Verdampfer: Übersicht über Modelle und medizinische Verwendung

Autor: Alexandra Latour

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Vaporizer haben im Vergleich zum Rauchen den Vorteil, dass keine Verbrennung, sondern eine Verdampfung stattfindet. Durch den Vaporisierungsprozess werden die aktiven Substanzen aus dem Ausgangsmaterial im Dampf gesammelt und vom Anwender inhaliert. Neben dem Verdampfen von Kräutern, ätherischen Ölen und Räucherwaren wird der Vaporizer auch zum Inhalieren von pharmazeutischem Cannabis genutzt. Leafly berichtet im Folgenden ausführlich über die unterschiedlichen Vaporizer-Typen und deren Einsatzzwecke.

Verdampfer: Übersicht über Modelle und medizinische Verwendung

Verdampfungsgeräte kommen seit vielen Jahrzehnten in der Medizin und in der Naturheilkunde zum Einsatz. Besonders erfolgreich sind die Vaporisatoren oder auch Verdampfer gegen Erkrankungen der Lunge und der Atemwege sowie in der Schmerztherapie. Da die Wirkstoffe über die Lunge aufgenommen werden, ist eine Wirkung relativ schnell spürbar.

In der klassischen Aromatherapie werden ätherische Öle aus Pflanzenextrakten bzw. Heilkräutern wie Kamille, Sandelholz oder Rosmarin verdampft. Hingegen finden in der Phyto-Therapie Extrakte aus Pflanzen Anwendung, wobei jeder Wirkstoff einen anderen Siedepunkt besitzt und dementsprechend eine bestimmte Temperatur benötigt, um die optimale Wirkung entfalten zu können. Im Vergleich zum Verdampfen von ätherischen Ölen ist das direkte Verdampfen von Kräutern sparsamer und effizienter.

Wie funktionieren Vaporizer?

Der erste Verdampfer für die breite Masse war der „BC Vaporizer“ mit dem Konduktionsverfahren aus Kanada, der in den 90er Jahren auf den Markt kam. Der Anwender konnte seine Kräuter in eine Art Kessel füllen, die dann erhitzt wurden. Aufgefangen wurde der hierdurch entstandene Dampf in einer Glasglocke und durch das Mundstück war das Inhalieren möglich. Eine Temperatureinstellung war an diesem Verdampfer nicht möglich, weshalb die Kräuter entweder kaum Wärme abbekamen oder aber teilweise verbrannt wurden.

Mit der Jahrtausendwende eroberten dann Verdampfer mit dem Konvektionsverfahren und der Möglichkeit der Temperatureinstellung den Markt. Konvektionsverfahren bedeutet, dass die Luft auf eine vorher eingestellte Temperatur erhitzt und diese dann mithilfe eines Gebläses durch die Kräuterkammer bis zum Auffangballon gedrückt wird.

Einige erkannten das Potenzial der Konvektion und entwickelten neue Verdampfer mit einer schachtelförmigen Hülle. Integriert wurde eine Erhitzungsquelle in Form eines Thermostats und eines Temperaturreglers. Aktuell dominieren die Verdampfer mit dem Konvektionsverfahren den Markt. Unterschiede gibt es lediglich in den Erhitzungssystemen und Dampftransportsystemen. Ebenso ist die Art, wie die Temperatur geregelt werden kann, von Geräte zu Gerät unterschiedlich.

Die Konduktionsmethode verschwand jedoch nicht völlig vom Markt. Es gibt immer noch eine Art Pfeife, bei der die Kammer entweder mithilfe eines Feuerzeugs oder batteriebetrieben erhitzt wird. Es handelt sich hierbei um kleine handliche Handvaporizer.

Verdampfer: Welche Modelle gibt es?

Vaporizer werden wie folgt unterschieden:

