Terpene: Die unterschätzten Geschmacksaromen der Cannabistherapie

Autor: Sandrina Kömm-Benson

Verõffentlicht am: 21. Mai 2017

Geändert am: 8. Juni 2017

Das Aroma der Cannabispflanze hat je nach Sorte eine beruhigende oder anregende Wirkung auf Geist und Körper. Ob fruchtig-süßer Duft oder kräftiger Geruch, der einer geöffneten Blüte entweicht, sie haben alle etwas gemeinsam: hinter den komplexen und aromatischen Düften verbirgt sich mehr.

Terpene: Die unterschätzten Geschmacksaromen der Cannabistherapie

Was sind Terpene?

Terpene sind chemische Verbindungen, die für den Geruch von Pflanzen verantwortlich sind. Ihre besonderen Eigenschaften werden immer mehr geschätzt. Terpene werden von denselben Drüsen abgesondert, die auch Cannabinoide wie THC und CBD produzieren. Diese intensiven Öle sind für die charakteristischen Geschmacksaromen der verschiedenen Cannabisarten verantwortlich, so z.B. Zitrus, Beere, Minze und Kiefer.

Wofür sind Terpene in der Cannabispflanze zuständig?

Wie auch bei anderen geruchsintensiven Pflanzen haben die Terpene im Cannabis eine Funktion im Überlebenskampf: Sie sollen Räuber abwehren und Bestäuber anlocken. Die Produktion der Terpene unterliegt zahlreichen Faktoren: klimatische Bedingungen, Witterungsverhältnisse, Alter und Reife, Düngemittel, Bodentyp und sogar die Tageszeit. In der Cannabispflanze hat man über 100 verschiedene Terpene entdeckt, und jede Sorte hat ihren eigenen Terpen-Typ und eine eigene Terpen-Zusammensetzung.

Terpene können mehr als nur gut duften

Wie riecht Cannabis? Die breite Palette der Geschmacksaromen von Cannabis ist an sich schon beeindruckend. Die faszinierendste Eigenschaft der Terpene ist jedoch ihre Fähigkeit, mit anderen Stoffen der Pflanze (zum Beispiel mit Cannabinoiden) synergetisch zusammenzuwirken. In den vergangenen Jahrzehnten konzentrierten sich die Züchter der meisten Cannabisarten auf einen hohen THC-Gehalt, was zur Folge hatte, dass andere Cannabinoide wie CBD nur noch in sehr geringen Mengen enthalten waren. Daher ging man häufig davon aus, dass Terpene eine Schlüsselrolle bei der Unterscheidung der Effekte verschiedener Cannabis-Sorten spielen.

So wirken Terpene im menschlichen Organismus

THC dockt an Cannabinoidrezeptoren an, die stark konzentriert im Gehirn vorkommen, wo psychoaktive Effekte erzeugt werden. Einige Terpene docken jedoch auch an diese Rezeptorstellen an und wirken auf ihre chemischen Prozesse. Andere Terpene wiederum können beeinflussen, wie viel THC die Blut-Hirn-Schranke passiert. Sie wirken sogar auf Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin, indem sie deren Produktion und Destruktion sowie ihre Bewegung und die Verfügbarkeit von Rezeptoren modifizieren. Die sich aus diesen Mechanismen ergebenden Effekte weichen je nach Terpen voneinander ab. Einige bewirken eine stressmindernde Wirkung, sind also pflanzliche Beruhigungsmittel, andere wiederum fördern die Konzentration und schärfen die Sinne. So unterstützt Myrcen den Schlaf als pflanzliches Schlafmittel, während Limonen die Stimmung hebt. Es gibt aber auch nicht wahrnehmbare Effekte wie zum Beispiel die magenschützenden Eigenschaften von Caryophyllen.

Der medizinische Nutzen von Terpenen

Auch wenn die Unterschiede mitunter gering sind, können Terpene für Züchter und Experten wichtige Zusatzmerkmale darstellen. Am wichtigsten ist jedoch, dass Terpene einen zusätzlichen medizinischen Nutzen bieten, weil sie die Kommunikation zwischen Körper und therapeutischen Cannabinoiden vermitteln. Die Inhaltsstoffe der Terpene werden derzeit in vielen Cannabis-Analyselaboren getestet, um Patienten eine bessere Vorstellung von der Wirkung der verschiedenen Terpene zu ermöglichen. Dank ihrer unbegrenzt vielen Kombinationen an Synergieeffekten werden Terpene voraussichtlich völlig neue wissenschaftliche und medizinische Bereiche in der Cannabisforschung erschließen.

Häufig verwendete Cannabis-Terpene

Alpha-Pinen und Beta-Pinen
Aroma: Kiefer
Wirkung: Wachsamkeit, Merkfähigkeit, wirkt einigen THC-Effekten entgegen
Therapeutische Wirkungsbereiche: Asthma, antiseptische Wirkung
Findet sich auch in: Kiefernnadeln, Rosmarin, Basilikum, Petersilie, Dill

Myrcen
Aroma: Moschus, Gewürznelke, Erdaromen, Kräuter mit Noten von Zitrus und tropischen Früchten
Wirkung: beruhigend, entspannend
Therapeutische Wirkungsbereiche: antioxidativ, krebshemmend; hilft bei Muskelverspannung, Schlaflosigkeit, Schmerzen, Entzündungen und Depressionen
Findet sich auch in: Mango, Zitronengras, Thymian, Hopfen

Limonen
Aroma: Zitrus
Wirkung: stimmungsaufhellend, stresslindernd
Therapeutische Wirkungsbereiche: antifungal, antibakteriell, krebshemmend, löst Gallensteine auf, Stimmungsaufheller; geeignet zur Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden, Sodbrennen und Depressionen
Findet sich auch in: Fruchtschalen, Rosmarin, Wacholder, Pfefferminze

Caryophyllen
Aroma: Pfeffer, würzig, holzig, Gewürznelke
Wirkung: keine bekannten körperlichen Effekte
Therapeutische Wirkungsbereiche: Magenschützend, entzündungshemmend; hilft bei Arthritis, Geschwüren, Autoimmunerkrankungen und Magen-Darm-Beschwerden
Findet sich auch in: schwarzem Pfeffer, Gewürznelke, Baumwolle

Linalool
Aroma: blumig, Zitrus, süß
Wirkung: angstlösend und beruhigend
Therapeutische Wirkungsbereiche: angstlösend, krampflösend, antidepressiv, wirkt gegen Akne
Findet sich auch in: Lavendel

*Hinweis: Der Terpengehalt ist nicht in jeder Charge gleich hoch, einzelnen weil die Terpenbildung bei den Sorten von den verschiedenen Zuchtbedingungen abhängt. Um den Gehalt sicher zu ermitteln, ist eine Laboranalyse zum Terpengehalt erforderlich.

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