Schmerzpatienten ersetzen Opioide durch Cannabis

Autor: Gesa Riedewald

Verõffentlicht am: 17. Juli 2018

Geändert am: 17. Juli 2018

Mehr als zwei Drittel der Patienten mit chronischen Schmerzen greifen lieber zu Cannabis-Produkten als zu verschreibungspflichtigen Opioiden. Das geht aus einer Studie unter Kanadiern hervor, die legal Cannabis als Medizin einnehmen dürfen. Knapp die Hälfte der Patienten, die an Kopfschmerzen und Migräne leiden, ersetzen Opioide durch Cannabis.

Schmerzpatienten ersetzen Opioide durch Cannabis

Studie untersucht Einsatz von Cannabis bei Schmerzpatienten

Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten und Kanada untersuchten den Einsatz von medizinischem Cannabis und verschreibungspflichtigen Medikamenten. Hierbei wurde besonders die Gruppe der Schmerzpatienten ins Auge gefasst, die bisher Opioide oder andere starke Schmerzmittel einnehmen mussten. Die Gruppe bestand aus über 2.000 kanadischen Patienten, die legal Cannabis als Medizin einnehmen durften. Die Studie wurde im Journal of Headache and Pain veröffentlicht.

Ergebnisse der Studie

Bei den Patienten, die an chronischen Schmerzen litten, berichteten 73 Prozent, dass sie anstelle von Opioiden Cannabis als Medizin einnehmen. Die Schmerzpatienten, die spezifisch mit Kopfschmerzen bzw. Migräne diagnostiziert wurden, gaben häufig Cannabis als Ersatz für andere Medikamente an: In 43 Prozent der Fälle waren das Opioide, bei 39 Prozent Antidepressiva, bei 21 Prozent nichtsteroidalen Antirheumatika, bei 8 Prozent Triptane und ebenfalls bei 8 Prozent Antikonvulsiva.

Cannabis kann Opioide überflüssig machen

„Die meisten Patienten in den Schmerzgruppen berichteten, dass verschreibungspflichtige Medikamente durch medizinisches Cannabis ersetzt wurden, von denen die häufigsten Opiate / Opioide waren“, schreiben die Autoren der Studie.

Für sie ist die „Opioid sparende Wirkung“ von Cannabinoiden bemerkenswert. Die Autoren weisen weiter darauf hin, dass es inzwischen viele Belege dafür gibt, dass Cannabis bei der Entwöhnung von Opioiden helfen kann und daher ein Mittel zur Bekämpfung der Opioid-Epidemie sein könnte.

Die Ergebnisse der Studie stimmen mit zahlreichen anderen überein, die feststellten, dass Patienten in medizinischen Cannabis-Programmen den Einsatz von Opioid-Analgetika (Schmerzmittel) langfristig reduzieren oder letztendlich komplett abstellen.

Was sind Opioide?

Opioide ist ein Sammelbegriff für natürliche, aus dem Opium gewonnene, oder aber synthetisch herstellte Arzneimittel mit schmerzlindernden Eigenschaften. Die Wirkung beruht auf der Bindung an endogene Opioid-Rezeptoren. Opioide sind hochpotente Wirkstoffe, die mit Vorsicht angewendet werden müssen. Eine Überdosis ist lebensgefährlich. Opioide können als Rauschmittel missbraucht werden und zu einer Abhängigkeit führen.

Opioid-Krise in den USA

Die USA werden gegenwärtig von einer tödlichsten Opioid-Krise heimgesucht. In der Altersgruppe der unter 50-Jährigen sind Drogen mittlerweile die häufigste Todesursache – noch vor Verkehrsunfällen und Waffengewalt. Grund ist, dass Opioide in den USA in den letzten Jahren sehr häufig – und teilweise leichtfertig – verschrieben wurden. Strengere Verschreibungsrichtlinien allein können das Problem jedoch jetzt nicht mehr lösen. Viele Opioid-abhängige Menschen sind bereits auf Heroin umgestiegen. Der Stoff ist günstiger, potenter und in vielen Fällen auch leichter erhältlich als Schmerzmittel auf Rezept.

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