  • Tisch-Vaporizer: Der Tisch-Vaporizer oder auch stationärer Verdampfer genannt, findet häufig in Praxen und in privaten Haushalten Anwendung. Als tragbarer Vaporizer bzw. Handvaporizer ist der Tisch-Vaporizer nicht geeignet. Betrieben wird der Tisch-Vaporizer mit einem Netzteil, das in die Steckdose gesteckt wird. Erhältlich sind zwei verschiedene Modelle: Beim Tisch-Vaporizer mit Direktinhalation wird der durch die Verdampfungs- oder Brennkammer erzeugte Dampf durch einen Schlauch eingeatmet, ähnlich wie bei einer Shisha. Hingegen wird der Dampf beim Tisch-Vaporizern mit Speicherfunktion in einen Ballon geblasen, der mehrere Liter Volumen umfasst. Aus diesem Ballon kann der Dampf dann mithilfe eines Mundstücks inhaliert werden.
  • Mobile Vaporizer/Handvaporizer: Die tragbaren Vaporizer sind kaum größer als ein Smartphone und werden entweder gas- oder batteriebetrieben. Dabei haben die Handvaporizer den Vorteil, dass sie problemlos überall mit hingenommen werden können.
  • Mechanisch betriebene Vaporizer: Diese Verdampfer verfügen meist nicht über eine integrierte Verdampfereinheit und müssen mit einer externen Energiezufuhr (z. B. mit einem Feuerzeug) betrieben werden. In der Regel ähneln diese Verdampfer einer Pfeife. Die Anwendung erfordert viel Geschick, da die zugeführte Wärme schwer zu dosieren ist. Hier besteht die Gefahr, dass das Inhalationsmaterial verbrennt.

Vaporizer und ihre Vorteile

Gegenüber dem traditionellen Rauchen bietet das Verdampfen einige Vorteile:

  • Der Dampf aus dem Vaporizer enthält eine höhere Wirkstoffmenge mit einer höheren Dichte, sodass durch das leichte Einatmen eine bessere Wirkung erzielt werden kann. Wer noch nie einen Verdampfer genutzt hat, sollte deshalb erst einmal nicht zu viel und vor allem nicht zu schnell dampfen.
  • Beim Verdampfen gehen die Wirkstoffe nicht ungenutzt in der Luft verloren, wie es beim Rauchen der Fall ist. Außerdem kann der Dampf aus einem Vaporizer länger und tiefer inhaliert werden.
  • Aus Gründen der besseren Intensität und Effizienz kann das Inhalationsmaterial sparsam dosiert werden.
  • Beim Verdampfen entstehen nicht wie beim Rauchen Giftstoffe wie Teer oder Benzol. Somit ist das Verdampfen angenehmer für die Atemwege.
  • Wenn beim Vaporizer die richtige Temperatur eingestellt wird, verliert das Inhalationsmaterial kaum Aromen.
  • Der durch den Vaporizer entstandene Dampfgeruch ist sehr mild und nur von kurzer Dauer.

Interessante Studien zum Verdampfen von Cannabis zu medizinischen Zwecken

Bereits im Jahr 2003 stellten Forscher fest, dass die Verdampfung von Cannabis eine bessere Alternative zum klassischen Rauchen ist. Im Jahr 2006 untersuchten niederländische Wissenschaftler ebenfalls die Verwendung eines Verdampfers, um pharmazeutisches Cannabis zu inhalieren und schlussfolgerten aus den Ergebnissen, dass Patienten mithilfe des Vaporizers eine effiziente und sichere Einnahmemöglichkeit haben.

Interessant ist auch eine Studie aus dem 2007, bei der die Verdampfung von Cannabis mit dem „Volcano“-Gerät getestet wurde. Im Ergebnis heißt es, dass bei Temperaturen zwischen 180 und 200 Grad Celsius keine schädlichen Produkte bei der Verdampfung entstehen und dass das Gerät über ein großes Potenzial verfügt, THC therapeutisch zu verwenden. Noch im gleichen Jahr veröffentlichten Forscher der University Albany ihre Ergebnisse und erklärten, dass vaporisiertes Cannabis weniger Atemwegsprobleme verursacht.

Kräuter, Öle, Räucherwaren oder Tee?

Einige Vaporizer können neben Kräutern auch Flüssigkeiten wie ätherische Öle verdampfen (Phyto-Inhalation). Es sollten grundsätzlich nur ätherische Öle genutzt werden, die auch zum Vaporisieren geeignet sind. Ebenso wichtig ist es, sich ganz genau an die Dosierung zu halten, da die Öle ansonsten toxisch (giftig) wirken können.

Auch bei der Auswahl von Kräutern und Räucherwaren ist darauf zu achten, dass diese sich zum Verdampfen eignen. Einige Räucherwaren eignen sich ausschließlich zum Verbrennen bzw. Räuchern. Hingegen können alle Kräuter genutzt werden, die auch für die Tee-Zubereitung unbedenklich sind. Synthetische Zusätze sollten sie jedoch nicht enthalten. Um die optimale Wirkung zu entfalten, muss die richtige Temperatur eingestellt werden, die je nach Heilpflanze variieren kann. Erhältlich sind natürliche Heilkräuter in Bioläden, Apotheken, Teegschäften und im Online-Handel.

