Studie – Cannabis verbessert kognitive Leistung

Autor: Leafly Redaktion

Verõffentlicht am: 23. März 2018

Geändert am: 23. März 2018

Dass Cannabis die geistige Leistungsfähigkeit verbessern kann, ist unter Patienten schon lange kein Geheimnis mehr. Dabei ist die Auffassung, Cannabis würde genau das Gegenteil bewirken, nach wie vor all gegenwärtig. Dies ist vor allem den Untersuchungsergebnissen verschuldet, die sich alleine auf jugendliche Freizeitkonsumenten beziehen. Nun wurde eine Studie unter 22 Cannabispatienten aus dem Jahr 2016 ausgewertet, die ein ganz anderes Bild darstellt.

Studie – Cannabis verbessert kognitive Leistung

Jetzt hat eine amerikanische Studie aber bestätigt, was viele Cannabispatienten schon lange vermutet haben: Cannabis kann dazu beitragen, die geistige Leistung zu verbessern. Ein Team von Forschern verschiedener medizinischer Einrichtungen, unter ihnen die Klinik für Psychiatrie der Harvard Medical School in Boston und des McLean Krankenhauses in Belmont, führte dafür komplexe Untersuchungen durch. Dazu gehörten sowohl Tests zur kognitiven Leistungsfähigkeit als auch funktionelle Hirnuntersuchungen mittels eines bildgebenden Verfahrens.

Studie mit echten Cannabispatienten

Die Untersuchungen wurden mit 22 Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen durchgeführt. Zu den Teilnehmern gehörten elf Frauen und elf Männer im Alter von 28 und 74 Jahre, wobei das Durchschnittsalter 50,6 Jahre betrug. Alle von ihnen hatten mindestens einen Highschool-Abschluss, manche von ihnen sogar ein Studium absolviert. Die teilnehmenden Cannabispatienten wurden u.a. wegen chronischer Schmerzen, Angststörungen, posttraumatischer Belastungsstörungen, Schlafstörungen oder Depressionen behandelt.

Die Untersuchungen wurden vor Beginn der Cannabisbehandlung und noch einmal drei Monate nach Behandlungsbeginn durchgeführt. Bei den Untersuchungen handelte es sich um einen Multi-Source Interference-Test (MSIT), während ein funktionelles MRT durchgeführt wurde. Durch den MSI-Test konnte die geistige Leistungsfähigkeit der Patienten gemessen werden. Durch die gleichzeitigen Aufnahmen des Gehirns ließ sich zudem die durch die Testaufgaben ausgelöste Gehirnaktivierung bildlich darstellen. Diese Art der Untersuchung, zu den Auswirkungen von medizinischem Cannabiskonsum, wurde weltweit zum ersten Mal durchgeführt.

Positive Testergebnisse

Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Leistungen bei den gestellten Aufgaben und die damit verbundenen Veränderungen in den Mustern der Aktivierung im Vorderhirn der Cannabispatienten bereits nach drei Monaten verbessert hatten. Zudem ließ sich auch in der Hirnregion Gyrus cinguli eine deutliche Verbesserung feststellen. So führten die Tests vor Beginn der Behandlung zu keiner deutlichen Aktivierung dieser Hirnregion, jedoch konnte drei Monate später eine „robuste Aktivierung“ festgestellt werden, wie es die Autoren in ihrer Studie, die im Januar 2018 in der Fachzeitschrift Frontiers of Pharmacology veröffentlicht wurde, schrieben.

In dem Artikel zu der Studie heißt es: „In der Tat nahm die Stärke der Aktivierung im Verlauf der Behandlung soweit zu, dass die Aktivierungsmuster nach der Behandlung mehr denen gesunder Kontrollen ähnelten, wie sie in früheren Studien gefunden worden waren. (…) Zusammengefasst könnten diese Veränderungen eine potentielle Normalisierung der Gehirnfunktion nach drei Monaten medizinischer Marihuana-Verwendung widerspiegeln.“

Positive Nebeneffekte

Als positiven Nebeneffekt gaben die Teilnehmer zudem eine Verbesserung ihrer Stimmung und Lebensqualität, einen verbesserten Schlaf und eine geringere motorische Unruhe an. Hinter der Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit und in der Normalisierung der Hirnaktivierung vermuten die Wissenschaftler mehrere Möglichkeiten. Es könne möglich sein, dass die Linderung der Symptome zu einer Verbesserung von Stimmung und Schlaf führte, da Schmerzen und Angst bekanntlich die geistige Leistungsfähigkeit herabsetzen können.

Teilweise gaben die Studienteilnehmer auch an, andere Medikamente, die die Hirnaktivierung reduzieren können, wie Opiate, Benzodiazepine, Antidepressiva und andere Substanzen, daraufhin reduziert zu haben. Die Reduzierung dieser Medikamente könnte auch dazu geführt haben, das Muster der Hirnaktivierung positiv verändert zu haben.

Autoren weisen auf frühere Studien hin

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass frühere Studien, die sich ausschließlich mit dem Freizeitkonsum von Cannabis beschäftigten, eine Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit und entsprechende Veränderungen der Gehirnaktivität herausfanden. Es ist anzumerken, dass eine Mehrzahl dieser Studien mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen durchgeführt wurden. Die Teilnehmer der aktuellen Studie waren ausschließlich Erwachsene, deren Gehirne hinsichtlich möglicher Negativauswirkungen weniger empfindlich seien.

Mehr zum Thema auf Leafly.de:

https://www.leafly.de/studie-belegt-cannabis-verjuengt-das-gehirn/

https://www.leafly.de/neue-studie-aus-den-usa-zeigt-taglicher-cannabis-konsum-fuhrt-nicht-zu-veranderungen-im-gehirn/

Quellen:

Ähnliche Artikel