Tschechien: Alkoholmissbrauch größer als Cannabiskonsum

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 19. Dezember 2017

Geändert am: 7. März 2018

Vor Kurzem wurde der Drogenbericht zur Tschechischen Republik veröffentlicht, Jindřich Vobořil, Drogenbeauftragter Tschechiens, fasste die Ergebnisse zusammen: Missbrauch von Alkohol und Tabak steigt, während der Drogenkonsum abnimmt.

Tschechien: Alkoholmissbrauch größer als Cannabiskonsum

Der Drogenbericht der Regierung von Tschechien umfasst illegale und legale Rauschmittel. Jindřich Vobořil erklärte hierzu:

„Nach mehreren Jahren sinkt endlich die Zahl der problematischen Nutzer illegaler Drogen in Tschechien. Allerdings liegt der Missbrauch von Alkohol und Tabak weiter sehr hoch im Vergleich zum Rest der Welt und der Europäischen Union.“

In Tschechien sollen laut Vobořil rund 640 000 Menschen seit mehr als 15 Jahren risikoreich Alkohol konsumieren. Auch bei Cannabis hatte das Land viele Jahre Spitzenränge inne. In kaum einem anderen Land konsumierten so viele junge Erwachsene Cannabis.

Der aktuelle Drogenbericht zeigt jedoch, dass sich dies geändert hat. Der Leiter des tschechischen Drogenbeobachtungszentrum Viktor Mravčík äußert hierzu:

„Aus den vergangenen fünf Jahren haben wir drei Studienreihen zur Verfügung. Und alle zeigen eine Stabilisierung oder einen Rückgang bei der Nutzung von Cannabis seit 2008. Die Zahlen beziehen sich sowohl auf die Gesamtbevölkerung als auch auf junge Menschen im Alter von 15 bis 34 Jahren. Denselben Trend zeigen die Studien auch für weitere illegale Substanzen, ob das Ecstasy, Crystal, Kokain oder halluzinogene Pilze sind.“

Weiter wird ausgeführt, dass Cannabis in Tschechien immer noch die beliebteste illegale Droge sei und dass rund 100 000 diese risikoreich nutzen. Harte Drogen konsumieren rund 47 000 Menschen, davon greifen allein 34 000 Menschen zu der Droge Crystal Meth. Hierzu äußerte sich Viktor Mravčík wie folgt:

„Auf der einen Seite nehmen immer weniger Leute Crystal, auf der anderen steigt der Missbrauch von opioiden Analgetika, also von Schmerzmitteln auf Opiumbasis. Insgesamt ist die Zahl nicht hoch, sie liegt unseren Schätzungen nach bei etwa 1700 Menschen. Doch es ist zu einem signifikanten Anstieg gekommen. Die Lage ist ähnlich wie in den 1980er Jahren zu kommunistischen Zeiten, als die gängigen illegalen Drogen in der Tschechoslowakei nicht zu bekommen waren.“

Gerade der Schmerzmittelmissbrauch ist ein gefährlicher Trend, der in vielen westlichen Ländern zu beobachten ist. Bei der Zahl tödlicher Überdosierungen von Schmerzmitteln und illegalen Drogen stehe Tschechien vergleichsweise noch gut da, so Mravčík. Weiter führt er aus, dass der tödliche Alkoholmissbrauch mindestens zehnmal höher liege.

Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle hatte Tschechien zuletzt für die Bemühungen, wie beispielsweise die Versorgung von Heroinabhängigen und Substitutionsprogrammen, in der Drogenpolitik gelobt. Mravčík erklärte jedoch zu den Substitutionsprogrammen:

„Bei den Substitutionsprogrammen beobachten wir in den vergangenen fünf Jahren keine Verbesserung. Der Anteil in Tschechien ist relativ niedrig. Nicht ganz ein Drittel der Abhängigen ist in Drogenersatztherapie, während es in den Ländern westlich von uns meist 60 Prozent sind.“

Tschechien: Die „Niederlandisierung“ blieb aus

Im Nachbarland Tschechien ist die medizinische Anwendung von Cannabis schon seit April 2013 erlaubt. Darüber hinaus fand bereits 2010 eine weitgehende Entkriminalisierung der Droge statt. Innerhalb gesetzlich festgelegter Grenzen werden Besitz und Anbau von Cannabis schlimmstenfalls als Ordnungswidrigkeit geahndet: Bis zu 10 Gramm Marihuana oder 5 Gramm Haschisch können die Tschechen zum Eigenbedarf mit sich führen oder bis zu 5 Cannabis-Pflanzen anbauen ohne ernsthafte strafrechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen.

Die von vielen Konsumenten erhoffte „Niederlandisierung“ der Tschechischen Republik ist allerdings bislang nicht eingetreten. Auch die Hauptstadt Prag hat sich entgegen der Prophezeiungen internationaler Medien nicht zum „Amsterdam des Ostens“ entwickelt. Stattdessen gibt es auch in Tschechien Bestrebungen, zu einer restriktiveren Drogenpolitik zurückzukehren. Ein nicht zu vernachlässigendes Argument ist dabei der Jugendschutz.

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