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Vaporisatoren in der Medizinal-Cannabis-Therapie: Dampf statt Rauch

LMCC20-Dolfen Autor:
Melanie Dolfen

Obwohl die Nachfrage nach alternativen Darreichungsformen, wie z.B. öligen Extrakten, kontinuierlich steigt, wird in der Therapie mit Medizinal-Cannabis in den meisten Fällen die Inhalation genutzt. Hierbei sprechen nicht nur gesundheitliche Aspekte für die Verwendung von Vaporisatoren.

Vaporisatoren in der Medizinal-Cannabis-Therapie: Dampf statt Rauch

Auch die Bioverfügbarkeit der Cannabinoide ist bei der Verdampfungsmethode mit Vaporisatoren gegenüber dem Rauchen deutlich erhöht. Zudem ist die Dosis, einheitliche Abfüllmengen und Temperaturen vorausgesetzt, im Vergleich zu anderen Applikationsformen (z. B. Teezubereitungen) reproduzierbarer.

Warum Vaporisatoren die bessere Applikationsform sind

Beim Verbrennen der Pflanzenteile entstehen bekanntlich nicht nur giftige und krebserregende Substanzen, es gehen zudem auch viel mehr Cannabinoide im Nebenstromrauch verloren und stehen der Therapie nicht mehr zur Verfügung. Somit ist das Verdampfen nicht nur die gesündere, sondern auch die effizientere Form, die physiologisch aktiven Bestandteile von Cannabis zu extrahieren.

Auch im Vergleich mit der oralen Anwendung, bei der ein Großteil der aufgenommenen Cannabinoide früh in der Leber metabolisiert wird („First-Pass-Effekt“), ist die systemische Bioverfügbarkeit mit 10 bis 35 % deutlich erhöht.

In Vaporisatoren erfolgt die Erhitzung der Pflanzenteile auf eine bestimmte Temperatur, ohne zu verbrennen (s. Tab. 1). Dabei werden die inaktiven Carbonsäure-Formen der Cannabinoide in ihre aktive Form umgewandelt und verdampft.

Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC)157 °C
Cannabidiol (CBD)160-180° C
Cannabinol (CBN)185 ° C

THC und CBD liegen nun als Aerosol vor und können über die Alveolen (Lungenbläschen) zügig in den Blutkreislauf gelangen, wodurch die Wirkung bereits nach wenigen Minuten eintritt. Dies ist bei akuten Verlaufsformen (z. B. bei Schmerz, Multiple Sklerose) von großer Bedeutung. Der Effekt hält bis zu vier Stunden an.

Der inhalativen Therapie sind jedoch Grenzen gesetzt: Menschen, die an Atemwegserkrankungen (z. B. Asthma, COPD) leiden und Patienten, bei der die schnelle Anflutung der Wirkstoffe mit starken Nebenwirkungen verbunden ist, wird diese Applikationsform nicht empfohlen.

Vaporisatoren: Medizinische Hilfsmittel für zu Hause und unterwegs

Für die inhalative Therapie mit Cannabinoiden sind derzeit in Deutschland nur zwei Vaporisatoren medizinisch zugelassen und als Hilfsmittel anerkannt:

  • Volcano Medic für den stationären, häuslichen Gebrauch
  • der mobile, handliche und akkubetriebene Mighty Medic
  • beide Geräte werden von der Firma Storz & Bickel produziert

Erhält ein Patient die Kosten für die Medizinal-Cannabis-Therapie von der Krankenkasse erstattet, übernimmt die Krankenkasse in den meisten Fällen auch die Kosten für mindestens einen dieser beiden Vaporisatoren. Nach der Verordnung durch den Arzt muss die Krankenkasse dieses Hilfsmittel jedoch erst genehmigen. Den notwendigen Kostenvoranschlag reicht in der Regel die Apotheke direkt bei der Krankenkasse ein. Die Bearbeitung kann dabei ein bis zwei Wochen in Anspruch nehmen.