Tee lässt sich im Übrigen auch hervorragend verdampfen. Als besonders wirkungsvoll haben sich die folgenden Sorten herausgestellt:

  • Pfefferminz- und Calendula Tee zur Befreiung der Atemwege
  • Kamillentee zur Linderung von Krämpfen
  • Grüner und Schwarzer Tee zur Belebung des Geistes und Körpers

Zudem sind Tees mit diversen Heilkräutern kombinierbar.

Beliebte Heilkräuter zum Verdampfen

HeilpflanzeVaporizer-TemperaturEinsatzgebietWirkung
Baldrian185-200 Grad CelsiusUnruhe, Schlafstörungen, Asthma, Hustenberuhigend, entspannend
Butterblume125-150 Grad CelsiusChronische Hauterkrankungen, Gicht, Rheumadesinfizierend, entzündungshemmend
Eukalyptusblätter130 Grad CelsiusErkältungskrankheiten, Entzündungen der Atemwege, Magen- und Darmbeschwerdendesinfizierend, schleimlösend
Gewürznelke125-150 Grad CelsiusMigräne, Zahnschmerzen, Erkrankungen der Atemwegeschmerzlindernd, durchblutungsfördernd, beruhigend
Guarana190 Grad CelsiusAntriebsschwächestimulierend
Hopfen130-200 Grad CelsiusSchlafstörungen, Unruhe, Angstberuhigend, schlaffördernd, angstlösend
Johanniskraut190 Grad CelsiusSchlafstörungen, depressive Verstimmungen, Menstruationsbeschwerdenstimmungsaufhellend, beruhigend, schlaffördernd, tonisierend
Kamille100-125 Grad CelsiusMagen-Darm-Beschwerden, Unterleibsschmerzen, Husten, Bronchitisdesinfizierend, schleimlösend, beruhigend
Lavendelblüten130 Grad CelsiusSchlafstörungen, depressive Verstimmungen, Menstruationsbeschwerden, Erkältungskrankheitenstimmungsaufhellend, beruhigend, schlaffördernd, tonisierend, entzündungshemmend
Melissenblätter130-150 Grad CelsiusUnruhe, Nervositätberuhigend
Pfefferminzblätter130-150 Grad CelsiusMagen- und Darmbeschwerden, Blähungenberuhigende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt
Rosmarin130 Grad CelsiusHerzbeschwerden, Menstruationsbeschwerden, Antriebsschwächestimulierend, tonisierend
Salbei170-210 Grad CelsiusEntzündungen im Hals- und Rachenraum, übermäßiges Schwitzendesinfizierend, keimtötend
Thymian170 Grad CelsiusErkältungskrankheiten, Magen-und Darmbeschwerdendesinfizierend, keimtötend, schleimlösend

Cannabis für medizinische Zwecke verdampfen

Wenn Cannabis für medizinische Zwecke genutzt wird, sollten sich möglichst viele Cannabinoide wie THC und CBD aus der Cannabispflanze lösen. Jedoch liegen die Cannabinoide in der Cannabispflanze nicht ihrer Reinform, sondern als Carboxylsäuren wie THCA und CBDA vor, die zu THC und CBD umgewandelt werden müssen. Erreicht wird das durch den Decarboxylierungsprozess, indem mithilfe von Hitze von den Carboxylsäuren jeweils ein Molekül Kohlendioxid abgespaltet wird und die Verbindungen THC und CBD übrig bleiben.

Beim Rauchen von Cannabis entsteht in der Glut eine Hitze zwischen 800 und 900 Grad Celsius, was ausreicht, um die Carboxylsäure THCA in THC umzuwandeln. Um die Abspaltung von Kohlendioxid bei niedrigeren Temperaturen zwischen 150 und 160 Grad Celsius zu erreichen, zum Beispiel beim Backen von Cannabis-Keksen, werden mehrere Minuten Backzeit benötigt. Bei der Zubereitung von Cannabis-Tee hat sich gezeigt, dass die Decarboxylierung unzureichend ist. Dementsprechend ist auch die medizinische Wirkung nicht ausreichend.

Bei dem Verdampfen von Cannabis ist eine Temperatur von über 185 Grad Celsius zu empfehlen. Die Carboxylsäuren und Terpene werden bei einer Temperatur von 210 Grad Celsius nahezu vollständig herausgelöst, ohne dass das Pflanzenmaterial verbrennt. Der Wirkungseintritt findet schon nach ein bis zwei Minuten statt und kann zwei bis vier Stunden anhalten.

