USA: Umfrage unter Onkologen, die Medizinalhanf verordnen

Autor: Alexandra Latour

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In den USA empfehlen zahlreiche Onkologen Cannabis als Medizin, obwohl sie sich nicht ausreichend informiert fühlen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die unter anderem von der University of Massachusetts-Boston durchgeführt wurde.

USA: Umfrage unter Onkologen, die Medizinalhanf verordnen

Forscher der University of Massachusetts-Boston und dem Massachusetts General Hospital in Boston führten die erste landesweite repräsentative Umfrage unter Onkologen durch, die Cannabis für therapeutische Zwecke verordnen. So wurden die Onkologen in Bezug auf ihre Einstellung, ihr Wissen sowie ihre Praktiken mit Medizinalhanf befragt.

Die Forscher identifizierten eine Diskrepanz zwischen der selbst berichteten Wissensbasis der Onkologen und ihren klinischen Praktiken und Überzeugungen bezüglich Cannabis als Medizin. Während sich eine große Mehrheit der Onkologen nicht genug informiert fühlt über den Nutzen von Medizinalhanf, um klinische Empfehlungen zu geben, wird es dennoch bei fast der Hälfte ihrer Patienten empfohlen, so die Forscher, die eine bevölkerungsbasierte Stichprobe bei Onkologen erhoben haben.

Medizinalhanf – wissenschaftliche Beweislage ist noch nicht ausreichend

Es sind viele weitere Studien erforderlich, um den Nutzen von Medizinalhanf bei schweren Erkrankungen wie Krebs zu belegen. Deshalb spekulieren die Forscher, dass die noch „unausgereifte“ wissenschaftliche Beweislage eine Herausforderung für Onkologen darstellt.

„In dieser Studie haben wir eine relevante Diskrepanz festgestellt: Obwohl 80% der befragten Onkologen mit ihren Patienten über pharmazeutisches Cannabis sprachen und fast die Hälfte den Einsatz des Wirkstoffs klinisch empfahlen, halten sich weniger als 30% der gesamten Stichprobe für sachkundig genug, um Empfehlungen abzugeben“, erklärte Ilana Braun, MD, Leiterin der Abteilung für erwachsene psychosoziale Onkologie des Dana-Farber-Krebsinstituts.

Ergebnisse der Umfrage

Die Antworten bei der Umfrage zeigten signifikante Unterschiede in der Einstellungen und Praktiken auf der Grundlage nicht-klinischer Faktoren, wie zum Beispiel der regionale Standort in den USA. Laut Eric G. Campbell, Professor an der Universität von Massachusetts, sei es wichtig, sicherzustellen, dass Ärzte über ausreichende Kenntnisse verfügen, auf denen sie ihre medizinischen Empfehlungen aufbauen können. Die Umfrage lege nahe, dass es in Bezug auf Cannabis als Medizin eindeutig Raum für Verbesserungen gebe.

Bislang haben keine randomisierten klinischen Studien die Auswirkungen von Medizinalhanf bei Krebspatienten untersucht, sodass sich Onkologen auf qualitativ minderwertige Beweise beschränken, die in der Forschung zu pharmazeutischen Cannabinoiden bei der Behandlung anderer Erkrankungen untersucht wurden.

Bemerkenswerterweise legen weitere Ergebnisse der aktuellen Umfrage nahe, dass fast zwei Drittel der Onkologen glauben, dass medizinisches Cannabis eine wirksame Ergänzung zur Standardschmerztherapie ist und ebenso oder wirksamer ist als die Standardtherapien für Symptome wie Übelkeit oder Appetitlosigkeit, die im Rahmen einer Krebsbehandlung auftreten.

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