Utas Überleben: Muss man halb tot sein, um eine Kostenübernahme zu bekommen?

Autor: Uta Melle

Verõffentlicht am: 19. Januar 2018

Geändert am: 19. Juni 2018

In den Foren und Gruppen zum Thema Cannabis als Medizin stehen zwei Themen ganz weit oben: Die Kostenübernahme der Krankenkassen und die fehlende Bereitschaft vieler Ärzte, es zu verschreiben. Die meisten Patienten, die es verschrieben und die Kosten übernommen bekommen, sind als „palliativ“ oder „austherapiert“ eingestuft. Heißt das, dass man erst fast tot sein muss, um es zu bekommen?

Utas Überleben: Muss man halb tot sein, um eine Kostenübernahme zu bekommen?

Die Freigabe von Cannabis als Medizin ist bald ein Jahr alt, die Berichterstattung sehr präsent. Entsprechend ist die Nachfrage hoch, doch die Ärzte sind noch unsicher, da sie noch nicht geschult sind und es gibt leider wenige Apotheken, die es anbieten. Auf allen Seiten besteht oft auch Angst vor Abhängigkeit, was im Vergleich zu Opiaten ein wenig grotesk erscheint. Eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen scheint in unerreichbarer Ferne.

Hinzu kommt, dass Medizinalhanf im Vergleich zu chemischen Präparaten sehr teuer ist. Die monatlichen Kosten einer Behandlung belaufen sich auf durchschnittlich 500 Euro. Diese Kosten versuchen Krankenkassen zu vermeiden und tun alles, um die Behandlung wieder auf günstigere Mittel zu verlagern. Sie schreiben fleißig Ablehnungsbescheide und hoffen darauf, dass kein Einspruch erfolgt. Kranke Menschen können sich nicht so gut um Papierkram kümmern.

Die Stolpersteine bei der Kostenübernahme

Auch beschleicht mich manchmal das Gefühl, die Krankenkassen würden ein Cannabis-BtM-Rezept als „Rezept zum kostenlosen kiffen“ ansehen, als ob der Patient nur Jux und Tollerei im Kopf hätte und der Kasse dann die nächsten 10 Jahre auf der Tasche liegen und abhängen wollen würde. Dem ist jedoch nicht so. Ärzte prüfen sehr genau, wem und warum sie ein BTM-Rezept ausstellen.

Nun gibt es da noch das Argument, dass Pharmakonzerne dem allen im Weg stehen, da in den Ländern, in denen Cannabis für medizinische Zwecke legalisiert wurde, die Verkaufszahlen ihrer Produkte enorm zurückgehen. Ja, vielleicht – ich weiß es nicht. Aber: legalisiert ist legalisiert – da können die nicht dran rütteln. Das Gesetz ist auf Seite der Patienten.

Was können wir also tun, damit alles besser wird?

Wir dürfen einfach nicht aufgeben. Einsprüche müssen geschrieben werden, damit die Krankenkassen vor die Wahl gestellt werden entweder neue Mitarbeiter für die Bearbeitung dieser einzustellen oder die Kosten zu übernehmen. Wir müssen die Ärzte freundlich bitten, sich über die Möglichkeiten des Einsatzes von pharmazeutischem Cannabis zu erkundigen. Und: Wir sollten uns über neue klinische Studien auf dem Laufenden halten, denn die können die Kostenübernahme erleichtern.

Nicht aufgeben, stark bleiben, denn wie heißt es doch so schön: „Am Ende wird alles gut. Und wenn nicht alles gut ist, dann ist es auch nicht das Ende.“

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