Schilddrüsenkrebs und Medizinalcannabis 

Schilddrüsenkrebs kommt bei Weitem nicht so häufig vor wie andere Krebsarten. Je nach Tumorart ist die Erkrankung gut behandelbar. Medizinalcannabis kann hier als ergänzende Therapieoption zum Einsatz kommen. Ob Medizinalcannabis direkten Einfluss auf das Tumorwachstum haben, ist wissenschaftlich jedoch noch nicht bewiesen.

Schilddrüsenkrebs und Medizinalcannabis 

Das Robert-Koch-Institut gibt an, dass im Jahr 2014 insgesamt 4 280 Frauen und 1 840 Männer an Schilddrüsenkrebs erkrankt sind. Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft gibt es jedes Jahr rund 6 120 Neuerkrankungen. Zwar kann die Erkrankung in jedem Alter auftreten, oftmals erkranken Menschen jedoch zwischen dem vierten und fünften Lebensjahrzehnt.

Cannabis als Medizin zeigt vor allem bei chronischen Schmerzen sowie bei den Beschwerden Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit, die im Rahmen einer Krebserkrankung auftreten, eine gute Wirkung. Hierzu gibt es auch bereits klinische Studien, die das therapeutische Potenzial der Cannabinoide aus der Cannabispflanze wie Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) belegen können.

Inwieweit Cannabis als Medizin direkt auf ein Schilddrüsenkarzinom einwirkt, ist unklar. Zwar geben verschiedene Studien Hinweise darauf, dass Cannabinoide womöglich in der Lage sind, das Wachstum von Tumorzellen zu hemmen, die Studienlage ist jedoch sehr dünn.

Weitere Informationen zu Cannabis als Medizin und Krebs.

Bevor wir jedoch näher auf das Thema Cannabis für die medizinische Anwendung eingehen, sehen wir uns das Krankheitsbild Schilddrüsenkrebs näher an.

Welche Arten von Schilddrüsenkrebs gibt es?

Es gibt verschiedene Krebsarten bzw. Schilddrüsenkarzinome. Am häufigsten treten die folgenden vier Typen auf.

Papilläres Schilddrüsenkarzinom

Bei einem Schilddrüsenkrebs macht das papilläre Schilddrüsenkarzinom, das zu den differenzierten Karzinomen gehört, ungefähr 60 Prozent aller Krankheitsfälle aus. Frauen sind hiervon häufiger betroffen als Männer. Dabei breiten sich die Krebszellen meist über das Lymphsystem aus. Oft sind die Lymphknoten am Hals betroffen. In ungefähr 80 Prozent aller Krankheitsfälle ist dieser Schilddrüsenkrebs-Typ heilbar.

Follikuläres Schilddrüsenkarzinom

Am zweithäufigsten tritt das follikuläre Schilddrüsenkarzinom auf, das ebenfalls ein differenziertes Karzinom ist. Es macht etwa 30 Prozent aller Krankheitsausfälle aus und betrifft in der Regel Frauen. Dabei erfolgt die Ausbreitung der Krebszellen hauptsächlich über das Blut. Infolge dessen bilden sich Metastasen oft im Gehirn oder in der Lunge. Die Zehn-Jahres-Überlebensrate nach einer adäquaten Therapie beträgt ungefähr 60 bis 70 Prozent. Damit sind die Heilungsaussichten etwas schlechter als wie beim papillären Schilddrüsenkarzinom.

Medulläres Schilddrüsenkarzinom (C-Zell-Karzinom)

Das medulläre Schilddrüsenkarzinom entwickelt sich aus den C-Zellen und nicht aus den Schilddrüsenzellen (Thyreozyten). Ursache sind unterschiedliche Genmutationen. Die C-Zellen stellen das Hormon Calcitonin her. Dieses reguliert vor allem den Kalzium- und Phosphathaushaltes im Körper.

