Restless-Legs-Syndrom und der Einsatz von Cannabinoiden

Bewegungsdrang in den Beinen, Schmerzen in den Beinen nachts, ziehen in den Beinen, kribbeln in den Beinen, schmerzende Beine im Ruhezustand – für alle diese Symptome steht das Restless-Legs-Syndrom (RLS), eine der am häufigsten vorkommende neurologische Erkrankung. Wie Cannabis als Medizin hier in der Therapie helfen kann, klart dieser Artikel.

Restless-Legs-Syndrom und der Einsatz von Cannabinoiden

Was ist das Restless-Legs-Syndrom (RLS)?

Das Restless-Legs-Syndrom (unruhige Beine) ist eine neurologische Erkrankung, die etwa drei bis zehn Prozent der Deutschen betrifft. Bei vielen Betroffenen ist die Erkrankung so schwer ausgeprägt, dass sie medikamentös behandelt werden muss. Dabei kommt das RLS wesentlich häufiger bei Frauen als bei Männern vor. Hingegen tritt es im Kindes- und Jugendalter eher selten auf und wird oftmals fälschlicherweise als Wachstumsschmerz oder Hyperaktivitätsstörung diagnostiziert.

Die Cannabinoide aus der Cannabispflanze werden seit Jahrhunderten aufgrund ihrer schmerzlindernden und entspannenden Wirkung genutzt. Zwar existieren aktuell nur wenige Studien über die Cannabisbehandlung beim Restless-Legs-Syndrom, dafür wurde aber bereits in anderen Studien belegt, dass Cannabis bei Schlafstörungen und Muskelkrämpfen hilfreich sein kann.

Restless-Legs-Syndrom: Symptome

Hauptsymptom des RLS sind unruhige Beine.

Charakteristisch für das Syndrom sind unruhige Beine bzw. ruhelose Beine („restless legs“). So verspüren Patienten einen starken Drang, ihre Beine zu bewegen.

Begleitet werden die periodischen Beinbewegungen oft von diversen Missempfindungen (unangenehme Gefühle), wie zum Beispiel Kribbeln, Ziehen und Reißen in den Beinen. In einigen Fällen treten auch Schmerzen oder krampfähnliche Beschwerden auf.

Besonders qualvoll sind für Patienten die Gefühle der Spannung, Unruhe und/oder Druck in den Beinen. Dabei fällt es ihnen nicht leicht, diese Gefühle zu beschreiben, da es hierfür keine passenden Wörter gibt. In der Regel lindert die Bewegung der Beine die Beschwerden. Meist jedoch nur für kurze Zeit.

Darüber hinaus erleben Patienten die Beschwerden auch unterschiedlich. Während bei einigen die Beschwerden beide Beine betreffen, ist bei anderen nur ein Bein betroffen. Bei wiederum anderen Betroffenen zeigen sich die Symptome abwechselnd erst in einem und dann im anderen Bein. Außerdem können die Beschwerden auch in anderen Körperregionen auftreten.

Typisch für das Syndrom ist auch, dass sich die Symptome im Ruhezustand, also im Sitzen oder Liegen verschlechtern. Viele Restless-Legs-Patienten leiden auch an Ein- und Durchschlafstörungen, da die Beschwerden oftmals abends auftreten, sodass es zu weiteren Symptomen wie Müdigkeit am Tag, Erschöpfung und Konzentrationsstörungen kommt.

Was sind die Ursachen des Restless-Legs-Syndroms?

Die genauen Ursachen sind unbekannt. Es wird davon ausgegangen, dass bei Patienten der Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn gestört ist. Der Botenstoff Dopamin ist an der Erregungsleitung zwischen den Nervenzellen verantwortlich, weshalb eine Störung dieses Stoffwechsels zu fehlerhaften Übertragung von Nervensignalen führen kann. Eine weitere mögliche Ursache kann eine Störung im Hirnstamm und Kleinhirn sein.

Darüber hinaus tritt die neurologische Krankheit auch häufig in Familien auf, sodass eine erbliche Komponente ebenfalls eine Rolle spielt. So wurden mittlerweile Gene identifiziert, die an der Entstehung der Krankheit beteiligt sind. Die genauen Zusammenhänge sind jedoch noch unklar. Ebenso ist unklar, ob dies eine alleinige Ursache ist.

Unterschieden wird das Restless-Legs-Syndrom in die folgenden Formen:

  • Idiopathisches Restless-Legs-Syndrom: Beim primären RLS sind die Ursachen unbekannt.
  • Sekundäres Restless-Legs-Syndrom (sekundäre RLS): Bei dieser sekundären Form tritt das Syndrom infolge anderer Erkrankungen auf, wie zum Beispiel Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel, Folsäuremangel, Schilddrüsenfunktionsstörung, Polyneuropathie, Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, Morbus Parkinson, Zöliakie, Depression / Angsterkrankung, Narkolepsie, entzündliche Darmerkrankungen, chronisches Nierenversagen oder Schlafapnoe.

