Rosacea und Cannabis als Medizin

Rote Flecken und Äderchen im Gesicht können Symptome der chronischen Hautkrankheit Rosacea sein. Mit einer entsprechenden Behandlung lässt sich die Erkrankung gut in den Griff bekommen. Unterstützend könnten auch Cannabinoide zum Einsatz kommen, denn verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Cannabinoide bei Hautproblemen nützlich sein könnten.

Rosacea und Cannabis als Medizin

In Deutschland leiden rund vier Millionen Menschen unter der chronischen Hautkrankheit Rosacea (Rosazea). Allerdings befinden sich nur wenige Betroffene in hautärztlicher Behandlung, da sie nicht wissen, dass sie an einer chronischen Krankheit leiden. Dabei ist sie gut behandelbar und nicht gefährlich. Außerdem ist Rosazea nicht ansteckend.

Rosacea und ihre Symptome

Die Rosazea tritt am häufigsten auf den Wangen, Nase, Kinn und Stirn auf. Nur in wenigen Fällen sind andere Stellen am Körper wie Kopfhaut, Nacken und Brust betroffen. Dabei äußert sich die Hauterkrankung durch die folgenden Symptome, die in Schüben auftreten können:

  • Pusteln und Papeln
  • rote Flecken im Gesicht (Erytheme)
  • erweiterte Kapillargefäße (Teleangiektasien)
  • Lymphödeme (Ansammlungen von Lymphflüssigkeit)

Im Anfangsstadium der Hautkrankheit kann die Haut unter dem Einfluss verschiedener Einflüsse, wie zum Beispiel Kälte, Hitze oder Stress, vorübergehend röten. Außerdem kann die Haut stechend schmerzen, brennen und sogar jucken.

Darüber hinaus können auch die Augen von einer Rosazea betroffen sein. Dies kommt bei 30 bis 50 von 100 Betroffenen vor, die über folgende Beschwerden klagen:

  • trockene Augen
  • brennende Augen
  • erweiterte Kapillargefäße im Auge
  • Fremdkörpergefühl im Auge
  • Bindehautentzündung
  • Entzündung des Oberlids

Symptome eines akuten Schubs

Die Rosazea -Schübe können durch verschiedene Auslöser akut auftreten. Zu diesen Triggern gehören:

  • Kälte und Hitze
  • Kaffee, Tee, Alkohol, Nikotin
  • stressige Situationen
  • Kosmetika
  • lange UV-Strahlung
  • hormonelle Umstellung (z. B. Schwangerschaft)
  • bestimmte Medikamente

Welche Auslöser oder Faktoren den Krankheitsverlauf beeinflussen, ist individuell unterschiedlich. Viele Betroffene finden in der Regel mit der Zeit selbst heraus, was Schübe auslöst, damit sie diese Auslöser zukünftig vermeiden können.

Einteilung in Schweregrade

Die Rosacea kann verschiedene Schweregrade durchlaufen:

  • Schweregrad I: Bei der Rosacea erythematosa-teleangiectatica bleiben die Hautrötungen dauerhaft bestehen, ebenso die sichtbaren roten Äderchen. Außerdem kann sich die Haut leicht schuppen.
  • Schweregrad II: Bei der Rosacea papulopustulosa treten Papeln, Pusteln sowie Ödeme (Flüssigkeitseinlagerungen), die Schwellungen verursachen.
  • Schweregrad III: Bei der glandulär-hyperplastischen Rosacea wird die Haut gröber und dicker. Infolge dessen entstehen knollige Vergrößerungen (Phymen), beispielsweise an der Nase. In schweren Krankheitsfällen breiten sich diese Vergrößerungen auch auf die Ohren, Hals und Brustregion aus.

Komplikationen im dritten Schweregrad

Im dritten Schweregrad kann eine Komplikation auftreten, und zwar die Wucherung der Talgdrüsen, was überwiegend an der Nase passiert. Infolge dessen kommt es zur „Knollennase“ (Rhinophym). Nur selten wuchern die Talgdrüsen an Kinn, Stirn oder Ohrläppchen.