Welche Vaporizer eignen sich für die medizinische Nutzung?

Für um die 50 Euro gibt es bereits einfache Vaporizer, die jedoch meist nicht mit einer zuverlässigen Temperatureinstellung ausgestattet sind. Erfahrungsberichten zufolge sollen die Rauchkammern auch bei einigen Modellen einen unangenehmen Nebengeschmack hinterlassen. Für die medizinische Nutzung sind diese Geräte eher nicht geeignet.

Vaporizer, die zwischen 50 und 100 Euro kosten, sind ebenfalls einfach konzipiert. Zwar zeigen diese meist eine Hitzestufe an, eine genaue Temperatureinstellung ist hingegen in der Regel nicht möglich. Üblicherweise erzeugen diese Vaporizer nur Temperaturen um die 190 Grad Celsius, weshalb hier auch keine Eignung für medizinische Zwecke besteht.

Solide und mittelgroße Verdampfer ab 100 Euro verfügen meist über eine Temperatureinstellung. Bei einigen Geräten sind auch Temperaturen von bis zu 210 Grad Celsius möglich. Während des Erhitzens lässt sich die Temperatur jedoch nicht bei allen Geräten beeinflussen, was zu geringfügigen höheren Temperaturen führen kann.

Hochwertige Vaporizer, die sehr gut für medizinische Zwecke geeignet sind, kosten um die 300 Euro. Diese Geräte bieten den vollen Komfort. So kann die Temperatur individuell auch während des Heizens eingestellt und beeinflusst werden. Zudem werden die Temperaturen nicht durch ungleichmäßiges Ziehen verändert und der Dampf wird über ein Gebläse in Ballons gedrückt.

Vaporizer mit medizinischer Zulassung

Aktuell gibt es nur zwei Vaporizer mit medizinischer Zulassung, und zwar den Volcano Medic als Tisch-Vaporizer und den Mighty Medic als tragbaren Vaporizer (Handvaporizer). Beide Geräte sind für die Anwendung von Cannabisblüten und das Fertigprodukt Dronabinol zugelassen und wurden zudem vom TÜV zertifiziert.

Zwar wurden Vaporizer bisher noch nicht in den Hilfsmittelkatalog der Krankenkassen aufgenommen, es besteht die Möglichkeit, eine Kostenübernahme bei der zuständigen Krankenkasse zu beantragen. Weitere Informationen gibt es hier.

In 2018 wird das Monopol für medizinische Vaporizer, die als Hilfsmittel von den Krankenkassen übernommen werden, aufgehoben. Bisher ist der einzige zugelassene Hersteller die deutsche Firma Storz und Bickel, der weltweit ihre Modelle Mighty Medic und Volcano Medic vertreibt.

Nun kündigen andere Firmen wie der niederländische Hersteller Bedrocan an demnächst mit einem Vaporizer auf den deutschen Markt zu kommen. Aus dem Haus Storz&Bickel ist zu hören, dass ein sogenannter Vape-Pen in Planung ist. Ob diese Produkte ebenfalls in Deutschland als Hilfsmittel zugelassen werden und somit eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen zu erwarten ist, bleibt abzuwarten.

 

Quellen:

Dale Gieringer , Joseph St. Laurent & Scott Goodrich, 2003, “Cannabis Vaporizer Combines Efficient Delivery of THC with Effective Suppression of Pyrolytic Compounds

Division of Pharmacognosy, Institute of Biology, Leiden University, Leiden, The Netherlands, Hazekamp A1 et al., 2006, “Evaluation of a vaporizing device (Volcano) for the pulmonary administration of tetrahydrocannabinol

Community Consortium, Positive Health Program, San Francisco General Hospital, San Francisco, California, USA, Abrams DI1 et al., 2007, “Vaporization as a smokeless cannabis delivery system: a pilot study

Department of Psychology, University at Albany, State University of New York, 1400 Washington Ave, SS369, Albany, New York 12222, USA, Earleywine M1, Barnwell SS., 2007, “Decreased respiratory symptoms in cannabis users who vaporize

Pharmazeutische Zeitung online, 2017, „Cannabis als Medizin

HanfJournal, Dr. med. Franjo Grothenhermen, 2014, „Temperaturen und Zeiten für die Aktivierung von THC

 

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

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