Schweiz: Pilotprojekt „Cannabis legal vom Apotheker“ in Bern scheitert

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 20. November 2017

Geändert am: 5. Januar 2018

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verweigerte jetzt dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) sowie dem klinischen Studienzentrum (CTU) der Universität in Bern die Durchführung des Pilotprojektes „Cannabis legal vom Apotheker“.

Schweiz: Pilotprojekt „Cannabis legal vom Apotheker“ in Bern scheitert

Die von der Universität Bern geplante Studie sollte die Auswirkungen eines regulierten Verkaufes von Cannabis in Apotheken analysieren. Im Rahmen der auf drei Jahre beschränkten Studie war vorgesehen, dass bis zu 500 Konsumenten ihr Cannabis legal in der Offizin erhalten.

Voraussetzung hierfür sei, dass die Konsumenten mindestens 18 Jahre sind, keine psychoaktiven Arzneimittel einnehmen und sich nicht in psychiatrischer Behandlung befinden. Zudem müssen die Studienteilnehmer mit einer Haarprobe belegen, dass sie regelmäßig Cannabis konsumieren. Das Ausfüllen eines Fragebogens und die Teilnahme an einer Schulung wäre ebenfalls eine Voraussetzung gewesen. Außerdem werde das Experiment von Ärzten begleitet.

Hätte sich die kontrollierte Abgabe des Cannabis bewährt, so hätte dies den Weg für eine Cannabislegalisierung in der Schweiz ebnen können. Im März diesen Jahres hatte die Ethikkommission bereits ihr Einverständnis gegeben. Auch die Städte Luzern, Zürich und Biel wollten sich dem anschließen.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schob jetzt einen Riegel vor. Laut einer Pressemitteilung erklärte hierzu die Behörde:

„Für wissenschaftliche Forschungsprojekte oder für die beschränkte medizinische Anwendung können Anbau, Herstellung und Inverkehrbringen von Cannabis ausnahmsweise bewilligt werden. Der Konsum zu Genusszwecken, wie ihn die vorliegende Studie vorsieht und voraussetzt, bleibt aber in jedem Fall verboten und kann nach Betäubungsmittelgesetz nicht bewilligt werden, auch nicht im Rahmen von wissenschaftlichen Studien.“

Jetzt ist die Politik gefordert, denn es bestehe „das gesundheitspolitische Anliegen, mit solchen Studien neue Formen des gesellschaftlichen Umgangs mit Cannabis zu erforschen“. Dafür müsse das Betäubungsmittelgesetz um einen Experimentierartikel ergänzt werden. „Damit könnte das Verbot des Konsums von Cannabis zu Genusszwecken während einer bestimmten Zeit und beschränkt auf bestimmte Orte und einen bestimmten Adressatenkreis für wissenschaftlich begleitete Studien außer Kraft gesetzt werden.“

Weitere Informationen zu Patienten in der Schweiz findet man beim Medical Cannabis Verein Schweiz. Leafly berichtete.

Mehr Informationen zur Gesetzeslage in der Schweiz.

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/internationales/doch-keine-joints-aus-der-apotheke-pilotprojekt-universitaet-bern/

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