Solch eine Talgdrüsenwucherung kann auch ohne die Symptome einer Rosazea vorkommen. Hinter dem vermeintlich harmlosen Rhinophym kann sich eine spezielle Form von Krebs bzw. Hautkrebs (Basaliom) verbergen. Es ist jedoch unklar, ob Rhinophyme ein Basaliom begünstigen.

Rosacea und ihre Ursachen

Bislang sind die genauen Ursachen der Rosazea noch ungeklärt. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass eine erbliche Veranlagung eine entscheidende Rolle spielt. Wie bei vielen anderen Erkrankungen auch, sind aber mehrere verschiedene Faktoren an der Krankheitsentstehung beteiligt.

Ein möglicher Erklärungsansatz ist die Störung der Immunantwort. Denn bei Betroffenen bildet die Haut größere Mengen an Cathelicidinformen, die die Neubildung von Blutgefäßen fördern. Cathelicidin-Peptide sind Eiweiß-Teilchen, die beispielsweise Wunden vor Eindringlingen schützen. Eine gesunde Haut bildet hingegen nur eine sehr geringe Menge an Cathelicidin-Peptiden. Wenn diese Peptide vermehrt gespalten, regen einige Bruchstücke die Hautzellen an, vermehrt Entzündungsstoffe freizusetzen. Infolge dessen kommt es zu örtlich begrenzten Entzündungen in der Haut.

Des Weiteren kann es Kommunikationsprobleme zwischen den Blutgefäßen und den Nerven geben. Aufgrund dieser Kommunikationsprobleme weiten sich die Blutgefäße bereits bei einem schwachen Reiz und können sich nicht mehr zusammenziehen, sodass sich die geweiteten Äderchen unter der Hautoberfläche abzeichnen.

Rosazea: Diagnose und Behandlung

Das typische Erscheinungsbild der Gesichtshaut reicht oft schon aus, um die Hautkrankheit zu diagnostizieren. Wichtig ist, dass ein Arzt die Symptome genau erfasst, um diese von anderen Hautkrankheiten wie der Akne oder der Mundrose abzugrenzen. Wenn die Beschwerden nicht eindeutig auf eine Rosazea hindeuten, kann der Arzt eine Hautprobe unter dem Mikroskop untersuchen (Biopsie). Dies ist jedoch nur selten notwendig.

Die Rosazea lässt sich mit der richtigen Behandlung meist gut in den Griff bekommen. Da nicht jede Therapie bei jedem Patienten gleichermaßen wirkt, ist es häufig erforderlich, verschiedene Therapien auszuprobieren und zu kombinieren.

Wenn die Rosazea nur leicht ausgeprägt ist, reicht in der Regel die Gabe einer entzündungshemmenden Creme aus. Diese Salben enthalten dann die Wirkstoffe Metronidazol oder Erythromycin. Auch eine örtliche Behandlung mit Antibiotika kann hier hilfreich sein. Hingegen reicht eine Behandlung mit Cremes in einem stärker ausgeprägten Krankheitsbild meist nicht aus. Dann erhält der Patient Antibiotika in Tablettenform mit den Wirkstoffen Minocyclin, Erythromycin oder Tetracyclin. Diese Therapie ist vor allem dann sinnvoll, wenn auch die Augen betroffen sind.

Sollte die Erkrankung besonders schwer verlaufen, wie zum Beispiel mit knolligen Wucherungen an der Nase (Rhinophym), kann der Arzt eine Behandlung mit Isotretinoin in Erwägung ziehen. Außerdem lässt sich ein Rhinophym auch operativ behandeln. Mithilfe der Lasertherapie lassen sich zudem auch die roten Äderchen entfernen.

Was können Betroffene selbst tun?

Um die Hautprobleme in den Griff zu bekommen, können Betroffene einiges selbst tun. Besonders wichtig ist die richtige Pflege des Gesichts. Das regelmäßige Reinigen des Gesichts kann bereits helfen. Hierfür sollten hautschonende, milde, seifenfreie und pH-neutrale Produkte verwendet werden. Auf ein alkoholhaltiges, fettreiches und aggressives Produkt sollte verzichtet werden.

