Neue Studie: Sativex lindert Schmerzen bei Multiple Sklerose

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 20. Juli 2018

Geändert am: 20. Juli 2018

Italienische Forscher bestätigten jetzt, dass das Sativex-Spray zur Linderung von Schmerzen bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) nützlich ist und auch ihre Schmerzempfindlichkeit gegenüber kalten Temperaturen verbessert.

Neue Studie: Sativex lindert Schmerzen bei Multiple Sklerose

Im Rahmen der italienischen Studie wurde die Schmerzmodulation nach der Verwendung des Cannabinoid-Sprays Sativex an MS-Patienten untersucht. Schmerz ist eines der schwächsten Symptome von Multiple Sklerose (MS); es betrifft 29 bis 86 Prozent der Patienten. Erst kürzlich hatte Leafly.de darüber berichtet, dass die Medizinische Hochschule Hannover die Sativex-Studie „Canna-Tics“ startet. Das cannabinoidhaltige Mundspray ist derzeit im wahrsten Sinn des Wortes in aller Munde.

Cannabis-Produkte sind wirksam bei der Behandlung von Schmerzen und Spastiken bei MS-Patienten

Sativex (Nabiximols) ist ein Mundspray, das zu gleichen Teilen zwei Cannabinoide enthält: Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Vermarktet wird das Produkt von GW Pharmaceuticals. In der Studie untersuchten Forscher in Italien die Fähigkeit von Sativex, neuropathische (nervenbezogene) und nozizeptive Schmerzen (Muskel- und Weichteilerkrankungen) bei MS-Patienten zu lindern. 19 MS-Patienten zwischen 18 bis 65 Jahren mit chronischen Schmerzen und Spastiken nahmen an der Studie teil. Alle Patienten erhielten einen Monat lang Sativex (im Mittel 6,9 Züge pro Tag) und die Schmerzniveaus wurden vor und nach der Behandlung beurteilt.

Ergebnisse der Studie

Die Forscher verwendeten eine numerische Bewertungsskala (NRS), um Schmerzen im Bereich von 0 bis 10 zu quantifizieren. Je höher der NRS, desto schlechter der Schmerz. Der Schmerz wurde weiter mithilfe der neurophysiologischen Technik LEP (Laserevozierte Potentiale) bewertet. Die schmerzbezogene Wärme- und Kälteantwort wurde unter Verwendung einer psychophysiologischen Technik, die quantitatives sensorisches Testen (QST) genannt wird, gemessen.

QST beurteilt die Reaktion auf schmerzhafte Reize (Hyperalgesie) und die Reaktion auf einen Reiz, der keinen Schmerz auslöst (Allodynie). Die Patienten wurden gebeten, anzugeben, wann sie Hitze oder Kälte festgestellt hatten und wie lange sie die Hitze oder Kälte ertragen konnten, um die Schmerzschwellen zu bestimmen.

Die Forscher verglichen die Ergebnisse mit den Daten von 20 gesunden Freiwilligen, die nach Geschlecht und Alter auf die analysierte Patientengruppe abgestimmt waren. Das Hauptergebnis der Studie war, dass 74 Prozent der Patienten eine Schmerzreduktion von 20 Prozent nach der Sativex-Behandlung berichteten, was sich in einer signifikanten Reduktion der NRS-Werte zeigte.

Sativex verringert die Kälteschmerzschwelle bei MS-Patienten

Im Vergleich zu gesunden Studienteilnehmern haben Multiple Sklerose Patienten eine verminderte Ober- und Unterschenkelschmerzreaktion, was darauf hindeutet, dass sie einen höheren Verlust von Schmerz- und Temperaturempfindungen in ihren Gliedmaßen haben. Bei Patienten nach der Sativex-Behandlung wurde jedoch keine signifikante Veränderung dieser beobachtet. Dennoch wurde festgestellt, dass die Sativex-Behandlung die Kälteschmerzschwelle bei MS-Patienten durch den QST-Test signifikant verbesserte.

Die Wahrnehmung abnormer kalter Temperaturen wurde von 39,5 Prozent vor der Behandlung auf 28,9 Prozent nach der Sativex-Therapie in den Füßen und von 35,5 Prozent auf 25 Prozent in den Händen reduziert. Da der Schmerz als Reaktion auf die Temperatur reduziert wurde, stellten die Forscher die Hypothese auf, dass Sativex über die TRP-Kanäle (transient receptor potential) – die zellulären Sensoren für Kälte- und Hitzestimuli – wirken könnte.

„Zusammenfassend bestätigt unsere Studie weitere Belege für die Wirksamkeit von Sativex bei der Schmerzreduktion bei MS-Patienten. Darüber hinaus deuten unsere Ergebnisse auf eine mögliche direkte Wirkung von Cannabinoiden auf TRP-Kanäle durch Modulation oder Desensibilisierung von Cold-Channel-Funktionen hin „, schlussfolgerte das Forscherteam.

 

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