht-psychoaktive Cannabinoid Cannabidiol (CBD) enthält. Somit verfügt das CBD-Öl über keine berauschende oder suchtfördernde Wirkung. Erfahrungsberichte von Betroffenen zeigen, dass CBD-Öl gegen Schlafstörungen und Muskelkrämpfe helfen kann. Mittlerweile ist das Öl bei vielen Anbietern erhältlich, wobei darauf geachtet werden sollte, dass es sich um reines CBD handelt und dem Öl keine chemischen Zusätze o.ä. Stoffe beigemischt wurden. Allgemein gilt CBD-Öl als gut verträglich. Mit Nebenwirkungen ist nicht zu rechnen. Dennoch wird empfohlen, die Anwendung vorab mit dem Arzt zu besprechen.

Weiterführender Link auf Leafly.de

Quellen:

Département de Neurophysiologie Clinique, Pôle Neurosciences Cliniques, CHU de Bordeaux, Bordeaux, France, Megelin T1, Ghorayeb I2, 2017, “Cannabis for restless legs syndrome: a report of six patients

Departamento de Psicobiologia, Facultad de Psicologia, Universidad Complutense de Madrid, Spain, Rodriguez De Fonseca F1 et al., 2001, “Role of the endogenous cannabinoid system as a modulator of dopamine transmission: implications for Parkinson’s disease and schizophrenia

GW Pharmaceuticals, Porton Down Science Park, Salisbury, Wiltshire SP4OJQ, UK, Russo EB1 et al., 2007, “Cannabis, pain, and sleep: lessons from therapeutic clinical trials of Sativex, a cannabis-based medicine

 

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

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