Standardisierung von medizinischem Cannabis. Regulierungen gefordert

Autor: Sandrina Koemm-Benson

Verõffentlicht am: 27. September 2017

Geändert am: 4. Januar 2018

Catherine Jacobson ist Leiterin der klinischen Forschung bei Tilray, dem kanadischen Hersteller von medizinischem Cannabis und medizinischen Cannabisprodukten. Ihre Expertise im Feld der Cannabinoiden Forschung macht sie zu einer der gefragtesten Expertinnen weltweit.

Standardisierung von medizinischem Cannabis. Regulierungen gefordert

Auch mit den Regulierungen kennt sich Jacobson aus. Doch für Europa sieht die renommierte Forscherin Probleme voraus. Das Fehlen angemessener Standards für medizinische Cannabisprodukte stellt die Regulierungsbehörden in Europa vor große Herausforderungen.

Wie sie gegenüber der „Ärzte Zeitung“ erläutert, sei der europäische Regulierungsansatz zu medizinischem Cannabis „insgesamt lobenswert“. Jacobson: „Politiker und Regulierungsbehörden akzeptieren medizinische Cannabisprodukte, sofern sie standardisiert sind, eine klar beschriebene Formulierung haben und strengen Qualitätsstandards entsprechen.“ Wünschenswert sei aus ihrer Sicht jedoch eine EU-weite Rahmen Regulierung, wie sie unter Aufsicht der europäischen Arznei Zulassungsbehörde EMA durchaus denkbar wäre.

Ein Blick auf Nordamerika offenbare Defizite im Cannabis-Handling, ergänzt sie. So seien 2015 in einer Studie 75 Produkte von Händlern in drei verschiedenen US-Städten getestet worden. Ergebnis: 80 Prozent der Produkte seien falsch ausgezeichnet gewesen. 2016 habe die kanadische Zeitung „The Globe and Mail“ Produkte von neun nicht staatlich zugelassenen Händlern in Kanada getestet und herausgefunden, dass 66 Prozent der Produkte schädliche Substanzen enthielten.

Behörden, Gesetzgeber, Mediziner und die Industrie müssen sich nach Jacobsons Ansicht gemeinsam dafür einsetzen, dass die bestmöglichen medizinischen Angebote zur Verfügung stehen.

„Die EU kann die Gelegenheit nutzen, hier die Führung zu übernehmen und ihren 500 Millionen Einwohnern eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen, indem sie Cannabinoide und medizinische Cannabisprodukte klug und effektiv reguliert, nationale Ansätze zusammenführt und es Regierungen erlaubt, im Sinne der Patientensicherheit und der Verfügbarkeit zu kooperieren“, hebt sie hervor.

Hintergrund:

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA, englisch European Medicines Agency; ehemals European Agency for the Evaluation of Medicinal Products (EMEA)) ist eine Agentur der Europäischen Union mit Sitz in London, die für die Beurteilung und Überwachung von Arzneimitteln zuständig ist.

Der Europäischen Arzneimittel-Agentur obliegt die Erhaltung und Förderung der öffentlichen Gesundheit in der Europäischen Union (EU), indem sie eine laufende Bewertung und Überwachung aller Human- und Tierarzneimittel koordiniert. Bei ihrer Arbeit bedient sie sich der wissenschaftlichen Ressourcen aus den nationalen Arzneimittelbehörden (National Competent Authorities (NCA)) der 31 Mitgliedstaaten der Europäischen Union und EWR-Staaten.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur spielt eine zentrale Rolle in der Arzneimittelzulassung in der Europäischen Union und den EWR-Staaten. Auf der Basis ihrer wissenschaftlichen Beurteilung erteilt die Europäische Kommission einen zustimmenden oder abschlägigen Bescheid auf die von Arzneimittelherstellern im zentralisierten Verfahren gestellten Zulassungsanträge.

Darüber hinaus arbeitet die Europäische Arzneimittel-Agentur eng mit internationalen Stellen zusammen, beispielsweise in der International Conference on Harmonisation of Technical Requirements for Registration of Pharmaceuticals for Human Use (ICH) sowie der International Cooperation on Harmonisation of Technical Requirements for Registration of Veterinary Medicinal Products (VICH) zur globalen Harmonisierung der Arzneimittelzulassungsbedingungen.

Quelle:

https://www.aerztezeitung.de

https://www.tilray.com/catherine-jacobson

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