UK: NICE lehnt CBD als Epilepsiebehandlung ab

Das CBD-Medikament Epidiolex kann bei behandlungsresistenten Epilepsieformen eine alternative Behandlungsoption sein. Doch das britische NICE entschied nun, dieses nicht zu empfehlen.

UK: NICE lehnt CBD als Epilepsiebehandlung ab

Im Vereinigten Königreich ist es für die Patienten trotz Freigabe nahezu unmöglich, Medizinalcannabis verordnet zu bekommen (Leafly.de berichtete). Vor allem für Kinder, die unter einer behandlungsresistenten Epilepsie leiden, wird es jetzt noch schwieriger. Denn das britische National Institute for Health Care and Excellence (NICE) hat jetzt laut einem Medienbericht entschieden, CBD-Produkte mit Clobazam nicht zur Behandlung von behandlungsresistenten Epilepsiezuständen zu empfehlen.

NICE: Keine Empfehlung für CBD und Clobazam

Das NICE entschied, das CBD-Medikament Epidiolex nicht mit Clobazam zur Behandlung des Dravet- und dem Lennox-Gastaut-Syndroms zu empfehlen. In einem Richtlinienentwurf erklärte NICE, dass Cannabidiol mit Clobazam zwar die Anzahl der Epilepsieanfälle im Vergleich zur üblichen Behandlung mit Antiepileptika verringere, die langfristige Wirksamkeit der Behandlung sei jedoch ungewiss.

Der Hersteller von Epidiolex hatte den Listenpreis für Cannabidiol nicht bestätigt. NICE gab jedoch Bedenken hinsichtlich der Kosten-Nutzen-Schätzungen an.

„Obwohl das Komitee die Beweise akzeptierte, dass CBD mit Clobazam die Anfallshäufigkeit verringert, ist seine langfristige Wirksamkeit unbekannt. Das Komitee war nicht überzeugt von dem, wie der Hersteller die Auswirkungen auf Patienten dargestellt hat. Auf der Grundlage der vorgelegten Beweise konnte das Komitee CBC mit Clobazam nicht als wirksame Verwendung von NHS-Ressourcen empfehlen, so Meindert Boysen, Direktor des Zentrums für Bewertung von Gesundheitstechnologien bei NICE.

Zusammenarbeit mit dem Hersteller von Epidiolex

Boysen führte weiter aus, dass man entschlossen sei, mit dem Hersteller zusammenzuarbeiten, um die vom Ausschuss ermittelten Probleme bei der Wirtschaftsmodellierung zu lösen. Der Hersteller müsse die Kosten von Cannabidiol für den NHS senken. Beim NHS handelt es sich um den National Health Service (Nationaler Gesundheitsdienst).

Ein Bericht von NHS England Anfang dieses Monats kam zu dem Schluss, dass ein Mangel an qualitativ hochwertigen Daten eine „große Hürde“ für NHS-Patienten darstellt, wenn sie Cannabis-basierte Arzneimittel für medizinische Zwecke (CBPM) erhalten können.

Ziel war es, einige der Bedenken von Patienten und Ärzten seit der Gesetzesänderung im November 2018 auszuräumen, damit Fachärzte CBPM verschreiben können.

CBD allein sei nicht wirksam

Prof. David Nutt, Leiter des Zentrums für Neuropsychopharmakologie am Imperial College London, erklärte, die Entscheidung von NICE scheine seine Überzeugung zu untermauern, dass CBPMs aufgrund ihrer hohen Kosten nicht für traditionelle pharmazeutische Entwicklungsprogramme geeignet seien.

„Ein weiteres wichtiges Problem bei diesen Epilepsieformen ist die Tatsache, dass CBD an sich nicht besonders wirksam ist. Die meisten Erfolge sind auf die Verwendung von Cannabisöl zurückzuführen, das andere Verbindungen wie THC enthält. Die Entwicklung und Erprobung derartiger Kombinationen wäre äußerst anspruchsvoll und teuer. Die Erstattung wird NICE möglicherweise nicht übernehmen. Aus diesem Grund gibt es keine etablierten Pharmaunternehmen auf dem Gebiet“, erklärte Nutt weiter.

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

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