Sachsen-Anhalt: Cannabis als Medizin ist gefragt

Autor: Gesa Riedewald

Verõffentlicht am: 2. August 2018

Geändert am: 2. August 2018

Cannabishaltige Arzneimittel sind bei Patientinnen und Patienten in Sachsen-Anhalt stetig nachgefragt. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) prüfte im ersten Halbjahr 2018 bereits rund 300 Anträge, wie eine Sprecherin mitteilte. Allerdings liegt Sachsen-Anhalt in puncto Cannabis-Verordnungen deutlich hinter den meisten Bundesländern.

Sachsen-Anhalt: Cannabis als Medizin ist gefragt

In Sachsen-Anhalt gingen bei der AOK 121 Anträge auf Behandlung mit Cannabis als Medizin ein. Bei der Barmer waren es 69. Die Nachfrage entspreche damit in etwa der des Vorjahres, erklärten die Krankenkassen. Von Juni bis Dezember 2017 erstellte der MDK im Auftrag der Kassen in Sachsen-Anhalt 337 Gutachten.

Cannabis als Medizin wichtiger Baustein der Patientenversorgung

„Medizinischer Cannabis ist aus der Versorgung schwer kranker Menschen heute nicht mehr wegzudenken. Es ist aber kein Allheilmittel“, so Barmer-Chef Christoph Straub.

Straub erklärte weiterhin, dass die Entscheidung, ob eine Cannabis-Therapie bei einem Schwerkranken sinnvoll sei, für ihn immer eine individuelle Entscheidung darstelle. Nutzen und Risiken müssen für jeden Patienten gegeneinander abgewogen werden.

Bis zu 14.000 Cannabis-Patienten deutschlandweit

In ganz Deutschland werden derzeit zwischen 12.000 und 14.000 Patientinnen und Patienten mit Cannabis als Medizin versorgt. Das ergab eine Antwort des Bremer Senats auf eine parlamentarische Anfrage der FDP vom Juni dieses Jahres. Die Daten gehen auf eine Befragung der größeren Landesverbände der gesetzlichen Krankenkassen zurück.

Diese bundesweiten Patientenzahlen ergeben sich aus den Abrechnungsdaten der Kassen und beziehen sich auf den Zeitraum ab März 2017. Die Zahl der Cannabis-Patienten entspreche der Zahl der genehmigten Anträge der gesetzlichen Krankenkassen.

Sachsen-Anhalt: deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt

Eine Aufschlüsselung nach Bundesländern oder Städten müssen die Krankenkassen nicht vornehmen. Allerdings hat die Techniker Krankenkasse (TK), eine der größten deutschen Kassen, im Mai ihren gemeinsam mit der Universität Bremen erstellten „Cannabis-Report“ vorgelegt. Leafly.de berichtete.

Wie aus den Daten der TK hervorgeht, wird in den neuen Bundesländern generell seltener Medizinalhanf verschrieben. Sachsen-Anhalt liegt mit rund 77 Cannabis-Verordnungen pro 100.000 Versicherten deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Dieser beträgt 123 Verordnungen. Nur in Mecklenburg-Vorpommern bekommen Versicherte noch seltener Arzneimittel auf Cannabis-Basis. Dagegen ist der Spitzenreiter das Saarland: Pro 100.000 Versicherter gibt es dort knapp 209 Cannabis-Patienten.

Die Verordnung von Cannabisblüten kostet nach Angaben der Barmer rund 1.800 Euro im Monat, ein Arzneimittel auf Cannabis-Basis bis zu 3.000 Euro.

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