Beim medullären Schilddrüsenkarzinom produziert der Tumor zu viel Calcitonin, sodass der Kalzium-Wert im Blut sinkt. Dadurch kann es zu Gefühlsstörungen kommen. Ein weiteres Symptom sind starke Durchfälle. Denn der Tumor produziert vasoaktive Substanzen, die dann Durchfälle auslösen. Die Zehn-Jahres-Überlebensrate liegt bei dieser Schilddrüsenkrebsart bei ungefähr 50 bis 70 Prozent.

Anaplastisches Schilddrüsenkarzinom

Das anaplastische Schilddrüsenkarzinom gehört zu den undifferenzierten Karzinomen und tritt relativ selten auf. Dafür ist diese Schilddrüsenkrebsart sehr aggressiv. So wächst der bösartige Tumor sehr schnell. Dementsprechend haben sie eine schlechtere Prognose. Nach der Diagnosestellung leben Patienten im Durchschnitt nur noch ungefähr sechs Monate.

Wo bildet Schilddrüsenkrebs Metastasen?

In der Mehrheit aller Fälle geht der Schilddrüsenkrebs von den Follikelzellen der Schilddrüse aus. Hierbei handelt es sich um die Zellen, die das Schilddrüsenepithel bilden (differenzierte Schilddrüsenkarzinome). Am häufigsten unter diesen Karzinomen sind die papillären Karzinome. Die follikulären Karzinome treten hingegen seltener auf. Sie gehören auch in die Gruppe der differenzierten Schilddrüsenkrebse. So entstehen ungefähr fünf bis zehn Prozent der Karzinome aus den Calcitonin-Zellen. Ebenso selten sind die anaplastischen Karzinome (undifferenzierte Schilddrüsenkarzinome), die von den Follikelzellen der Schilddrüse ausgehen.

Unabhängig davon, in welchem Gewebe der Krebs seinen Ursprung hat, ist der Tumor zunächst auf die Schilddrüse beschränkt. Wenn der Schilddrüsentumor wächst, durchbricht er die Bindegewebskapsel der Schilddrüse und wächst in das anliegende Gewebe. Auch die Lymphknoten sowie andere Organe kann der Tumor befallen. Zudem können einzelne Krebszellen über die Blutbahn und Lymphgefäße in andere Organe wandern. Wenn sie sich dort ansiedeln und vermehren, entstehen Metastasen (Tochtergeschwülste). Am häufigsten treten Metastasen in der Leber, in der Lunge und in den Knochen auf.

Was löst Schilddrüsenkrebs aus?

Bis heute sind die genauen Ursachen nicht geklärt. Je nach Krebstyp werden unterschiedliche Ursachen vermutet:

  • Papilläres und follikuläres Schilddrüsenkarzinom: Eine ionisierende Strahlung kann die Erkrankung auslösen. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko nach einer medizinischen Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich (z. B. bei einem Lymphom).
  • Medulläres Schilddrüsenkarzinom: Hier ist ein Gendefekt bzw. unterschiedliche Genveränderungen im RET-Gen auf dem Chromosom 11 der Auslöser.
  • Anaplastische Krebserkrankung: Die Ursachen sind völlig unbekannt.

Welche Symptome bei Schilddrüsenkrebs?

Schilddrüsenkrebs: Symptome

Schilddrüsenkrebs: Symptome

Zu Beginn der Erkrankung verursacht das Schilddrüsenkarzinom in der Regel keine Symptome. Häufig wird die Krebserkrankung zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt.

Denn ein Tumor der Schilddrüse ist meist erst ertastbar, wenn er ungefähr 1,5 bis 2 Zentimeter groß ist. Von außen ist er jedoch nicht sichtbar.

