Präsident der Deutschen Schmerzliga äußert Kritik

Autor: Alexandra Latour

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Michael Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga und medizinischer Direktor des Instituts für Neurowissenschaften, Algesiologie und Pädiatrie in Nürnberg, hat sich jetzt zur Gesetzesänderung sowie deren Umsetzung und zu den medizinischen Aspekten von Cannabis als Medizin kritisch geäußert. Dennoch ist er für die Verwendung von Medizinalhanf.

Präsident der Deutschen Schmerzliga äußert Kritik

Michael Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga, äußerte sich kürzlich gegenüber Anwesenden, die im staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Offenburg über Cannabis als Medizin teilnahmen, wie folgt:

„Lasst es uns probieren. Was kann passieren, außer, dass wir etwas bekifft sind und es uns stimmungsmäßig besser geht“, so Überall zum Publikum.

Weiter führte Überall aus, dass die gesetzlichen Krankenkassen mehr als 50 Prozent der Anträge auf Kostenübernahme ablehnen. Seine Empfehlung: Die Anträge sollten in den Urlaubszeiten gestellt werden. Zu diesen Zeiten seien die Krankenkassen unterbesetzt, und wenn ein Antrag einen gewissen Zeitraum überschritten habe, gelte er als bewilligt.

„Die Kassen setzen sich über das Gesetz hinweg“, lautete Überalls Ansage.

Nicht jeder Antrag auf Kostenübernahme von Cannabis als Medizin sei begründet. Ebenso sei aber auch jede Ablehnung nicht unbegründet. Dennoch sehe er bei den Krankenkassen das Problem, dass diese nicht im Sinne des Gesetzes entscheiden würden, sondern dass es vielmehr um die Umsetzung von Ablehnungsvorbehalten gehe. Weiter referierte er zum Cannabis-Gesetz:

„Es wurde nicht gemacht, um den Zugang zu Cannabis zu erleichtern.“ Vielmehr sei das Gesetz entstanden, um den Eigenanbau von Cannabis zu verhindern. Dieser stand „im Widerspruch zur Weltanschauung der Regierung.“ Schließlich sei noch nie ein Gesetz so schnell im Kabinett verabschiedet worden.

Noch nie trat ein Gesetz so schnell in Kraft

Das Bundesverwaltungsgericht sprach im April 2016 das Urteil zum Eigenanbau von Cannabis. Höchstrichterlich und letztinstanzlich erhielt ein MS-Patient die Erlaubnis zum Eigenanbau zu therapeutischen Zwecken. So wurde das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die beklagte Behörde, dazu verpflichtet, dem Patienten zu erlauben, in seiner Wohnung Cannabis anzubauen, zu ernten sowie für medizinische Zwecke zu nutzen.

Nach diesem Urteil stellten über 100 weitere Patienten Anträge zum Eigenanbau von Cannabis. Nur einen Monat später wurde der Gesetzesentwurf bekannt und im März 2017 trat das neue Cannabis-Gesetz in Kraft.

Nach der Einschätzung von Überall, seien „alle Prinzipien über den Haufen geworfen, alles woran wir glaubten wie Wirksamkeit, Sicherheit, Verlässlichkeit, Studien“. Weiter erklärte Überall, dass man nicht wisse, wie Cannabis wirke und was es im Körper anstelle und es sei dennoch auf dem Markt. Das sei einmalig und das müsse zu denken geben, so Überall.

„Auch Ärzte haben keine Erfahrung damit – es sei denn, er ist ein Freak oder aus Holland“, so Überall in seiner Funktion als Präsident der Deutschen Schmerzliga.

Weiter führte Überall aus, dass zahlreiche Ärzte zögern, Cannabis als Medizin zu verschreiben. Auch er sehe das kritisch und wissenschaftliche Beweise gebe es nicht.

„Und die Erwartungen sind übersteigert. Die Wirkung sei zwar nach einem Zug da. Aber ist das Medizin oder die Droge, die benebelt, abschaltet, vom Schmerz distanziert? „, führte Überall aus.

Weiter ist Überall der Meinung, dass Cannabis bei einer neuen Regierung sowieso legalisiert werde. Dann sei es egal.

Die Deutsche Schmerzliga

Die Deutsche Schmerzliga e.V., die Organisation für Patienten mit chronischen Schmerzen, wurde von Patienten und Ärzten im Jahr 1990 als gemeinnütziger Verein gegründet. Von 1997 bis 2011 stand die Internistin, Autorin und Fernsehmoderatorin Dr. med. Marianne Koch als Präsidentin an der Spitze des Vorstands. Als Ehrenpräsidentin bleibt sie der Patientenorganisation aber weiterhin verbunden. Der Vorstand mit Präsident Priv. Doz. Dr. med. Michael A. Überall wird von einem Team in der Geschäftsstelle unterstützt. Die Deutsche Schmerzliga hat zur Zeit 4000 Mitglieder. Mehr als 100 regionale Selbsthilfegruppen haben sich unter ihrem Dach zusammengeschlossen.

Die Deutsche Schmerzliga hat das Ziel, die Lebensqualität von Menschen mit chronischen Schmerzen zu verbessern. Sie vermittelt Informationen über die Möglichkeiten der modernen Schmerztherapie, über spezialisierte Therapeuten und macht sich für das Recht der Patienten auf eine kompetente Behandlung stark. Sowohl bei den politisch Verantwortlichen als auch in der Öffentlichkeit wirbt die Deutsche Schmerzliga um Verständnis für die Probleme von Menschen mit chronischen Schmerzen.

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