Darüber hinaus sollten Betroffene auch auf ihre Ernährung achten und vor allem auf folgende Nahrungsmittel verzichten:

  • Histamin-reiche Lebensmittel (z. B. Eiweiß, Sojasoße, Hartkäse) und Alkohol regen die Durchblutung an und wirken gefäßerweiternd. Dies kann dazu führen, dass noch mehr unliebsame Rötungen entstehen.
  • Scharfe Gewürze wie Curry oder Chili können Hautrötungen auslösen.
  • Koffein, Milchprodukte, Schokolade, rohe Zwiebeln und Zitrusfrüchte können Rötungen provozieren.
  • Da Kälte und Hitze zu den Triggerfaktoren gehören, sollten Speisen und Getränke nicht zu heiß oder zu kalt verzehrt werden.

Tipps für die Ernährung

Mithilfe einer Ernährungsumstellung können sich viele Betroffene Linderung verschaffen. Um das Hautbild positiv zu beeinflussen, eigenen sich die folgenden Lebensmittel:

  • Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren (z. B. Thunfisch, Lachs, Walnüsse, Chia-Samen)
  • Gewürze wie Kardamon, Safran, Koriander
  • Gurken, Brokkoli, Spargel, Zucchini, Süßkartoffeln
  • kaliumreiche Nahrungsmittel (z. B. Erbsen, Bananen, Kohl, Bohnen)
  • mageres Fleisch wie Hühnchen

Verbindungen zwischen dem Endocannabinoidsystem und der Haut

Forscher haben herausgefunden, dass in der Haut Endocannabinoid-Signalwege vorhanden sind. Diese spielen für unterschiedliche biologische Prozesse eine wichtige Rolle. So konnten Forscher beobachten, dass sich die Konzentration der (körpereigenen) Endocannabinoide Anandamid und 2-AG bei Hautentzündungen steigt. Es wird vermutet, dass dies die Antwort des Körpers ist, um Entzündungen zu reduzieren. Ebenso scheint das Endocannabinoidystem in den Hautzellen eine wichtige Funktion zu übernehmen. Denn die Endocannabinoide können die Entwicklung der Hautzellen auf unterschiedliche Weise beeinflussen, insbesondere bei der Bildung der Epidermis (äußerste Zellschicht der Haut).

Im Jahr 2014 konnten US-Forscher der Johns Hopkins School of Medicine im Rahmen ihrer Studie zeigen, dass Cannabinoide zur Symptomlinderung bei Hautkrankheiten hilfreich sein können. So stellen die Cannabinoidrezeptoren in der Haut attraktive Ziele für die therapeutische Verwendung von Cannabinoiden zur Behandlung von dermatologischen Erkrankungen dar.

Entzündungshemmende Wirkung von Cannabis

In den vergangenen Jahren gab es einige Studien, die Hinweise darauf liefern konnten, dass die Cannabinoide THC und insbesondere CBD entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. Besonders interessant ist hier eine Studie der Universität in Bonn. Hier konnten die Forscher in Laborstudien nachweisen, dass THC und CBD Hautrötungen lindern konnten. Außerdem schien sich THC auch auf allergische Entzündungen positiv auszuwirken.

Aktuelle Studien zu CBD.

Cannabis-Topicals: Direkte Anwendung auf der Haut

Bei Hautproblemen können Cannabisprodukte in Form von Cremes oder Lotionen, die äußerlich auf die Haut aufgetragen werden, hilfreich sein. Hanfsamenöl könnte beispielsweise dazu beitragen, die mehrfach ungesättigten Fettsäuren in der Oberhaut zu erhöhen, um das gestörte Gleichgewicht wieder herzustellen.

Des Weiteren sind auch verschiedene Hanfkosmetika erhältlich. Jedoch sollte beim Kauf dieser Produkte darauf geachtet werden, dass diese keine chemischen Zusätze enthalten, um die Haut nicht zu reizen. Von Vorteil ist hingegen es, wenn den Produkten natürliche Zusatzstoffe wie Bienenwachs oder Aloe Vera hinzugefügt werden.

CBD-Öl, das direkt auf die Haut aufgetragen wird, könnte eine weitere Behandlungsalternative sein. Denn das Öl könnte sich beruhigend und entzündungshemmend auf die Haut auswirken. Mittlerweile gibt es zudem auch Cremes und Lotionen auf CBD-Öl-Basis, die auch pflegende Bestandteile wie Kokosöl oder Sheabutter enthalten.

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Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

 

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