 

Symptome treten erst auf, wenn das Schilddrüsenkarzinom auf die Luft- und Speiseröhre drückt oder aber die Nervenbahnen in diesem Bereich schädigt. Erste Anzeichen einer Schilddrüsenkrebserkrankung können sein:

  • Andauernde Heiserkeit: Eine Heiserkeit tritt auf, wenn der Tumor die Nervenbahnen im Kehlkopf geschädigt hat. Infolge dessen können die Stimmlippen teilweise oder ganz gelähmt sein.
  • Atembeschwerden: Engt der Tumor die Luftröhre ein, so können Betroffene nur noch schwer atmen.
  • Schluckbeschwerden: Wenn der Tumor auf die Speiseröhre drückt und diese einengt, treten Schluckbeschwerden oder aber ein Druckgefühl im Hals auf.
  • Horner-Syndrom: Dieses Syndrom entsteht dadurch, dass der Tumor Nervenbahnen beschädigt. Die Pupille eines Auges ist hier verengt (Miosis) und das Oberlid hängt herab (Ptosis). Zudem ist der Augapfel der betroffenen Seite eingesunken (Enopthalmus).

Weitere Schilddrüsenkrebssymptome

Häufig fallen die follikulären und papillären Schilddrüsenkarzinome durch geschwollen Lymphknoten am Hals auf. Hingegen kommt es beim medullären Karzinom oft zu Gefühlsstörungen oder Krämpfen der Muskulatur. Außerdem kann starker Durchfall auftreten.

Beim anaplastischen Karzinom zeigt sich eine asymmetrische Schwellung am Hals. Diese entsteht durch das aggressive Wachstum des Tumors. Weitere Beschwerden sind Heiserkeit und Schluckbeschwerden.

Untersuchungen und Diagnose

Bei einer bekannten Schilddrüsenerkrankung erfolgen in der Regel regelmäßige Blutuntersuchungen, um die Werte der Schilddrüsenhormone zu überprüfen. Gemessen werden die Schilddrüsenhormone T3 und T4 sowie das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH).

Weichen die gemessenen T3-, T4- und TSH-Werte von den Normwerten ab, erfolgt meist eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse. Hier können Ärzte erkennen, ob sich die Schilddrüse in ihrer Größe/Struktur verändert hat oder ob sich Knoten gebildet haben.

Schilddrüsenkrebs: Welche Werte sind erhöht?

Beim Schilddrüsenkrebs an sich, weisen die Hormone der Schilddrüse in aller Regel keine ungewöhnlichen Werte auf. Denn die Hormone T3 und T4 liefern hierfür keine Hinweise auf eine Krebserkrankung. Hier liefern andere Blutwerte, wie zum Beispiel der Calcitonin-Wert, Hinweise auf einen Krebs in der Schilddrüse. Da jedoch die Blutwerte generell keine eindeutige Diagnose zulassen, sind weitere Untersuchungen notwendig.

Schilddrüsenkrebs: Ultraschalluntersuchung

Schilddrüsenkrebs: Ultraschalluntersuchung

Ultraschalluntersuchung, Szintigrafie und Feinnadelpunktion

Die Ultraschalluntersuchung der gesamten Schilddrüse ist eine wichtige Methode, um Veränderungen an der Schilddrüse zu erkennen. Eine Szintigrafie ist die nuklearmedizinische Untersuchung der Schilddrüse. Hiermit kann die Funktion des Organs bildlich dargestellt werden. Außerdem dient sie dazu, gutartige und bösartige Tumore zu erkennen.

Um die Diagnose zu bestätigen, führen Ärzte eine Feinnadelpunktion durch. Anschließend erfolgt die Untersuchung der entnommenen Zellen unter einem Mikroskop.

Knoten in der Schilddrüse

Ungefähr jeder vierte Mensch hat Schilddrüsenknoten. Allerdings handelt es sich bei lediglich bei 0,2 Prozent um Krebs. Unterschieden wird zwischen warmen Knoten und kalten Knoten. Wenn sich in dem Szintigrafie-Bild ein dunkler Knoten ohne Aktivität zeigt, so handelt es sich um einen kalten Knoten. Dieser kann ein Anzeichen für Krebs sein. Jedoch liegt bei nur ungefähr drei bis zehn Prozent aller kalten Knoten ein Krebs vor.

