Thüringen: 860 Anträge auf Cannabis-Behandlung

Im Bundesland Thüringen haben vier große Krankenkassen rund 860 Anträge auf Behandlung mit Cannabis erhalten. 62 Prozent wurden genehmigt. Damit liegt Thüringen leicht hinter dem Bundesdurchschnitt von 64 Prozent. Experten erwarten weiterhin steigende Verordnungszahlen.

Thüringen: 860 Anträge auf Cannabis-Behandlung

Thüringen: Krankenkassen genehmigen knapp 62 % der Anträge

In Thüringen haben die Krankenkassen AOK Plus, Barmer, IKK Classic und die Thüringer Betriebskrankenkasse (TBK) zusammen 529 Kostenerstattungen einer Cannabis-Behandlung genehmigt. Mehr als zwei Jahre nach der Legalisierung von Cannabis als Medizin sind bei diesen Krankenkassen insgesamt 857 Anträge eingegangen. Das teilte das Sozialministerium laut der „Welt“ mit. Zahlen weiterer Krankenkassen lagen nicht vor.

Damit werden im Bundesland Thüringen 61,7 Prozent der Anträge auf Kostenerstattung genehmigt – jedenfalls bei diesen vier gesetzlichen Krankenkassen zusammen. Die Quote in ganz Deutschland liegt bei 64 Prozent. Das ergab die Leafly Umfrage bei den den vier großen Krankenkassen AOK, Barmer, Techniker und DAK. (Leafly.de berichtete.) Thüringen liegt also etwas hinter dem Bundesdurchschnitt bei den Genehmigungen.

Cannabis als Medizin kommt vor allem bei chronischen Schmerzen zum Einsatz, wie eine Sprecherin der AOK Plus erklärte:

„Am häufigsten verordnet werden die verschiedensten Cannabis-Produkte mit gut 50 Prozent für chronische Schmerzen unterschiedlicher Genese.“

Thüringen liegt bei Cannabis-Verschreibungen im Mittelfeld

In Deutschland gibt es starke regionale Unterschiede bei den Rezepten für Cannabis. Laut INSIGHT Health werden die meisten Rezepte pro gesetzlich Versicherten in Bayern und Baden-Württemberg ausgestellt. An zweiter Stelle liegen das Saarland und Hamburg, gefolgt von Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Das Schlusslicht in Deutschland beim Verschreiben von Cannabis auf Rezept ist Sachsen. Danach folgen Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. (Leafly.de berichtete.)

Thüringen liegt bei den ausgegebenen Cannabis-Rezepten im Mittelfeld: Wurden in Bayern und Baden-Württemberg 6 Rezepte pro 10.000 GKV-Versicherte ausgegeben, waren es in Thüringen 3,2 bis 4. In Sachsen dagegen waren es lediglich unter 2 Cannabis-Rezepte pro 10.000 Versicherte.

Deutschlandweit mehr als 22.000 Cannabispatienten

Aus der Leafly Umfrage geht hervor, dass deutschlandweit inzwischen mehr als 22.000 Menschen eine Behandlung mit Cannabis erhalten – und das nur allein bei den vier großen gesetzlichen Krankenkassen. Die kleineren gesetzlichen Versicherer sowie die Privatpatienten kommen noch hinzu.

Erwartungsgemäß sind bei der größten deutschen Krankenkasse, der AOK, auch bundesweit am meisten Anträge eingegangen – nämlich 19.000. Nach eigenen Angaben der Kasse liegt der Anteil an zugelassenen Anträgen bei 63 Prozent. Bei der Barmer sind 8.539 Anträge eingegangen, von denen 5.834 angenommen wurden. Das entspricht einer Quote von 68 Prozent. Bei der TK fragten 4.286 Versicherte nach einer Kostenübernahme ihrer Cannabis-Behandlung. 2.809 von ihnen wurde diese genehmigt – das sind 66 Prozent. Die DAK hat 2.400 Anträge erhalten und nach eigenen Angaben rund 60 Prozent davon bewilligt.

Cannabis-Verordnungen werden weiterhin zunehmen

Die Zahl der Anträge sei deutschlandweit weit höher als ursprünglich angenommen, so Wolfgang Straßmeir, Geschäftsführer des Berufsverbandes der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin. Allerdings schwankten die Zahlen der Genehmigungen zur Kostenübernahme je nach Bundesland und seien regional unterschiedlich. Straßmeir erwarten aber, dass die Nachfrage nach Cannabis als Medizin ungebrochen ist:

„Wir gehen davon aus, dass die Verordnungen noch zunehmen werden.“

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