Cannabis als Therapieoption bei neurodegenerativen Erkrankungen

Autor: Alexandra Latour

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Die US-amerikanische Ärztin Dr. Weiner führt in einem Artikel aus, dass Cannabis eine Therapieoption bei Patienten mit neurodegenrativen Erkrankungen sei und führt hierzu interessante Studien an.

Cannabis als Therapieoption bei neurodegenerativen Erkrankungen

Im Online-Magazin „MIAMI´S COMMUNITY NEWSPAPER“ wurde jetzt ein Artikel von der amerikanischen Medizinerin Dr. Michelle Weiner, die Praxen in Miami, Hollywood und Boca unterhält, zum Thema „Cannabis als Therapieoption für Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen“ veröffentlicht.

Cannabinoide können vor allem Älteren helfen

Sie führt aus, dass immer mehr Ärzte ihren Patienten naturheilkundliche Therapien anbieten. 92 Prozent der Senioren würden an einer und 77 Prozent mindestens an zwei chronischen Erkrankung leiden. Die Fähigkeit des Körpers, die Homöostase (Gleichgewicht der physiologischen Körperfunktionen) mit fortschreitendem Alter aufrechtzuerhalten, sei schwierig, insbesondere wenn Arzneimittel ins Spiel kommen, so Dr. Weiner.

Durch präzise genetische Mechanismen werden viele verschiedene Arten von exzitatorischen und inhibitorischen Neuronen aus verschiedenen Arten von neuralen Stammzellen erzeugt. Der Prozess der Neuronenbildung kann die Gedächtnisfunktion verbessern. Wenn wir älter werden, zeigen die neuralen Stammzellen und ihre Vorläuferzellen eine verminderte Proliferation und Neuronenproduktion, von der angenommen wird, dass sie zu altersbedingten kognitiven Beeinträchtigungen und reduzierter Plastizität beitragen.

Cannabinoide können die Neurogenese unterstützen

In den frühen 1990er Jahren wurde entdeckt, dass unser Körper Endocannabinoide produziert, die unsere Endocannabinoidsystem aktivieren, die in der Struktur den Phytocannabinoiden aus der Cannabispflanze ähnlich sind. Diese Cannabinoide können eine Neurogenese (Bildung von Nervenzellen aus bestimmten Stamm- oder Vorläuferzellen) unterstützen, führt Dr. Weiner in ihrem Artikel aus.

CBD gegen neurodegenerative Erkrankungen

CBD beschreibt Dr. Weiner als Cannabinoid mit enormen medizinischen Vorteilen, ohne dass es psychoaktiv wirkt. Durch die Einnahme von CBD können die Funktionen des Endocannabinoidsystems verbessert werden. So sei CBD ist ein neuroprotektives, antioxidatives und entzündungshemmendes Mittel, das oxidativen Stress, Stickoxidsynthase, Lipidperoxidation, freie Radikale und mitochondriale Dysfunktionen verringern kann, umso gegen neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, ALS, MS eingesetzt zu werden.

Weiter führt Dr. Weiner aus, dass beispielsweise ein Alzheimer-Patient oder ein Patient mit einer traumatischen Hirnverletzung mithilfe von CBD die Konzentrationsfähigkeit verbessern, Angstzustände reduzieren und die Schlafqualität verbessern könne. So hält CBD die Calciumhomöostase aufrecht und hemmt das Glutamat, wodurch die Exzitotoxizität wird. Mit dem Begriff Exzitotoxizität wird die Schädlichkeit von Neurotransmittern wie Glutamat bezeichnet, die zu einer Reizüberflutung der Nervenzelle und infolge dessen zur Apoptose (Zelltod) des Neurons führen kann.

Präklinische Tierstudien, die im International Journal of Neuropsychopharmacology veröffentlicht wurden, zeigen, dass CBD das Gehirnwachstum im Hippocampus von Mäusen fördert. Die anxiolytische Wirkung von CBD auf chronisch gestresste Mäuse hängt von der hippokampalen Neurogenese und der Beteiligung des Endocannabinoidsystems ab. Das Scripps Research Institute berichtete, dass „Cannabis auch das Fortschreiten der Demenz verlangsamen könnte.“

THC zur Linderung von Demenz-Symptomen

Im Jahr 2016 untersuchten israelische Forscher THC, um die Symptome einer Demenz zu lindern. Studien, die an der Universität Bonn und der Hebräischen Universität in Nature Medicine veröffentlicht wurden, zeigen, dass THC das Enzym hemmt, das für die Aggregation von Amyloid-Plaques, dem Kennzeichen der Alzheimer-Demenz, verantwortlich ist. THC konnte die kognitiven Funktionen in älteren Tiergehirnen verjüngen.

In der Zeitschrift für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie im Jahr 2013 wurde ausgeführt, dass THC bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit nützlich ist, indem es zur Vorbeugung von Schäden beiträgt, die durch freie Radikale verursacht werden.

Eine neue Studie des Centers for BrainHealth an der Universität von Texas in Dallas zeigt, dass der THC-Spiegel direkt mit Veränderungen in der Sauerstoffverwertung des Gehirns korreliert. Chronische Cannabiskonsumenten hatten einen höheren zerebralen Blutfluss und extrahieren mehr Sauerstoff aus dem Bluthirnfluss als Nichtnutzer. Der Blutfluss im Putamen, einem Bereich im Gehirn, der mit Belohnung, Lernen und Gewohnheit verbunden ist, war bei den Benutzern ebenfalls größer.

Da Cannabis Blutgefäße erweitern kann, den Mechanismus, für den es bei Glaukom verwendet wird, kann es auch zusätzliche Kreislaufwege entwickeln und wird derzeit an Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten untersucht.

Fazit von Dr. Weiner

Dr. Weiner führt abschließend aus, dass Cannabis eine Therapieoption für Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen sei und für diejenigen, die die Funktionen ihres Endocannabinoidsystems fördern möchten. Denn das Endocannabinoidsystem habe neuroprotektive und entzündungshemmende Fähigkeiten. Angesichts des günstigen Sicherheitsprofils von Cannabis und dank der fortschreitenden Forschung, könnte es durch die Modulation des Endocannabinoidsystems zu neuen Therapien zur Vorbeugung von Krankheiten oder zum Fortschreiten der Symptome führen, so Dr. Weiner.

 

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

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