Wenn sich der Knoten im Szintigrafie-Bild rot und aktiv zeigt, ist es ein warmer bzw. heißer Knoten. Diese treten häufig bei einer gutartigen Schilddrüsenüberfunktion auf und sind kein Anzeichen für Krebs.

Wer behandelt Schilddrüsenkrebs?

Ein Schilddrüsenkarzinom wird häufig vom Hausarzt entdeckt. Die endgültige Diagnose stellt dann meist ein Endokrinologe (Facharzt für Endokrinologie). Bei der Therapie arbeitet der Endokrinologe dann mit Chirurgen, Strahlenmedizinern und ggf. weiteren Ärzten zusammen. Oft erfolgt die Behandlung dann in einem spezialisierten Zentrum für Schilddrüsenkarzinome.

Behandlung und Therapie

Die Krebstherapie bei einem Schilddrüsenkarzinom hängt vor allem davon ab, welcher Krebs-Typ vorliegt und wie weit die Krankheit fortgeschritten ist. Zunächst erfolgt in der Regel eine teilweise oder auch vollständige operative Entfernung der Schilddrüse (Thyreoidektomie). Im Anschluss an die Operation erfolgt beim papillären und follikulärem Krebs eine Radiojodtherapie.

Was ist eine Radiojodtherapie?

Im Rahmen der Radiojodtherapie bekommt der Patient radioaktives Jod verabreicht, das die Krebszellen zerstören soll. Allerdings kann dies in der Regel nur bei einem differenzierten Schilddrüsenkarzinom passieren, weil hier die Krebszellen am Jodstoffwechsel teilnehmen. Nach einer Operation soll diese nuklearmedizinische Methode dafür sorgen, dass versteckte Krebszellen vernichtet werden.

Eine Radiojodtherapie kann Nebenwirkungen haben. Häufig treten nach der Behandlung leichte Schmerzen im Halsbereich auf. Da die Speicheldrüsen stark belastet werden, kann es auch zu einer Mundtrockenheit kommen. In Einzelfällen kann auch der Hals anschwellen, was die Einengung der Luftröhre zur Folge haben kann. In solch schweren Nebenwirkungen, die selten auftreten, verordnen Ärzte entsprechende Medikamente.

Behandlung des papillären Karzinoms

Wenn das Karzinom einen Durchmesser von weniger als 1,5 Zentimeter aufweist und der Krebs noch keine Metastasen gebildet hat, ist die Entfernung des betroffenen Schilddrüsenlappens sowie der Halslymphknoten in der Regel ausreichend.

Sollte das Karzinom jedoch größer sein und ist es schwer, dieses vom umliegenden Gewebe abzugrenzen, erfolgt die komplette Schilddrüsenentfernung und danach eine Radiojodtherapie. Danach muss der Patient lebenslang Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin) einnehmen.

(Das Medikament L-Thyroxin enthält den Wirkstoff Levothyroxin-Natrium. Dabei entspricht Levothyroxin dem Schilddrüsenhormon Thyroxin.)

Behandlung des follikulären Karzinoms

Bei diesem Karzinom erfolgt immer die operative Entfernung der Schilddrüse. Ebenso erfolgt die Durchführung der nuklearmedizinischen Therapie. Patienten müssen hier auch ein Leben lang L-Thyroxin einnehmen.

Behandlung des medullären Karzinoms

Im Rahmen der Krebstherapie wird zunächst die Schilddrüse entfernt. Nach der Schilddrüsen-OP ist eine Radiojodtherapie jedoch nicht sinnvoll. Denn die C-Zellen speichern kein Jod. Allerdings müssen auch hier die Patienten Thyroxin einnehmen. Sollten starke Durchfälle auftreten und können diese mit Medikamenten nicht gemildert werden, so erhalten Patienten in einigen schweren Fällen opioidhaltige Lösungen (Tinctura opii).