Des Weiteren können auch bestimmte Medikamentenwirkstoffe RLS-Beschwerden hervorrufen. Hierzu gehören vor allem Arzneimittel, die gegen Übelkeit oder Depressionen eingesetzt werden.

Eine umfassende Untersuchung ist wichtig, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose RLS wird anhand der Beschwerden und einer neurologischen Untersuchung gestellt. Hier sollten die folgenden Kriterien erfüllt sein:

  • Bewegungsdrang in den Beinen tritt nur in Ruhe auf bzw. verstärkt sich in Ruhephasen
  • Missempfindungen (Ziehen in den Beinen, Kribbeln in den Beinen oder Schmerzen)
  • Bewegungsdrang in den Beinen kann kurzfristig durch Bewegung gebessert werden
  • Symptome treten vor allem abends oder in der Nacht auf

Um die Diagnose zu bestätigen, wird häufig ein L-Dopa-Test durchgeführt. Wenn sich die Beschwerden unter dem Wirkstoff L-Dopa bessern, kann dies die Diagnose bestärken. Sollten sich die Symptome unter der Medikation nicht bessern, kann ein RLS dennoch nicht ausgeschlossen werden.

Um andere Erkrankungen als Auslöser auszuschließen werden in der Regel weitere Untersuchungen durchgeführt. Aufschluss gibt unter anderem ein großes Blutbild. Anhand der Blutwerte kann schnell festgestellt werden, ob beispielsweise ein Eisenmangel oder ein Vitamin-B-12-Mangel besteht. In solch einem Fall könnte die Beschwerdesymptomatik recht einfach durch die Gabe eines entsprechenden Präspartes gelindert werden können.

Therapie und Behandlung

Die Therapie richtet sich danach, wie stark die Beschwerden sind, und wie hoch der Leidensdruck des Betroffenen ist. Wenn eine auslösende Grunderkrankung ausgeschlossen werden kann, kommen spezielle Medikamente zum Einsatz. Es handelt sich hierbei oftmals um den Wirkstoff L-Dopa (Levodopa) bzw. die Wirkstoffkombination Benserazid und Levodopa. Möglich ist zudem eine medikamentöse Behandlung mit Dopaminagonisten wie Pramipexol, Rotigotin oder Ropinirol.

Während die Therapie mit L-Dopa eine Dopamin-Ersatztherapie ist, können die Dopaminagonisten das Dopamin nachahmen und entfalten eine dopaminartige Wirkung. Sollte sich keine Besserung unter der Medikation zeigen oder treten starke Nebenwirkungen auf, kommen in solch einem Fall auch Antiepileptika oder Opioide zum Einsatz – sofern es sich um ein sehr ausgeprägtes und schmerzhaftes RLS handelt.

Was kann man selbst tun beim Restless-Legs-Syndrom?

Wenn das Restless-Legs-Syndrom nur leicht- bis mittelschwer ausgeprägt ist, können verschiedene Maßnahmen zur Linderung der Symptome beitragen. Hierzu gehören beispielsweise Wechselduschen und Fußbäder sowie Beinmassagen. Auch regelmäßíger Sport und Dehnübungen können helfen. Zudem könnte bei den Restless Legs (unruhige Beine) auch die vermehrte Aufnahme von Nahrungsmitteln helfen, die Folsäure, Vitamin B12 und Eisen enthalten. Des Weiteren kann es hilfreich sein, wenn einige Stunden vor dem Schlafengehen kein Nikotin, Alkohol oder koffeinhaltige Getränke konsumiert werden.

Hilfe finden Betroffene auch bei der Deutschen Restless-Legs-Vereinigung (RLS e.V.).

RLS: Rezeptfreie Medikamente

Zu den RLS-Medikamenten, die ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sind, gehören beispielsweise Magnesium Verla oder Magnesium Diasporal. Auch viele Ärzte empfehlen diese Medikamente gegen Muskelkrämpfe. Untersuchungsdaten zeigen, dass diese bei einem leicht ausgeprägten RLS wirksam sein können. Der eindeutige wissenschaftliche Beleg steht jedoch aus.

Der Wirkstoff Chinin (Limptar), der eine muskelrelaxierende Wirkung besitzt, war lange Zeit ebenfalls rezeptfrei erhältlich. Seit dem Jahr 2015 ist das RLS-Medikament jedoch nur noch auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Grund hierfür ist, dass bei der Einnahme erhebliche Nebenwirkungen wie beispielsweise Reizleitungsstörungen, Hör- und Sehstörungen auftreten können. Hinzu kommt, dass die Wirkung bei der Erkrankung wissenschaftlich nicht belegt ist.