Korrekter Umgang mit Vaporisatoren

Abb. 1 Volcano Medic (Storz & Bickel GmbH)

Tischstandgerät für zuhause

Dieses Gerät ist für zweierlei Einsatzmöglichkeiten konzipiert:

Zum einen kann ein ethanolischer Cannabis-Vollextrakt oder ein in Alkohol gelöstes Dronabinol (THC) genutzt werden. Hierfür wird dann ein mitgeliefertes Tropfenkissen in der Füllkammer verwendet. Für Anfangsdosen bis zu 5 Tropfen ist auch ein „Füllkammerreduzierer“ nebst kleinerem Tropfenkissen und Dosierkapsel verwendbar.

Um ein Einatmen des Alkohols zu verhindern, wird dieser zunächst bei einem niedrig temperierten Luftstrom (100 °C) abgedampft. Dafür ist die Füllkammer auf den Heißlufterzeuger zu setzen und nach Erreichen der Solltemperatur ist die Pumpe („AIR“) anzuschalten. Dabei lässt sich die Verflüchtigung leicht am charakteristischen Geruch überprüfen. Die Umwandlung der Cannabinoide erfolgt bei dieser Temperatur noch nicht.

Die zweite Möglichkeit ist die Verwendung von zerkleinerten Cannabisblüten, wobei der Anwender eine vom Arzt vorgeschriebene Menge in die Füllkammer gibt. Bei kleinen Dosen bis zu 100 mg empfiehlt sich auch hier die Nutzung einer Dosierkapsel (eingesetzt in einem Füllkammerreduzierer). Dabei kann die Füllkammer Mengen bis zu 1000 mg aufnehmen.

Nachdem sich der Alkohol verflüchtigt hat, bzw. die Füllkammer befüllt wurde, wird der Heißlufterzeuger bei abgenommener Füllkammer auf Temperaturen von 180 bis 210 °C erhitzt. Anschließend erfolgt das Aufsetzen der Füllkammer und des Ventilballons. Die Heißluft strömt nun bei eingeschalteter Pumpfunktion durch die Füllkammer und bewirkt die Decarboxylierung der Cannabinoide sowie die Überführung in ein lungengängiges Aerosol, das in den Ventilballon übergeht.

Weitere wichtige Hinweise für die Nutzung

Auch wenn die Verdampfung der Wirkstoffe schon in den ersten Sekunden stattfindet, ist der Ventilballon (Volumen: 12,5 L) vollständig zu befüllen. Denn die nachströmende Luft trägt zu einer Verdünnung des Aerosols bei, womit die Inhalation leichter ist und standardisierte Dosen gewährleistet werden. Dies dauert dann ca. 35 Sekunden.

Ist die Befüllung abgeschlossen, wird die Pumpe abgeschaltet und der Ventilballon samt Füllkammer von dem Heißlufterzeuger entfernt. Ein Ventil verhindert das unkontrollierte Ausströmen des Aerosols. Erst wenn das Mundstück mit dem Ballon verbunden wird, kann der Patient mit der aktiven Inhalation beginnen, indem er mit den Lippen leicht gegen das Mundstück drückt und somit das Ventil öffnet.

Das Aerosol bleibt nur etwa 10 Minuten gasförmig stabil und kondensiert danach an der Ballonwand. Daher sollte die Inhalation innerhalb dieser Zeit abgeschlossen sein. Zum Ende der Inhalation lässt sich der Ventilballon durch Straffziehen und anschließendem Einatmen vollständig entleeren.

Abb. 2: Mighty Medic (Storz & Bickel GmbH)

Der kleine Vaporisator für unterwegs

Das mobile Gerät ist offiziell nur für die Verwendung zerkleinerter Cannabisblüten konzipiert, da es keine Pumpe zum Abdampfen des Alkohols besitzt.

Möchte ein Patient dennoch einen alkoholischen Extrakt mit dem mobilen Verdampfer nutzen, ist es möglich, den Alkohol vor dem Einsetzen der Tropfenkissen in die Füllkammer durch Erwärmen auf 80-100 °C vollständig zu entfernen (z.B. im Backofen).