Behandlung des anaplastischen Schilddrüsenkarzinoms

Aufgrund der schlechten Prognose ist eine Operation in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Um das Schilddrüsenkarzinom zu verkleinern, wird eine äußerliche Bestrahlung durchgeführt. Ob eine Chemotherapie hilfreich ist, wird aktuell noch experimentell erprobt. Aktuell ist es nicht erwiesen, ob eine Chemotherapie einen Nutzen bringt.

Krankheitsverlauf und Diagnose

Krebspatienten mit einem papillären Tumor haben in aller Regel eine gute Prognose. Eine etwas schlechtere Prognose haben Krebspatienten mit dem follikulären und medullärem Schilddrüsenkrebs. Hingegen beträgt die mittlere Überlebenszeit von Patienten mit einem anaplastischen Karzinom lediglich sechs Monate nach der Diagnosestellung. Allerdings ist zu beachten, dass dies nur Durchschnittswerte sind. Wie die Krankheit im Einzelnen verläuft, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Eine wichtige Rolle spielt vor allem die Nachsorge. Denn nur so kann das Wiederauftreten der Erkrankung (Rezidiv) frühzeitig erkannt werden. In regelmäßigen Abständen sollte deshalb eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden.

Welche Tumormarker bei Schilddrüsenkrebs?

Zu der Nachsorge gehört auch eine regelmäßige Überprüfung der Blutwerte. Besonders wichtig sind hier die Tumormarker. Hierbei handelt es sich um bestimmte Laborwerte, die nur durch das Schilddrüsengewebe produziert werden. Sind diese Werte nach einer Schilddrüsenentfernung im Blut nachweisbar, kann dies auf ein Rezidiv hinweisen. Tumormarker bei Schilddrüsenkrebs sind vor allem Calcitonin und Thyreoglobulin.

Schilddrüsenkrebs: Cannabis als Medizin

Schilddrüsenkrebs: Cannabis als Medizin

Schilddrüsenkrebs und Cannabis für medizinische Zwecke

Zum Thema Cannabis für medizinische Zwecke ist zunächst zu sagen, dass verschiedene Studien belegen konnten, dass cannabisbasierte Medikamente und medizinische Cannabisblüten in der palliativen Krebsbehandlung sowie bei chronischen Schmerzen eine positive Wirkung zeigten.  So sind die im Rahmen einer Chemo- und Strahlentherapie auftretenden Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit mit medizinischem Cannabis gut behandelbar.

Darüber hinaus können die Cannabinoide aus der Hanfpflanze wie das psychoaktive Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und das nicht-psychoaktive Cannabidiol (CBD) als Stimmungsaufheller dienen, sodass sich die Lebensqualität der schwerkranken Patienten verbessert.

Interessante Studie zu Schilddrüsenkrebs und dem Endocannabinoid-System

Forscher der University of Athens in Griechenland haben im Jahr 2015 die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Studie veröffentlicht. Diese zielte darauf ab, die immunhistochemische Expression von CB1- und CB2-Rezeptoren in gutartigen und bösartigen Schilddrüsenläsionen (veränderte Stelle im Schilddrüsengewebe) in Verbindung mit klinisch-pathologischen Merkmalen im Zusammenhang mit der Prognose zu bewerten.

Das untersuchte Material bestand aus 87 histologisch untersuchten Proben von Schilddrüsenoperationen einer gleichen Anzahl von Patienten, die wegen gutartiger und bösartiger Läsionen einer Schilddrüsenoperation unterzogen worden waren.

