Thüringen: Suchtexperten gegen Cannabislegalisierung

Autor: Gesa Riedewald

Verõffentlicht am: 26. April 2018

Geändert am: 26. April 2018

Das Thema Cannabis-Legalisierung wird derzeit hitzig diskutiert. Im Bundestag machen sich Die Linke, die Grünen und die FDP für eine liberalere Cannabispolitik stark. In Thüringen dagegen haben sich gerade Suchthilfe und Polizei gegen eine Cannabis-Legalisierung ausgesprochen.

Thüringen: Suchtexperten gegen Cannabislegalisierung

Beim Öffentlichkeitstag des Suchthilfezentrums Nordhausen, Thüringen, diskutierten Experten aus verschiedenen Bereichen darüber, wie sich Drogenkonsum und Drogenkriminalität im Landkreis entwickelt haben. Darüber hinaus ging es um eine mögliche Liberalisierung der Cannabispolitik.

Experten in Thüringen sprechen sich gegen Cannabislegalisierung aus

Dirk Rzepus, Leiter des Nordhäuser Suchthilfezentrums, lehnt eine Cannabislegalisierung ab. Vor allem betont er die gesundheitlichen Risiken von Cannabis. Außerdem lasse eine legale Verfügbarkeit manch einen eher zur Droge greifen: „Steht kein Geschwindigkeitsschild an der Straße, rauschen manche auch mit Vollgas durch.“

Auch Kripochef Detlef Grabs spricht sich gegen die Legalisierung aus. Allein die Diskussion könnte Hemmschwellen senken, befürchtet der Beamte.

Der Vertreter der Ärzteschaft schließt sich der Meinung von Suchthilfe und Polizei an: Eckart Grau, ärztlicher Direktor des Krankenhauses Elbingerode und Chefarzt der Suchtrehabilitation, betont das Risiko, dass Cannabis Psychosen hervorrufen kann. Cannabis werde in seiner Wirkung unterschätzt: „Wir reden nicht mehr von dem Woodstock-Stoff.“ Inzwischen hätte Cannabis den 40- bis 50-fachen THC-Gehalt.

Umfrage: 50 % der Jugendlichen in Thüringen konsumieren Cannabis

Die Arbeit einer studentischen Forschungsgruppe der Hochschule Nordhausen zeigt, dass der Drogenkonsum junger Menschen in Thüringen steigt: Die Studenten hatten Schüler von sieben Schulen im Landkreis Nordhausen sowie Studentinnen und Studenten der Hochschule zu ihrem Drogenkonsum befragt. Der Genuss von Alkohol und Zigaretten wurde nicht erhoben. Das Alter der Befragten lag zwischen 12 und 35 Jahren – wobei die meisten jugendlich waren.

Das Ergebnis:

  • Jeder zweite Befragte hat schon einmal Drogen konsumiert, jeder sechste ist dabei geblieben
  • Rund 50 Prozent konsumieren Cannabis – die Droge Nummer eins
  • Als Gründe für den Konsum wurden „Spaß und Entspannung“ genannt, gefolgt von Leistungsdruck
  • Zehn Prozent der jungen Menschen gaben an, nicht mehr von alleine aufhören zu können.
  • Sowohl der Einstieg als auch die Hochphase des Konsums liegt bei Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren
  • Mit zunehmenden Alter sinken die Zahlen wieder. Das bedeutet, dass Prävention bereits früh in der Schule beginnen muss.

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Umfrage: Cannabis fungiert nicht als Einstiegsdroge. Die Jugendlichen blieben meist bei der einmal getesteten Droge. Lediglich 15 Prozent der Befragten wechselten von Cannabis zu anderen Drogen.

In der Suchthilfe rangiert Cannabis hinter Alkohol und harten Drogen

Die Zahlen der Suchthilfe Nordhausen zeigen ebenfalls: Obwohl Cannabis in der Drogenstatistik ganz weit oben liegt, spielt es in der Suchthilfe keine zentrale Rolle. Alkohol und harte Drogen sind hier weitaus problematischer.

Fazit

Obwohl die Offiziellen dem Thema gegenüber offen eingestellt sind,  hat Thüringen in Sachen Cannabis als Medizin noch viel Aufklärungsarbeit auf allen beteiligten Seiten vor sich.

Quellen:

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