Um die Füllkammer zu öffnen, ist die Kühleinheit mit einer 90°-Drehung entgegen dem Uhrzeigersinn vom Verdampfer abzunehmen. Die Füllkammer kann Dosen bis maximal 150 mg Cannabisblüten fassen. Zu empfehlen ist die Nutzung von Dosierkapseln.

Über das mitgelieferte Magazin lassen sich diese leicht befüllen, dessen Deckel dabei als Trichter fungiert. Durch die Nutzung von Dosierkapseln wird das untere Sieb der Füllkammer seltener verschmutzt.

Sobald die Füllkammer mit der Dosis bestückt und die Kühleinheit wieder befestigt ist, kann der Aufheizvorgang starten. Dies kann, abhängig von der eingestellten Soll-Temperatur, bis zu zwei Minuten dauern. Zu empfehlen ist zunächst das Erhitzen auf 180 °C. Danach kann die Inhalation beginnen.

Die Warmluft strömt atemwegsinduziert durch die Füllkammer und durch die aufliegende Kühleinheit. Die Inhalation ist somit durch den bestehenden Zugwiderstand weniger komfortabel als beim Volcano Medic. Es ist zu empfehlen, so lange zu inhalieren, bis der Dampf beim Ausatmen nicht mehr zu erkennen ist. Anschließend kann auf eine Maximaltemperatur von 210 °C erhitzt und der Inhalationsvorgang wiederholt werden.

Vaporisatoren: Die optimale Dosierung ist wichtig

Die Konzentration der Cannabinoide im Aerosol wird von der Füllmenge und der Wirkstoffkonzentration in der Blüte beeinflusst. Zudem sind die Verdampfungstemperatur und der Grad der Zerkleinerung von Bedeutung. Mit der im Set des Verdampfers mitgelieferten Kräutermühle lassen sich die Cannabisblüten zerkleinern und so für die Füllung vorbereiten.

Es ist zu empfehlen, für die exakte Dosierung eine Feinwaage zu nutzen, die auf 10 mg genau einwiegen kann. Die Füllkammer des Tischstandgerätes fasst bis zu 1000 mg an zerkleinerten Cannabisblüten.

Es empfiehlt sich für den Patienten jedoch die Verwendung von geringeren Mengen (beginnend bei 25 mg und steigernd bis zu 150 mg), da dadurch sowohl eine reproduzierbare Dosierung gewährleistet als auch eine Verschwendung vermieden wird. Bei der Verwendung von höheren Mengen verbleibt ein zu großer Anteil der Cannabinoide in der Droge.

Für erfahrene Patienten ist es nach Rücksprache mit dem Arzt möglich, die Füllkammer mit größeren Mengen (z. B. 500 mg) zu bestücken, um nacheinander mehrere Ventilballons abzufüllen. Bei dieser Methode sind jedoch keine reproduzierbaren Dosen erzielbar. Im Mighty Medic sind höhere Dosen als 150 mg nicht zu empfehlen.

Ersatzteile und Reinigung von Vaporisatoren

Die Dosierkapseln sind laut Hersteller nur zum Einmalgebrauch vorgesehen, sind jedoch in der Praxis auch mehrere Male nutzbar. Der Austausch des Ventilballons sollte nach 70 Anwendungen oder nach zwei Wochen erfolgen.

Die Kondensation des Aerosols führt auch in der Kühleinheit des mobilen Gerätes mit der Zeit zu Verunreinigungen. Daher ist eine regelmäßige Beseitigung der Ablagerungen zwingend notwendig; bei regelmäßigem Gebrauch spätestens nach sieben Tagen.

Ersatzteile-Sets können die bei Bedarf über die Apotheke bezogen werden. In gewissen Zeitabständen übernehmen auch die Krankenkassen die Kosten für die Ersatzteile.

Lesen Sie mehr zum Thema Vaporizer.

 

Quellen:

  • Häußermann/Grotenhermen/Milz, Cannabis – Arbeitshilfe für die Apotheke, 2. Auflage, Laupheim/Rüthen/Berlin
  • Grotenhermen/Häußermann, Cannabis – Verordnungshilfe für Ärzte, 2. Auflage, Rüthen/Laupheim

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