Darüber hinaus setzen auch viele Patienten gegen die Beschwerden Schmerzmittel wie Ibuprofen ein, wobei auch diese Selbstmedikation nicht ohne Risiko einhergeht, vor allem dann, wenn diese Schmerzmedikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Auch von der regelmäßigen Einnahme von Schlafmitteln muss abgeraten werden, da es hier schnell zu einem Gewöhnungseffekt kommt.

RLS: Welche alternativen Heilmethoden gibt es?

Viele Betroffene versuchen auch alternative Heilmethoden, um die Beschwerden der Restless Legs zu lindern. Positive Erfahrungen wurden mit den Schüßler-Salzen Nr. 7 (Magnesium phosphoricum D6), Nr. 14 (Kalium bromatum D6) und Nr. 21 (Zincum chloratum D6) gemacht.

Homöopathie bei RLS

Auch die Homöopathie kann beim Restless-Legs-Syndrom helfen. Zu den homöopathischen Mitteln gehören beispielsweise Zincum (Zink), Rhus toxicodendron (Giftefeu), Arsenicum album (Arsen), Valeriana officinalis (Baldrian), Sepia (Tintenfisch) und Sulfur (Schwefel).

Des Weiteren können bei den Restless Legs weitere alternative Behandlungen hilfreich sein. Hierzu gehört unter anderem die Traditionelle chinesische Medizin (Akupunktur oder Heilkräuter) oder die Magnetfeldtherapie (spezielle Magnetmatratzen oder SEQEX-Therapie).

Behandlung des Restless-Legs-Syndroms mit Medizinalcannabis

Über die Behandlung des RLS mit cannabisbasierten Arzneimitteln existieren kaum klinische Studien. Die wenigen die es gibt, sind jedoch vielversprechend. So wurde an der Université de Bordeaux in Frankreich eine Studie mit sechs RLS-Patienten durchgeführt, die pharmazeutisches Cannabis erhielten. Fünf der Probanden berichteten nach der Cannabisbehandlung, dass die Symptome nahezu vollständig verschwanden. Ein Proband sprach sogar von einer vollständigen Heilung. Außerdem berichteten die Probanden, dass sich die Schlafqualität erheblich verbessert habe.

Eine weitere Studie, die an der Universidad Complutense de Madrid durchgeführt wurde, liefert Hinweise, dass die Cannabinoide wie THC und CBD aus der Cannabispflanze mit den CB1- und CB2-Rezeptoren des (körpereigenen) Endocannabinoidsystems interagieren, wodurch die Dopamin-Freisetzung reguliert wird. Dabei hat sich die Dopamin-Regulierung bereits bei der Behandlung von Bewegungsstörungen im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung als wirksam erwiesen.

Medizinalcannabis zur Verbesserung des Schlafes

Es existiert eine Vielzahl an Studien, die zeigen, dass mithilfe von Medizinalcannabis sowohl die Verbesserung des Schlafes als auch die Schmerzlinderung erzielt werden konnten. Forscher fassten bereits im Jahr 2007 13 verschiedene Studien zusammen, die unterschiedliche Cannabispräparate auf den Schlaf und Schmerz untersuchten.

Besonders interessant ist eine Studie mit 24 Patienten, die an einer therapieresistenten Multiplen Sklerose litten. Getestet wurden drei Cannabispräparate: Cannabis mit sehr hohem THC-Gehalt, Cannabis mit einem hohem CBD-Gehalt und Sativex mit fast gleichen Anteilen an THC und CBD. Heraus kam, dass sich die unterschiedlichen Cannabinoid-Verhältnisse auch auf verschiedene Weise auswirkten. So konnten das CBD- und THC-dominante Cannabisextrakt die Schmerzen signifikant lindern. Sativex half gegen Spasmen, Muskelkrämpfe und verbesserte die Schlafqualität.

Weitere Informationen zu der Behandlung von Schlafstörungen mit cannabisbasierten Arzneimitteln finden Sie in diesem Artikel.

CBD-Öl gegen RLS-Symptome

CBD-Öl ist frei verkäuflich und legal, da es lediglich das nicht-psychoaktive Cannabinoid Cannabidiol (CBD) enthält. Somit verfügt das CBD-Öl über keine berauschende oder suchtfördernde Wirkung. Erfahrungsberichte von Betroffenen zeigen, dass CBD-Öl gegen Schlafstörungen, den Bewegungsdrang und Muskelkrämpfe helfen kann. Mittlerweile ist das Öl bei vielen Anbietern erhältlich, wobei darauf zu achten ist, dass es sich um reines CBD handelt und dem Öl keine chemischen Zusätze o.ä. Stoffe beigemischt sind. Allgemein gilt CBD-Öl als gut verträglich. Mit Nebenwirkungen ist nicht zu rechnen. Dennoch wird empfohlen, die Anwendung vorab mit dem Arzt zu besprechen.

Lesen Sie mehr über CBD-Öl in unserem umfangreichen Ratgeber.

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

 

Quellen:

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