Insgesamt wurden 37 hyperplastische Knoten und 6 Hashimoto-Thyreoiditis sowie 40 papilläre und 4 follikuläre Karzinome in die Studie eingeschlossen. Jedes Neoplasma wurde gemäß der WHO-Histologie-Klassifikation von Schilddrüsentumoren klassifiziert. Keiner der Patienten hatte vor der Operation irgendeine Art von Krebsbehandlung erhalten, und es gab keine klinische Vorgeschichte einer Kopf-Hals-Bestrahlung oder einer anderen Krebserkrankung.

Ergebnisse der Studie

In den Ergebnissen der Studie führen die Forscher zunächst aus, dass Endocannabinoid-System aus den Cannabinoidrezeptoren (CB1 und CB2), ihren endogenen Liganden (Endocannabinoiden) und Proteinen, die für ihren Metabolismus verantwortlich sind, besteht. Sie sind an vielen verschiedenen Funktionen beteiligt, die für die homöostatische Regulation in mehreren Geweben unerlässlich sind. Zudem üben sie auch eine krebshemmende Eigenschaft (antitumorigene Wirkung) aus.

Eine erhöhte CB1- und CB2-Expression beobachteten die Forscher signifikant häufiger bei bösartigen als bei gutartigen Schilddrüsenläsionen. Eine erhöhte CB1- und CB2-Expression wurde im Vergleich zu papillären Karzinomen ebenfalls signifikant häufiger beobachtet.

In bösartigen Schilddrüsenläsionen war eine erhöhte CB2-Expression deutlich mit dem Vorhandensein von Lymphknotenmetastasen assoziiert. Eine verstärkte CB2-Expression wurde auch häufiger bei bösartigen Schilddrüsenerkrankungen sowie bei Patienten mit erhöhtem Rezidivrisiko beobachtet, wohingegen die CB1-Expression mit keinem der untersuchten klinisch-pathologischen Parameter assoziiert war.

Die Daten der Forscher legen nahe, dass die Cannabinoidrezeptoren an der bösartigen Schilddrüsen-Transformation beteiligt sein könnten. Insbesondere der CB2-Rezeptor könnte als nützlicher Biomarker und potenzielles therapeutisches Ziel bei Schilddrüsen-Neoplasien dienen.

Cannabis als Medizin und Krebs

In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Forschung das Wissen über die Biologie und Pharmakologie von Cannabinoiden stark erweitert. Bei Säugetieren wurde gezeigt, dass Verbindungen mit ähnlichen Eigenschaften wie die Wirkstoffe von Cannabis, die sogenannten „Endocannabinoide“, wichtige Signalwege für Krebszellen modulieren, die am Wachstum und der Metastasierung von Krebszellen beteiligt sind. Verschiedene Nachweise zeigen zudem eine direkte antiproliferative Wirkung von Cannabinoid-Agonisten auf mehrere Tumorzellen in vitro und in Tiermodellen.

Italienische Forscher kommen zu ähnlichen Ergebnissen wie die griechischen Wissenschaftler. Im Rahmen ihrer Übersichtsarbeit führen sie aus, dass angesichts der Tatsache, dass die Expression von Cannabinoidrezeptoren bei bestimmten bösartigen Erkrankungen wie Gliomen, Astrozytomen und transformiertem Schilddrüsenepithel verändert sind. Demnach könnte es sein, dass die körpereigenen Cannabinoide (Endocannabinoide) eine tonische Kontrolle des Tumorwachstums ausüben. Daher könnte die Zufuhr durch Phytocannabinoide wie THC und CBD aus der Cannabis Pflanze als therapeutische Interventionen angesehen werden.

Auch wenn die Verwendung von Cannabinoiden in der klinischen Praxis weitere präklinische Forschungen erfordert, um Sicherheit, Wirksamkeit, Dosen und Verabreichungsprotokolle zu bestätigen, könnten die Cannabinoide Vorteile im Vergleich zu aktuellen Antitumor-Therapien bieten, so die Forscher.

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

 

 

 

Quellen:

Ähnliche Artikel